Herr Blatter hätte da mal was zu sagen…

Endlich hat er mal wieder seine Meinung geäußert. Zuletzt war es ja ein paar Wochen recht still um ihn geworden. Doch was wäre die Fußball-Welt ohne die außerordentlich qualifizierten und immer zu 100 % nachvollziehbaren Meinungen von FIFA-Boss Sepp Blatter?

Sepp Blatter erklärt uns die Welt. Wie konnten wir auf die abstruse Idee kommen, die WM 2022 sei nur deshalb nach Katar vergeben worden, weil die Ölscheichs möglicherweise einige großzügige Spenden getätigt haben? So ein Unfug, nein, die Vereinigten Arabischen Emirate sind eine aufstrebende Fußball-Region, die es zu fördern gilt! Ach so, natürlich, danke Sepp. Wir wissen eben einfach nicht so viel über die Welt wie du.

Und dass der Besuch eines Fußballspiels im Stadion letztlich substanziell ja auch nichts anderes ist als der Besuch einer Oper, musste Herr Blatter uns auch erst einmal erklären. Unter diesen Umständen ist es natürlich völlig nachvollziehbar, ein striktes Rauchverbot in allen Fußballstadien zu fordern. Gut, Opern finden im Gegensatz zu Fußball selten unter freiem Himmel statt, die Besucher tragen im Regelfall Smoking oder Abendrobe statt Trikot und Schal und Gesänge finden in der Oper eigentlich nur auf der Bühne und nicht auf den Rängen statt. Und Fußball ist nun strenggenommen ein Sport und keine Kunstveranstaltung (Fans des VfL Bochum dürften an dieser Stelle heftig nicken.). Aber was soll das? Halten wir uns doch nicht mit solchen Spitzfindigkeiten auf. Eine gewisse Grundähnlichkeit ist schon durchaus vorhanden. Zu beiden Veranstaltungen kommen Menschen in ihrer Freizeit. Das ist ja wohl Ähnlichkeit genug!

Im neusten Fall hat Sepp Blatter nun endlich unser falsches Weltbild in Sachen „Kampf dem Rassismus im Fußball“ wieder gerade gerückt. Da hat die Fußball-Welt doch tatsächlich dieses Berliner Problemkind in Diensten des AC Milan, Kevin-Prince Boateng, gelobt, weil er und seine Teamkollegen in einem Testspiel gegen den italienischen Viertligisten Pro Patria (schöner Name für einen Fußballverein übrigens…) nach anhaltenden rassistischen Beleidigungen durch die Fans den Platz verlassen haben. Das haben wir doch in unserer Unwissenheit doch tatsächlich für Courage gehalten! Zum Glück gibt es Sepp Blatter, der uns dumme Schafe aufklärt: „Ich denke, dass ein Spieler nicht einfach vom Feld gehen kann, das ist nicht die Lösung,“ sagte Blatter am Montag der Presse. Schließlich könne eine Mannschaft ja auf die Idee kommen, im Falle einer drohenden Niederlage rassistische Beleidigungen vorzuschieben und einfach vom Platz zu gehen. Gleichzeitig lobte Blatter den dunkelhäutigen Spieler Victor Ibarbo von Cagliari Calcio, der am Samstagabend beim Serie-A-Spiel gegen Lazio Rom von den Lazio-Anhängern rassistisch beschimpft wurde, aber darauf verzichtete, den Platz zu verlassen.

Was Blatter nicht leistet: einen Vorschlag, wie man sonst gegen das gerade in Italien extreme Rassimus-Problem vorgehen könnte. Seine favorisierte Option ist offenbar, unangenehme Dinge, die ein schlechtes Licht auf sein Hochglanzprodukt Profifußball werfen, einfach tot zu schweigen. Gute Lösung. Das hat uns in der Vergangenheit echt weiter gebracht.

Es ist schlimm genug, dass dunkelhäutige Spieler im regulären Liga-Betrieb immer wieder diesen rassistischen Rufen ausgesetzt sind. Es ist aber auch klar, dass ein Spieler sich drei Mal überlegen wird, ob er in einem wichtigen Punktspiel einfach den Platz verlässt. Aber muss sich ein Spieler derartige Beleidigungen in einem unwichtigen Testspiel gefallen lassen? Und zum Thema „rassistische Beleidigungen vorschieben“: es gibt massenhaft Kameras und Mikrofone im Stadion. Und es gibt massenhaft Zuschauer. Es sollte sich ziemlich leicht überprüfen lassen, ob solche Gesänge tatsächlich vorkamen oder nicht. Dieses Risiko dürfte wohl kein Team ernsthaft eingehen, in einem solchen Fall als Lügner entlarvt zu werden.

Natürlich kann es nicht die Patentlösung sein, wenn die Spieler jetzt bei jedem Vorfall das Spielfeld verlassen. Es hat auch niemand davon geredet, dass jeder Spieler jetzt diesem Beispiel folgen soll. Aber die Aktion von Kevin-Prince Boateng und seinen Mannschaftkollegen war ein starkes Zeichen gegen Rassismus, mit dem sie signalisiert haben: „Wir lassen uns das nicht mehr bieten und wir akzeptieren es nicht länger.“ Dass Blatter diese Courage kritisiert anstatt froh zu sein, dass die Spieler, die ja immerhin die Protagonisten in diesem Spiel sind, Farbe bekennen, ist traurig.

Das Schlimme bei den regelmäßigen Äußerungen Blatters ist, dass man das Gefühl hat, dass er sich vollkommen im Recht fühlt. Er hat eine völlig verzerrte Wahrnehmung der Dinge, die für jeden Außenstehenden nicht mehr nachvollziehbar ist. Er tätigt diese Äußerungen ja nicht um zu provozieren, sondern er hat anscheinend wirklich eine andere Wahrnehmung als der Rest der Welt. Wäre Blatter nur irgendein unbedeutender Funktionär, sagen wir z.B. im aserbaidschanischen Fußballverband, dann könnte man sich „armer Spinner“ denken und sich weiter seinem Tagesgeschäft widmen. Aber dieser arme Irre ist leider zufällig der oberste Boss des Weltfußballverbandes und so wird es dem gemeinen Fan langsam Angst und Bange, welche abstrusen Ideen das Hirn dieses Mannes noch gebären wird, solange er diese Funktion inne hat.

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