Vorschau Bundesliga-Rückrunde: Alles schon entschieden?

Die Winterpause neigt sich ihrem Ende zu und die Fußballfans im Land atmen auf. Pünktlich zum Rückrundenbeginn hat auch der Winter nebst Eis und Schnee in Deutschland Einzug gehalten. Zwar war es diesmal nur ein guter Monat ohne den rollenden Ball, ein Klacks im Vergleich zu der nie enden wollenden Sommerpause, die 2012 trotz EM gefühlte drei Jahre andauerte. Dennoch fühlt es sich irgendwie falsch an, am Samstagnachmittag einkaufen zu gehen, die Wohnung zu putzen, Kuchen zu essen oder was man sich sonst halt so an Ersatzbeschäftigungen sucht.

Auffällig war, dass sich das Transferkarussell in diesem Winter vergleichsweise ruhig drehte. Das liegt vielleicht daran, dass Felix Magath derzeit bei keinem Bundesligisten unter Vertrag steht. Den wohl spektakulärsten Coup landeten diesmal die Bayern mit der Verpflichtung von Pep Guardiola, der mit dem FC Barcelona unter anderem zwei Mal die Champions League gewann und ab Sommer dann die Bayern als Trainer zu Ruhm und Ehre führen soll. Wenn man zwei Mal innerhalb von drei Jahren ein Champions League-Finale versemmelt hat und dann einen Mann verpflichtet, der den Henkelpott zwei Mal gewonnen hat, liegt der Verdacht recht nahe, wo die Prioritäten der Bayern in der nächsten Saison liegen werden.

Starke Bundesliga

In diesem Jahr liegt der Fokus ganz klar auf der Meisterschaft, wohl hauptsächlich deswegen, weil man an der Säbener Straße nicht daran interessiert ist, sich ein drittes Mal hintereinander von dem jungen schwarz-gelben Gemüse aus dem Ruhrpott eine lange Nase drehen zu lassen. Die Verpflichtung Guardiolas ist im Hinblick auf die Bundesliga durchaus nicht risikofrei. Tatsache ist, dass er sich mit den Verhältnissen der Bundesliga nicht auskennt. In Deutschland ist es eben nicht so, dass es nur zwei „Große“ gibt und alle anderen sich von Vornherein nur um die Plätze 3-18 streiten, auch wenn Bayern und Dortmund im Moment um die Vorherrschaft streiten. Mit Leverkusen, Schalke, Frankfurt, Gladbach, Stuttgart, Hamburg und Hannover gibt es schon mal mindestens sieben Mannschaften, die Anspruch auf einen Europacup-Platz beanspruchen, qualitativ ziemlich bis sehr gut besetzt sind und teils sehr schönen Fußball spielen.

Dazu kommt, dass in der Bundesliga auch immer wieder die „Kleinen“ einen „Großen“ schlagen können. Nun sind in dieser Saison die „Kleinen“ mit Augsburg und Fürth tatsächlich ziemlich klein und können eigentlich höchstens ihrem eigenen, aber nicht dem gegnerischen Torwart gefährlich werden. Doch wenn diese beiden absteigen, lauern auch in der zweiten Liga starke Teams und „gefühlte Bundesligisten“ auf den Aufstieg.

Aber Guardiola ist vielleicht genau der richtige Trainer, wenn man es darauf abgesehen hat, die Champions League zu gewinnen, denn auf diesem Parkett hat er mehr als genug Erfahrung. Und Barcelona, die wohl stärkste Mannschaft in Europa kennt er aus dem Effeff – auf jeden Fall ein Vorteil, wenn man es mit ihnen zu tun bekommt. Vielleicht schaffen es die Bayern im dritten Anlauf, es wäre zumindest gut für den deutschen Fußball. Spannend wird sicherlich, wie Guardiola mit den beiden Alphatieren Hoeneß und Sammer zurecht kommen wird und vielleicht noch viel spannender ist die Frage, wie lange die beiden noch miteinander klar kommen werden. Aber das ist dann Spekulatius für die Sommerpause.

BVB holt Sahin zurück

Der BVB hat mit der Rückkehr von Nuri Sahin ebenfalls einen spektakulären Transfer getätigt und gleichzeitig mit Chris Löwe (Kaiserslautern) und Ivan Perisic (Wolfsburg) zwei unzufriedene Ergänzungsspieler abgegeben. Im Moment ist es schwierig, eine Prognose darüber abzugeben, wie er sich in die Mannschaft einfügen wird, wie Jürgen Klopp ihn ins Team einbauen wird und welche taktischen Änderungen das möglicherweise zur Folge haben wird, ob er sich gegen die zweifellos starke Konkurrenz auf seiner Position durchsetzen wird und wenn ja, wer für ihn dann auf der Strecke bleibt. Grundsätzlich hat der BVB-Kader durch die Verpflichtung in der Breite an Qualität gewonnen, was sich gerade im anstrengenden Saisonfinale als Vorteil erweisen könnte – zumindest wenn der Tanz auf drei Hochzeiten auch nach dem Februar noch weiter geht.

Auf dem Transfermarkt könnte Borussia aber noch mal tätig werden, denn nach dem Abgang von Löwe steht mit Marcel Schmelzer nur noch ein nomineller Linksverteidiger im Kader. Zwar bestünde zur Not die Möglichkeit, Kevin Großkreutz oder auch Kuba auf dieser Position einzusetzen, aber dies wäre sicher keine Dauerlösung, falls Schmelzer mal für mehr als ein oder zwei Spiele pausieren müsste. Ansonsten gibt es noch ausstehende Personalfragen, allen voran natürlich die Frage, ob Robert Lewandowski seinen 2014 auslaufenden Vertrag verlängert. Die weiteren noch zu klärenden Personalien betreffen Patrick Owomoyela, Sebastian Kehl (beide 2013), Roman Weidenfeller, Kevin Großkreutz und Felipe Santana (alle 2014).

Wer wird Deutscher Meister?

Ist es noch eine spannende Frage, wer Deutscher Meister der 50. Bundesliga-Saison wird? Die TV-Expertenzunft hat den FC Bayern quasi schon vor Beginn der Saison geschlossen zum Meister erklärt, spätestens aber, als man sich in München einen völlig überteuerten Spanier für das ohnehin gut besetzte Mittelfeld leistete. Tatsächlich räumten die Roten in der Hinrunde ordentlich ab, sammelten 9 Punkte Vorsprung auf Leverkusen und ganze 12 auf Dortmund. 12 Punkte Vorsprung auf den Konkurrenten um die Meisterschaft, denn an die Existenz von Leverkusen müssen Bayern-Spieler in Interviews häufig erst erinnert werden. Das kann ihnen allerdings aufgrund der einzigartigen Vize-Historie der Pillendreher und einer fast legendären Fähigkeit, immer dann alles zu verbaseln, wenn man wirklich mal was gewinnen könnte, echt niemand ernsthaft übel nehmen.

Auf dem Papier ist das eine klare Sache, aber die letzte, fast leverkuseneske Saison mit drei Vizetiteln hat in der Öffentlichkeit anscheinend etwas am „Mia san Mia“-Mythos der Bayern gekratzt. Anders ist das Ergebnis der Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov in der Winterpause durchführte nicht zu erklären: nur 48 Prozent der Befragten, also nicht einmal die Hälfte, glauben, dass der FC Bayern diese Saison Meister wird. 52 Prozent denken also, dass sie einen auf Leverkusen machen und sich 9 bzw. 12 Punkte Vorsprung noch abnehmen lassen. Sollte das wirklich passieren, muss Guardiola wohl ein Team von Psychologen mit zum Dienstantritt bringen.

Die Drei-Punkte-Regel hat so manches verändert im Hinblick auf scheinbar klare Vorsprünge oder auch Rückstände. Ein Vorsprung kann eben deutlich schneller schmelzen als früher und 9 Punkte hören sich gar nicht mehr so viel an, wenn man bedenkt, dass es im günstigsten Fall nur drei Spiele sind, die es zu gewinnen gilt. Für eine Mannschaft, die einen Lauf hat, ein Klacks.

Klare Sache im Keller?

Das gilt aber nicht nur, was die Tabellenspitze anbelangt, sondern ist im Keller ebenso gültig. Zwei Jahre ist es erst her, dass niemand bei klarem Verstand noch an einen Klassenerhalt von Borussia Mönchengladbach geglaubt hat, aber am Ende retteten sie sich gegen alle Wahrscheinlichkeiten doch noch in die Relegation und blieben in Liga 1. Um etwas Ähnliches zu vollbringen, brauchen Fürth und Augsburg ein mittelschweres Wunder und vor allem sollten sie nicht mehr allzu lange mit dem Beginn der Aufholjagd warten. 10 Punkte trennen beide schon von Platz 15. Auch Hoffenheim bewirbt sich im Moment trotz (oder vielleicht auch wegen?) Tim Wiese im Tor um eine Rückkehr ins Unterhaus. Vermissen würde sie wohl niemand.

Ab Platz 15 wird die ganze Geschichte enger. Seitdem VW beschlossen hat, dass sein Fußballverein nicht absteigen darf und daraufhin den Despoten in Allmachtsfunktion feuerte, kann der VfL Wolfsburg auch plötzlich wieder Fußball spielen und verschaffte sich etwas Luft im Abstiegskampf. Fakt ist, dass den Tabellenfünfzehnten Wolfsburg und den Tabellensiebten Schalke gerade einmal sechs Punkte trennen. Da kann also noch mal Bewegung rein kommen. Wenn Fürth, Augsburg und Hoffenheim allerdings da anknüpfen, wo sie in der Hinrunde aufgehört haben, brauchen sich Nürnberg, Düsseldorf und co. keine ernsthaften Sorgen machen, noch in den Abstiegskampf zu rutschen.

Der Ball muss rollen

Auf dem Papier ist also mal wieder alles klar. Aber der Fußball ist ja vor allem eines: unberechenbar. Deshalb zieht er uns so in seinen Bann. Im Fußball kann alles passieren.Vielleicht erweisen sich alle Prognosen am Ende der Saison als grundfalsch. Abgerechnet wird schließlich erst am 34. Spieltag.

Jetzt wird es erst mal Zeit, dass der Ball wieder rollt!

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