Eintracht-Fans wühlen Sicherheitsdebatte wieder auf

Da hat man gerade gedacht, die hysterisch geführte Diskussion um Stadionsicherheit habe sich ein wenig beruhigt, da trampelte auch schon der nächste Elefant in Form einiger Eintracht-Fans durch den Porzellanladen bzw. durch die BayArena in Leverkusen.

In der ersten Halbzeit der bis dahin recht mäßigen Partie Leverkusen – Frankfurt beschlossen einige besonders schlaue Fans aus dem Eintracht-Block, die Stimmung ein wenig mit Feuerwerkskörpern und Bengalos anzuheizen. Grandiose Idee. Das Spiel wurde für einige Minuten unterbrochen, das Leverkusener Trainerteam nutzte die Unterbrechung für einige Feinjustierungen im taktischen Bereich und Leverkusen drehte nach Wiederanpfiff auf und machte die Eintracht mit 3:1 platt. So weit, so dämlich.

Koch will Spieler in die Pflicht nehmen

Aber natürlich war die Sache damit nicht erledigt. Während Kommentator Wolf Fuss, der in der Sky-Konferenz das Spiel Bayern – Fürth kommentierte, mit Grabesstimme von „schockierenden Bildern“ faselte (Hat der eigentlich jemals TV-Bilder aus Katastrophengebieten gesehen?), erging sich die sonntägliche Sky-Laberrunde um Patrick Wasserziehr und Marcel Reif in erneuten Forderungen nach schärferen Kontrollen. Genau das haben wir jetzt noch gebraucht.

Am Dienstag folgte dann der nächste Klops: DFB-Vizepräsident Rainer Koch forderte, die Spieler müssten ein Zeichen setzen und künftig darauf verzichten, nach den Spielen in die Fankurve zu gehen, wenn dort zuvor Pyrotechnik gezündet wurde. Ein weiteres Teil in einer Kette von populistischen Forderungen, bei denen man die nächsten drei Stunden mit dem Kopf gegen die Wand schlagen möchte.

Mal ganz davon abgesehen, dass kein Funktionär einem Profi vorzuschreiben hat, wie er auf Vorfälle dieser Art reagiert: wegen vier, fünf Chaoten sollen die Spieler sich nicht bei den tausenden anderen Fans für ihren Support bedanken? Herr Koch ist der Meinung, dass die Randalierer mit solchen Maßnahmen isoliert würden. Natürlich, die umstehenden Fans werden also andere Fans, die ihnen vielleicht sogar noch persönlich bekannt sind, an den Ordnungsdienst verraten, nur weil die Spieler nach dem Spiel nicht zur Kurve gekommen sind? Mal ehrlich, das muss doch selbst in Herrn Kochs Ohren naiv klingen.

Unsägliche Aktion

Doch bei aller berechtigter Kritik an den erneuten populistischen Forderungen, darf nicht untergehen, dass ein paar Vollidioten mit einer einzigen dämlichen Aktion alles unterwandert haben, wofür die Fanszene seit langer Zeit kämpft. Es spielt keine Rolle, ob man für Pyrotechnik im Stadion oder dagegen ist. Diese Aktion war kein Fanal für den Erhalt der Fankultur, sondern eine unsägliche Aktion einiger Einzelpersonen, die Aufmerksamkeit erregen wollten. Solange solche Vorfälle passieren, hat die Fanszene keine Argumente gegen die Politik und die Funktionäre. Einen schlechteren Zeitpunkt für diese Dummheit hätten sich die Eintracht-Fans kaum aussuchen können.

Gerade haben die DFL und die Fanvertreter wieder einen zaghaften Dialog begonnen, gerade waren alle Parteien bemüht, die tiefen Gräben, die in den letzten Wochen und Monaten zwischen den Fans und den Verbänden entstanden waren, ein klein wenig zuzuschütten. Gerade in diesem Moment veranstalten diese Individuen ihr kleines Privatfeuerwerk im Fanblock und gießen wieder Wasser auf die Mühlen der Hardliner. Es ist wohl nicht davon auszugehen, dass diese Aktion dazu angetan war, die DFB-Funktionäre für den kontrollierten Einsatz von Bengalos einzunehmen. Ganz im Gegenteil. Denn das am Samstag war alles andere als kontrolliert. Und es waren auch nicht nur Bengalos.

Aktion schadet der ganzen Fanszene

Schlimm genug, dass sie ihrem eigenen Verein massiv mit der Aktion schadeten; die Eintracht erwartet eine saftige Geldstrafe und möglicherweise auch einen teilweisen Zuschauerausschluss oder sogar ein Geisterspiel.

Aber noch schlimmer ist, dass dies wieder Wolfgang Holzhäuser und andere „Fans von Ganzkörperkontrollen“ auf den Plan rufen wird. Auch wenn regelmäßige Stadionbesucher wissen, dass deutsche Stadien trotz des einen oder anderen Böllers sicher sind, wird irgendwann die breite Akzeptanz für solche Maßnahme steigen, wenn weiterhin einige Chaoten alle Bemühungen zunichte machen, mit den Verbänden konstruktiv zu verhandeln. Und dass diese die Fans und ihre Kultur nicht so diffenziert betrachten, wie es die Fans selbst oder auch noch die Vereine tun, und eben nicht zwischen Ultras und einzelnen Chaoten unterscheiden können, sollte mittlerweile auch jeder mitbekommen haben, der sich mal in einem Fußballstadion aufgehalten hat.

Einige Eintracht-Fans haben am Samstag nicht nur ihrem Verein, sondern allen, die für den Erhalt der deutschen Fankultur kämpfen, einen Bärendienst erwiesen. Diese Leute sollten sich ganz ernsthaft fragen: war es das wirklich wert?

Linkliste: Stellungnahmen der Eintracht-Fans zu dem Vorfall

Offizielle Eintracht-Fanclubs

Nordwestkurve.net

Fan- und Förderabteilung Eintracht Frankfurt

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