BVB behält im Spitzenspiel die Oberhand: 3:2 in Leverkusen

Wenn der Zweite gegen den Dritten spielt, gilt das gemeinhin als Spitzenspiel. Oft genug präsentieren sich solche Spiele dann als müde, von der Taktik geprägte Kicks, die den Zuschauer einschläfern und die am Ende 0:0 ausgehen, weil die Mannschaften sich gegenseitig neutralisieren.

Auch am Sonntagabend spielte der Zweite gegen den Dritten – und auch nach dem Spiel bekleiden beiden Mannschaften noch die Plätze 2 und 3 der Tabelle. Allerdings konnte der BVB den Werksclub durch den knappen 3:2-Sieg einkassieren und wurde von den Journalisten prompt zum nun „ersten Bayern-Jäger“ erklärt.

Das Spiel indes hielt, was es im Vorfeld versprach. Beide Mannschaften präsentierten sich in exzellenter Verfassung und überzeugten mit aggressivem Pressing und blitzschnellem Umschalten – allerdings nicht zur gleichen Zeit. Zwei so unterschiedlich Halbzeiten hat der BVB tatsächlich schon lange nicht mehr gespielt.

Mitch darf ran

Kurz vor dem Spiel wurde bekannt, dass die etatmäßigen Nummer 1, Roman Weidenfeller, bereits den Rückweg nach Dortmund angetreten hatte. Ein heftiger Infekt hatte den Torwart erwischt und zum Beweis postete er auch kurz darauf ein Foto bei Facebook, dass ihn auf der Couch liegend, aber immerhin mit BVB-Schal zeigte. Somit kam Mitch Langerak mal wieder zu einem Bundesliga-Einsatz und Jürgen Klopp kommentierte die Personalie vor dem Spiel süffisant: „Mitch pickt sich immer die Rosinen raus.“ München, Hamburg, Pokalfinale, jetzt Leverkusen….. ja, da ist was dran!

Langerak sollte noch genügend Gelegenheit bekommen, sein Können unter Beweis zu stellen, was allerdings in der ersten Halbzeit nicht absehbar war. Bereits nach drei Minuten klingelte es im Kasten der Leverkusener: Robert Lewandowski spielte einen Traumpass auf Marco Reus und der lupfte die Kugel über Bayer-Keeper Bernd Leno ins Netz. Ein furioser Start, zumal bereits in der ersten Minute auch Leverkusen eine gute Torchance durch Gonzalo Castro vergeben hatte.

2:0 nach 09 Minuten

Ehe die Leverkusener so richtig begriffen hatten, was da passiert war, stand es auch schon 2:0 für den BVB: Leno holte Lewandowski im Strafraum von den Beinen und Jakub Blaszczykowski verwandelte den Elfmeter gewohnt sicher. Der BVB führt mit zwei Toren Unterschied und es waren gerade einmal 09 Minuten gespielt. Bis hierher war das außerdem eine hundertprozentige Chancenverwertung. Borussia dominierte das Spiel über die komplette erste Halbzeit, Leverkusen versuchte, dagegen zu halten, war aber sichtlich gefordert.

Die zweite Halbzeit sollte dann ein völlig anderes Gesicht haben: Leverkusen wechselte Sidney Sam ein und kam aus der Kabine wie die Feuerwehr und kam schon in den ersten paar Minuten zu einigen Großchancen, bei denen sich Langerak auszeichnen konnte. Zuvor hatte er durch einige Faustabwehr-Aktionen zumindest nicht so souverän wie Weidenfeller gewirkt (was bei der mangelnden Spielpraxis natürlich auch kein Wunder ist), doch in dieser Phase rettete er den BVB mit einigen Glanztaten.

Leverkusen überlegen

In der 58. Minute war er dann aber auch machtlos: Stefan Kießling legte quer auf Reinartz und der versenkte zum 1:2. Jetzt war Leverkusen am Drücker und hatte Blut geleckt. Keine fünf Minuten später fiel das 2:2, wieder durch Reinartz – sonst nicht gerade ein Goalgetter. Doch auch der BVB zeigte nun seine Klasse: während die Leverkusener noch im Jubelmodus waren, starteten die Dortmunder den Gegenangriff Götze wurde elfmeterreif gefoult, Schiri Aytekin entschied auf Vorteil und Lewandowski versenkte den Abpraller zum 3:2.

Kurz darauf wurde Lewandowski wieder im Strafraum gefoult, wieder gab es richtigerweise Elfmeter für den BVB. Doch diesmal scheiterte Kuba an Leno, was den Leverkusenern noch mal Luft und Hoffnung für die Schlussphase gab. Bayer drängte auf den Ausgleich, der BVB geriet ins Schwimmen und konnte nur vereinzelt für Entlastung sorgen. Klopp brachte für die Schlussphase dann Kevin Großkreutz und stellte auf ein 4-3-2-1 um. Vielleicht hätte er diese Maßnahme schon etwas eher ergreifen sollen, dann wären den BVB-Fans vielleicht einige graue Haare erspart geblieben.

Ein echtes Spitzenspiel

So zitterte sich der schwarzgelbe Anhang dem Schlusspfiff entgegen. Noch kurz vor dem Schlusspfiff setzte Andre Schürrle einen Kopfball knapp neben das Dortmunder Tor. Dann war es überstanden, der BVB fuhr den etwas glücklichen Sieg am Ende nach Hause.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass sich dort wirklich zwei Spitzenmannschaften gegenüber standen. Der BVB-Sieg mag am Ende etwas glücklich gewesen sein, war aber dennoch nicht unverdient, weil er gerade in der ersten Halbzeit die reifere Spielanlage gezeigt hatte und in einer schlechten Phase nach dem Leverkusener Doppelschlag immerhin direkt zurück gekommen war. Auch in der Folge, als Bayer einen irrsinnigen Druck erzeugte, wankte man, hielt aber letztlich stand.

Das Spitzenspiel hatte gehalten, was es im Vorfeld versprochen hatte. Ein ungefährdeter Sieg ist ja auch was Schönes, doch solche Siege sind am Ende irgendwie noch intensiver. Der BVB rückt auf Platz 2 der Tabelle vor und kann die Bayern-Jagd, sofern man angesichts 12 Punkte Rückstand davon überhaupt sprechen kann – am nächsten Samstag im Heimspiel gegen Hamburg in Angriff nehmen.

Leverkusen: Leno – Carvajal, Wollscheid, Toprak, Boenisch – Bender, Reinartz (87. Milik), Rolfes (46. Sam) – Castro (79. Hegeler), Kießling, Schürrle
BVB: Langerak – Piszczek, Felipe Santana, Hummels, Schmelzer – Gündogan (90.+3 Schieber), Bender – Blaszczykowski (80. Großkreutz), Götze (90. Kehl), Reus – Lewandowski
Tore: 0:1 Reus (3.), 0:2 Blaszczykowski (9./Foulelfmeter), 1:2 Reinartz (58.), 2:2 Reinartz (62.), 2:3 Lewandowski (63.)
Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Boenisch (4), Carvajal (6), Leno (1), Reinartz (6), Toprak (5) / Langerak (1)
Besonderes Vorkommnis: Leno (Bayer Leverkusen) hält Foulelfmeter von Blaszczykowski (70.)

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