Es geht um die Wurst: Wie Uli Hoeneß die Esskultur des Ruhrpotts unterwandert

Es gehört zum guten Standard nach anstrengenden Auswärtsspielen: kurz nachdem man die Stadt des Gegners mehr oder weniger erfolgreich verlassen hat, wird der nächste Rastplatz angesteuert, um die leeren Mägen mit Unmengen amerikanischen Fastfoods zu füllen. Die Gretchenfrage „Burger King“ oder „McDonalds“ wird zu diesem Zweck entweder durch die Gegebenheiten vor Ort oder per demokratischem Mehrheitsbeschluss entschieden.

McDonalds hat sich nun eine Strategie überlegt, mit der die Kette auf den ersten Blick vor allem bei den sehr reisefreudigen Fans aus dem Ruhrgebiet punkten könnte: ab dem 14. Februar gibt es die McCurrywurst. Ja, richtig, Currywurst bei McDonalds! Zunächst wird sie testweise für sechs Wochen verkauft, dann wird entschieden, ob sie dauerhaft auf die „Speisekarte“ (dieses Wort muss ich bei einem Fastfoodschuppen einfach in Anführungsstriche setzen…) aufgenommen wird. Präsentiert worden ist die McCurrywurst am Donnerstag natürlich im Ruhrpott, genauer gesagt in Dortmund-Kley. Zu dieser Gelegenheit wurde eigens der Berliner Comedian und Currywurst-Fan Mario Barth eingeladen, obwohl die Ruhrpott-Variante und die Berliner Variante sich allein schon durch die verwendete Wurst unterscheiden.

Die Wurst kommt von Wurst-Uli

Und was hat diese Information jetzt in einem Fußball-Blog zu suchen, mag sich manch einer nun fragen. Tatsächlich ist diese Geschichte gerade für Fans des BVB von geradezu höchster Brisanz. Aber auch dem einen oder anderen Schalke-Fan dürfte die Currywurst im Halse stecken bleiben, wenn er erfährt, woher die Würste für die McCurrywurst stammen. Produzent für die Würste ist nämlich niemand anderes als Uli Hoeneß, seines Zeichens Präsident des FC Bayern München, von vielen Fans spöttisch auch „Wurst-Uli“ genannt.

Was für ein perfider Schachzug, das Ruhrgebiet noch weiter zu unterwandern. Erst kam der Bayern-Fanshop im Oberhausener Centro. Obwohl dieser kaum Gewinne abwirft, wie Hoeneß in der Sendung „Forum Manager“ auf Phoenix freimütig einräumte. „Dieser Laden muss trotzdem sein. Alleine schon, damit die Dortmund- und Schalke-Fans morgens auf dem Weg zur Arbeit daran vorbei fahren müssen und sich ärgern.“ O-Ton Uli Hoeneß. Und nun folgt der Angriff auf die Esskultur des Ruhrgebiets!

Feindliche Übernahme

Ausgerechnet über die Currywurst – DEM Nationalgericht des Ruhrpotts – will Uli Hoeneß nun die feindliche Übernahme wagen. Ob man demnächst zur McCurrywurst auch noch ein Bayern-Fähnchen gratis dazu bekommt?

In BVB-Fankreisen wurde am Mittwoch schon geunkt, dass man so, wenn man Pech hat, als Dortmund-Fan den Transfer von Robert Lewandowski nach München mitbezahlt. Und wenn Dortmund dann mal wieder Meister wird, kann Uli Hoeneß sich ins Fäustchen lachen und sagen: „Jahaaaa, ihr seid vielleicht Meister. Aber ihr esst meine Wurst! Irgendwann wechselt ihr die Seiten….“ Vielleicht ist das ja der Plan? Die sangesfreudigen Ruhrgebietsfans mit Wurst zu bestechen, sie willenlos zu machen und in den Münchner Autoreifen zu locken, damit dort endlich mal Stimmung in der Bude ist?

Abseits von allen Verschwörungstheorien: in erster Linie möchte Herr Hoeneß wohl einfach nur Geld verdienen.

Aufschrei

Mit diesem Wissen wird es sicherlich den Einen oder Anderen geben, der die McCurrywurst einfach boykottieren wird. Die Verfasserin dieser Zeilen wird es jedenfalls tun – es gibt Dinge, die gehen einfach nicht. Wir erinnern uns an den Aufschrei vor einigen Jahren, als bekannt wurde, dass die Bratwurst, die im Westfalenstadion an hungrige BVB-Fans verkauft wurde, ausgerechnet aus dem Betrieb des Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies stammte! So was ist einfach ein Sakrileg. Viele BVB-Fans stellten angesichts dieser Enthüllung damals fest, dass ihnen von der Wurst „ja eigentlich auch immer schlecht geworden sei“. Nun sei auch klar, warum.

Doch im Fall der McCurrywurst gab es vorher genug Aufklärung. Keiner kann behaupten, vorher nicht gewusst zu haben, woher die Wurst kam. Es stand nämlich groß in allen regionalen Tageszeitungen.

Dabei ist ohnehin noch gar nicht klar, ob die McCurrywurst im Ruhrgebiet abseits von irgendwelchen Glaubensfragen überhaupt ankommt. Ob das Ding geschmacklich überzeugen kann, ist noch fraglich und preislich haut die McCurrywurst ohnehin ganz schön rein: 2,99 € für eine Currywurst mit Brötchen – das sind wohl auch eher Münchner Preise. Dazu kommt, dass der Ruhri an sich seine Currywurst eigentlich lieber in der traditionellen Pommesbude genießt. Currywurst in einem Fastfood-Schuppen – das ist wie Weißbier aus dem Plastikbecher. Irgendwie falsch.

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4 Gedanken zu „Es geht um die Wurst: Wie Uli Hoeneß die Esskultur des Ruhrpotts unterwandert

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