1:4 gegen den HSV: BVB erwischt einen rabenschwarzen Tag

Wenn man zuhause im eigenen Stadion vier Gegentore kassiert, dann weiß man schon beim Blick aufs Ergebnis, dass beim BVB am Samstag gar nichts zusammen lief. Dortmund kassierte eine völlig verdiente Niederlage gegen einen starken Hamburger SV und verlor noch dazu seinen Torjäger Robert Lewandowski durch einen zumindest etwas fragwürdigen Platzverweis. Tabellarisch hatte die Niederlage keine Auswirkungen, da sowohl Leverkusen als auch Frankfurt dankenswerterweise ebenfalls Punkte abgaben.

Dennoch tut diese Niederlage ausgesprochen weh. Vier Gegentore darf man als Spitzenmannschaft zuhause einfach nicht kassieren und am Ende blieb der Eindruck beim Zuschauer, dass die Niederlage – obwohl verdient – zumindest ein Tor zu hoch ausgefallen ist. Dazu wird Lewandowski wohl mindestens für zwei Spiele, wenn nicht gar für drei, gesperrt werden. Wie wichtig er für die Mannschaft trotz seiner ständigen Wechselgerüchte ist, zeigt sich daran, dass er das einzige BVB-Tor an diesem Nachmittag schoss und dass nach seiner Hinausstellung überhaupt nichts mehr zusammen lief.

Bender als Linksverteidiger

Der Großteil der angeschlagenen Spieler war rechtzeitig fit geworden, abgesehen von Marcel Schmelzer, der noch seine Rachenentzündung auskurieren musste und Kevin Großkreutz, der das Wochenende mit Verdacht auf Lungenentzündung sogar im Krankenhaus verbringen musste und zunächst weiter ausfallen wird. Als Linksverteidiger agierte etwas überraschend Sven Bender, Nuri Sahin und Sebastian Kehl rutschen in die Mannschaft, Ilkay Gündogan musste zunächst auf der Bank Platz nehmen.

Von Beginn an präsentierten sich die Hamburger angriffsfreudig und aggressiv in den Zweikämpfen. Dass der BVB trotzdem in der 17. Minute in Führung ging, gab der Mannschaft aber keine Sicherheit. Praktisch im Gegenzug kassierte Borussia den Ausgleich durch Rudnevs. Kein Dortmunder Abwehrspieler machte ernsthafte Anstalten, den Angriff zu unterbinden und auch in der Folge sollte es für die Hanseaten viel zu einfach sein, die Dortmunder Defensive zu überwinden. Nur etwa fünf Minuten nach dem 1:1 kam der HSV zum 1:2 durch den Südkoreaner Son.

Rot für Lewandowski

Kurz darauf der Aufreger des Spiels: Hamburgs Skjelbred geht mit gestrecktem Bein in den Zweikampf mit Lewandowski, der nicht zurückzieht, sondern voll durchzieht. Sicherlich keine astreine Aktion des polnischen Nationalspielers, aber auch nach mehrmaligem Ansehen keine klare rote Karte. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl des Schiedsrichters Manuel Gräfe hätte Gelb es womöglich auch getan.

In der Folge kam es zur Rudelbildung, als Rafael van der Vaart offenbar seinen Frust über seine gescheiterte Ehe ausleben musste und Lewandowski aggressiv anging. Sebastian Kehl fühlte sich plötzlich wieder wie 22 und schubste den Holländer mit Anlauf zu Boden – eine Aktion, die sehr an den jungen Kehl erinnerte, der auch schon mal Schiedsrichter zu Boden schubste, wenn diese nicht nach seinem Gusto entschieden. Was van der Vaart daraus machte, war wiederum höchst oscar-verdächtig.

Für den goldenen Fairplay-Preis hat er sich in diesem Spiel aber ohnehin nicht enmpfohlen, denn er forderte vehement Rot für Lewandowski und veranstaltete ein unglaubliches Theater. Sehr unsportliches Verhalten und nach dem Spiel war er tatsächlich auch noch dumm/dreist genug, den Journalisten folgenden Satz in die Blöcke zu diktieren:

“In der Szene mit Lewandowski musste ich ein bisschen Theater machen. Ich hatte das Gefühl, dass er sonst nicht vom Platz geflogen wäre.”

Jürgen Klopp kommentierte diese Äußerung am Sonntag nach dem Training sichtlich geschockt: „Hat er das echt so gesagt? Das ist der schlimmste Satz, den ich je gehört habe, ich weiß nicht, wie Rafael sowas sagen kann.“

Unrühmlicher Tiefpunkt

Die Niederlage am Platzverweis für Lewandowski oder vdV’s Unsportlichkeit festzumachen, ist zu billig, dennoch war das ein unrühmlicher Tiefpunkt dieses Spiels. Überflüssig zu erwähnen, dass der Holländer ab dem Moment 25.000 neue Freunde auf der Südtribüne gewonnen hat. Kurz darauf hätte er nach einem Foul an Reus eigentlich selbst mit Gelb-Rot vom Platz fliegen müssen – warum Gräfe ihm das ersparte, bleibt sein Geheimnis.

Auch in der zweiten Halbzeit ging nicht mehr viel für den BVB. Zwar kämpfte die Mannschaft und versuchte ihr Bestes, kam auch noch zu einigen guten Torchancen, aber sie hatte einfach einen völlig gebrauchten Tag. Die Fans peitschten die Mannschaft an und zwischendurch hatte man auch noch mal Hoffnung, dass vielleicht doch noch was geht, aber vergeblich. Obwohl in der 59. Minute Bruma vom Platz flog und somit zumindest wieder numerische Gleichheit herrschte: Es wollte und wollte kein Tor für den BVB mehr fallen, sondern nur für den Gegner, der natürlich weiter zu Chancen kam, da der BVB auf den Ausgleich drängte und so Lücken anbot. Nach 62 Minuten führte Hamburg 3:1 und kurz vor dem Schlusspfiff schoss Son das 4:1 und machte das Debakel für den BVB perfekt.

Keine Pfiffe, aber Völkerwanderung

Pfiffe für die Mannschaft gab es keine, im Gegenteil, die Südtribüne honorierte den Einsatz der Mannschaft, stimmte kurz vor Schluss „Leuchte auf, mein Stern Borussia an“, spendete warmen Applaus und aufmunternde Sprechchöre. An diesem Tag hätte das Spiel wohl noch Stunden dauern können, ohne dass dem BVB noch ein Tor gelungen wäre. Immerhin schön zu sehen, dass die Südtribüne das Gespür dafür auch nach den letzten, sehr erfolgreichen Jahren nicht verloren hat.

Umso beschämender war der Blick auf die Sitzränge: schon nach 80 Minuten setzte die Völkerwanderung ein, als das Spiel abgepfiffen wurde, war gefühlt das halbe Stadion leer. Ob diese Mannschaft, die seinen Fans in den letzten Jahren so viel Freude beschert hat, es wirklich verdient hat, dass man ihr bei einer sich anbahnenden Niederlage die kalte Schulter zeigt, muss jeder für sich wissen. Es ist ja nicht wirklich etwas Neues, diese Völkerwanderungen hat es immer gegeben. Aber akzeptieren muss man das deshalb noch lange nicht.

Jetzt heißt es Mund abputzen und nach vorne schauen. Zum Glück beginnen jetzt wieder die englischen Wochen, schon am Mittwoch steht das Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals bei Schachtjor Donezk an und bietet eine Möglichkeit zur schnellen Rehabilitierung.

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek (66. Gündogan), Felipe Santana, Hummels, Bender – Kehl (65. Schieber), Sahin – Blaszczykowski, Götze, Reus – Lewandowski

Hamburger SV: Adler – Diekmeier, Bruma, Westermann, Jansen – Rincón, Aogo – Skelbred (74. Arslan), van der Vaart (63. Rajkovic), Son (90. Kacar) – Rudnevs

Tore: 1:0 Lewandowski (17.), 1:1 Rudnevs (18.), 1:2 Son (26.), 1:3 Rudnevs (62.), 1:4 Son (89.)

Gelbe Karten: Götze (3) / Aogo (2), van der Vaart (4)

Rote Karten: Lewandowski (31./grobes Foulspiel) / Bruma (59./Notbremse)

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