CL-Achtelfinale: BVB reist ins frühlingshafte Donezk

Bei der Champions-League-Auslosung am 20. Dezember gab es ein paar lange Gesichter im schwarzgelben Lager. Schachtar Donezk, das war nicht gerade das Traumlos schlechthin: eine lange Reise, ein schlecht einzuschätzender, aber offenkundig extrem starker Gegner und dazu erwartete Temperaturen um – 25 Grad Mitte Februar in der Ukraine. Und dabei hat damals noch keiner geahnt, wie dünn die Personaldecke des BVB zu diesem Zeitpunkt sein würde. Die meisten hätten wohl lieber Celtic Glasgow zugelost bekommen – oder eben irgendwas anderes außer Donzek.

Zumindest die Befürchtungen eines steinhart gefrorenen Bodens und sibirischer Kälte haben sich mittlerweile erübrigt, denn im Donezkbecken ist der Frühling ausgebrochen. Also, natürlich nicht, das was wir Flachlandtiroler üblicherweise unter Frühling verstehen. Aber milde 3 Grad plus sind für ukrainische Verhältnisse um diese Jahreszeit doch mehr als erträglich und somit dürften die BVB-Spieler eigentlich keine Anpassungsschwierigkeiten an das Wetter haben.

Richtig gute Mannschaft

Über 2.000 Fans haben sich mit auf den Weg in die östliche Ukraine gemacht – einige besonders Wagemutige sollen die Tour angeblich sogar mit dem Auto angetreten haben! Ein Erfahrungsbericht dürfte lesenswert sein.

Wie stark ist nun der Gegner? Ein Vorteil ist sicherlich, dass der Verein seinen besten Spieler, Willian, im Winter zum neureichen russischen Club Anschi Machatschkala ziehen lassen hat. Dennoch verfügt Donezk nach wie vor über eine richtig gute Mannschaft. Die Bedingungen im Stadion dürften gut sein, die Donbass-Arena ist ein hochmodernes Stadion und es steht nicht zu befürchten, dass die Borussen ein Kartoffelacker á la Lwiw erwartet. Zudem ist in der Ukraine gerade keine Saison die beginnt erst im März wieder. Der BVB dürfte also eingespielter sein. Aber Donezk ist heiß auf Erfolge und die Spieler kündigten bereits an, das Spiel gegen Dortmund wie ein Finale angehen zu wollen. Denn genau dort soll die Reise nach Möglichkeit enden. Einsatzbereitschaft kann fehlende Spielpraxis durchaus wettmachen.

Mit einer Klatsche im Gepäck

Der BVB fährt mit der frustrierenden 1:4-Heimklatsche gegen den Hamburger SV im Rücken zum Champions-League-Achtelfinale. Auf den ersten Blick keine tolle Voraussetzung, blickt man aber zurück auf die Hinrunde, so zeigt sich, dass einige Male auf schlechte und verlorene Heimspiele Sahneauftritte in der Champions League folgten. Daraus kann man als BVB-Fan schon einiges an Hoffnung ziehen, denn bisher war die Mannschaft noch immer ehrenhaft genug, sich nach einem schlechten Auftritt umgehend rehabilitieren zu wollen.

Personell sieht es nach wie vor im schwarzgelben Lager nicht berauschend aus: Ilkay Gündogan konnte die Reise in die Ukraine wegen einer Zehverletzung nicht antreten. Zum Beweis veröffentlichte er auf seinem Facebook-Profil ein Bild seiner Füße, das eindeutig zeigte, dass der eine Fuß etwa doppelt so dick war, wie der andere. Wir hätten es dir aber auch so geglaubt, Ilkay!

Auch Kevin Großkreutz muss das Spiel am heimischen Fernsehgerät verfolgen; nach seinem dreitägigen Krankenhausaufenthalt am Wochenende strich Jürgen Klopp ihn umgehend aus den Planungen für das Donezk-Spiel. Etwas skurril, dass anscheinend immer noch niemand so genau weiß, was er nun eigentlich hat, die Rede ist immer noch von „Infekt“ oder „Verdacht auf Lungenentzündung“ – obwohl sich solche Diagnosen im 21. Jahrhundert doch eigentlich vergleichsweise problemlos stellen lassen. Wie auch immer, in Donezk ist er nicht mit dabei.

Der verwirrte Schmelzer

Mit dabei ist allerdings der wieder genesene Linksverteidiger Marcel Schmelzer und um das zu feiern, jagte er seinen Teamkollegen, allen Verantwortlichen und den Fans gleich zwei Mal einen Schrecken ein: zuerst knickte er im Montagstraining um und verließ mit dick bandagiertem Knöchel den Platz. Dann leistete er sich noch ein Kabinettstückchen, als der BVB-Tross am Dortmunder Flughafen für den Flug nach Donezk einchecken wollte. Er fand seinen Reisepass nicht und fing an zu suchen. Er suchte und suchte und wurde am Ende fündig – in seinem Kulturbeutel. Der absolut logischste Aufbewahrungsort für einen Reisepass…

Ebenfalls mit dabei ist Neven Subotic, der nach Aussage seines Trainers auch „stundenlang durch den Wald irren“ könne und „anschließend frisch geduscht“ wieder hinaus käme. Die Lockerheit in Person eben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er auf seine angestammte Position neben Mats Hummels zurück kehren wird und Felipe Santana wieder den Platz auf der Bank einnehmen muss. Eine weitere Personalie betrifft Lukasz Piszczek. Es wurde am Montag bekannt, dass der polnische Rechtsverteidiger schon seit Jahren unter Hüftbeschwerden leidet, die mittlerweile so schlimm sind, dass er kaum noch trainieren und nur mit Schmerzmitteln spielen kann. Spätestens nach dem Rückspiel gegen Donezk am 5. März wird er sich wohl einer Operation unterziehen müssen.

Glück auf!

Die K.O-Phase beginnt für den BVB am Mittwoch, nun heißt es „siegen oder fliegen“. Mindestens einen Punkt sollte Dortmund mitnehmen, denn dann wäre die Ausgangsposition für das Rückspiel im Westfalenstadion durchaus komfortabel. Hoffnung macht, dass man in dieser Saison in den Auswärtsspielen eigentlich immer gut ausgesehen hat – egal ob in der Liga oder der Champions League.

Zum Schluss noch etwas Wissenswertes über Donezk: Es gibt einige strukturelle Gemeinsamkeiten zum Ruhrgebiet. Die Region im Donezkbecken lebt überwiegend von Kohle, Stahl und Chemie und ist damit die bedeutendste wirtschaftliche Region in der Ukraine. Kommt uns alles irgendwie ein bisschen bekannt vor, auch wenn die Schwerindustrie im Pott mittlerweile weitgehend Geschichte ist. Der Name „Schakhtar“ (Шахтар) bedeutet übrigens auf deutsch: „Bergmann“.

In dem Sinne: Glück auf, BVB!

Die voraussichtliche Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Kehl, Sahin – Reus, Götze, Blaszczykowski – Lewandowski

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