Buchrezension: Gelbfieber. Wie Dortmund Fußballhauptstadt wurde

Bücher über Borussia Dortmund und den Kult, der um diesen Verein betrieben wird, erscheinen in regelmäßigen Abständen und immer besonders gehäuft nach Titelgewinnen. Somit war klar, dass auch das Doublejahr das eine oder andere literarische Erzeugnis hervorbringen würde. Oft handelt es sich um eilig und mehr oder weniger liebevoll zusammen gepappte Saisonrückblicke, garniert mit einigen Fotos von der Feier am Ende. Nicht alle dieser Bücher lohnen sich wirklich für den Fan.

„Gelbfieber“, das vom WR-Sportredakteur Nils Hotze herausgegeben wurde und Ende 2012 erschien, schlägt aber in eine ganz andere Kerbe. Es geht nicht so sehr um die Aktualität des Erfolges, sondern beleuchtet in vielen kleinen Essays, Interviews und Berichten das außergewöhnlich enge Verhältnis der Stadt Dortmund zu ihrem BVB. Keine Aneinanderreihung von historischen Erzählungen über die Vereinsgeschichte – von denen es auch schon so viele gute und auch nicht so gute Werke gibt – sondern die perfekte Symbiose zwischen dem Verein und der Stadt werden hier beleuchtet.

Viele kommen zu Wort

Dabei kommen Redakteure der WR zu Wort, aber auch viele Fans, der Oberbürgermeister der Stadt Dortmund Ulrich Sierau und BVB-affine Prominenz wie Vereinspräsident Reinhard Rauball, Kabarettist und Ex-Stadionsprecher Bruno Knust und auch Arnd Zeigler. Der verrät hier erstmals, dass seine Sympathie zu Schwarzgelb trotz seiner unsterblichen Liebe zu Werder Bremen schon in früher Jugend erwacht ist.

Dazwischen gibt es viele Fotos aus alter und neuer Zeit, die von der kollektiven Leidenschaft für Borussia Dortmund künden. Der Aufsatz von Frank Fligge bringt diese Leidenschaft auf den Punkt und sucht Erklärungsansätze für dieses Phänomen. Rolf Fischer und Ralf Piorr gehen der Sache historisch nach und stellen dabei fest, dass diese enge Beziehung zwischen Verein und Stadt durchaus nicht immer in dieser extremen Form bestanden hat und sich im Laufe der Zeit auch immer mal wieder gewandelt hat.

Buntes Potpourri

Darüber hinaus ist dieses Buch ein buntes Potpourri, das sich dem Design der Trikots im Wandel der Zeit ebenso widmet wie der letzten Finanzkrise, der „Faszination Westfalenstadion“ und der Dortmunder Fußballgeschichte an sich. Zum letztgenannten Thema gibt Historiker Gerd Kolbe, der schon mehrere Bücher über den BVB schrieb und ein umfangreiches privates BVB-Archiv unterhält, einen chronologischen und ausführlichen Überblick.

Abgerundet wird das Buch durch zahlreiche Fanfotos und Geschichten von Fans, die von ihrer Leidenschaft zu und ihrem Leben mit Borussia Dortmund erzählen.

Bahnbrechende neue Erkenntnisse vermittelt das Buch nicht. Das war aber wohl auch nicht der Anspruch des Herausgebers. Vielmehr erzählt es die Geschichte des BVB einmal unter einem anderen Schwerpunkt und legt den Fokus auf das spezielle Verhältnis zwischen Stadt und Verein. Und somit ist es durchaus eine Neuheit.

Fazit: Es lohnt sich

Zwar ist bereits 1992 unter dem Titel „Borussia & Dortmund“ ein Buch erschienen, das ebenfalls neben einzelnen Aspekten des damaligen „Betriebes Borussia“ auch das Verhältnis zwischen Stadt und Verein beleuchtete. Allerdings kamen dort nicht die Fans zu Wort und seit dem Erscheinen sind natürlich mittlerweile auch über 20 Jahre vergangen. Der BVB holte seitdem fünf Meistertitel, gewann einmal den DFB-Pokal, einmal die Champions League, einmal den Weltpokal und hauchte zwischenzeitlich durch einen wirtschaftlichen Zusammenbruch fast sein Lebenslicht aus. Es war also höchste Zeit für eine neue Untersuchung, denn all diese Ereignisse prägten die Beziehung des Vereins zu seinen Fans und zu seiner Stadt in hohem Maße.

Fazit: „Gelbfieber“, das auch von der Gestaltung her zu gefallen weiß, ist für jeden BVB-Fan eine lohnende Anschaffung. Es ist interessant zu lesen und bietet durch die Schwerpunktsetzung, die eben nicht so stark auf die sportlichen Erfolgen des Vereins, sondern eher auf seine soziale Wirkung ausgerichtet ist, einen anderen Blickwinkel, der sich von anderen BVB-Büchern abhebt.

Nils Hotze (Hg.), Gelbfieber. Wie Dortmund zur Fußballhauptstadt wurde, Klartext Verlag, Essen 2012, 160 Seiten, 19,95 €

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4 Gedanken zu „Buchrezension: Gelbfieber. Wie Dortmund Fußballhauptstadt wurde

  1. Dieses Buch wartet auch geduldig auf eine Rezension von mir….

    Denn gelesen habe ich es bereits vor zwei Monaten und habe mich ähnlich wie Du in seinen Bann ziehen lassen. Prädikat: sehr lesenswert!

    • Ich hab es auch schon vor über einem Monat gelesen und genau so lange hatte ich mir vorgenommen, es zu rezensieren. Aber irgendwie kamen mir immer andere Sachen und die Aktualität der Ereignisse dazwischen… 😉

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