Der neuste Lewandowski, ein Twitter-Hashtag und ein weiteres Spitzenspiel beim BVB

Die gute Nachricht ist: Robert Lewandowski spielt am Samstag nicht. Warum das eine gute Nachricht ist? Das ist ganz einfach: dieser Tage ist man doch froh, wenn man über irgend etwas, das diesen Spieler betrifft, einmal Klarheit hat.

Spaß beiseite, aus sportlicher Sicht ist es eine mittlere Katastrophe, dass das DFB-Sportgericht ihn zu einer Sperre von drei Spielen nach seiner roten Karte im Spiel gegen den Hamburger SV verurteilte. Zwar hat der Verein Einspruch gegen das Urteil eingelegt, aber die Verhandlung findet erst am Dienstag statt. Gegen Eintracht Frankfurt und mit einiger Sicherheit auch nächste Woche in Gladbach muss Jürgen Klopp sich also eine andere Lösung einfallen lassen. Einfach wird es nicht, den treffsichersten Spieler, der schon 14 Tore auf dem Konto hat, zu ersetzen. Andererseits könnte man sich daran schon mal gewöhnen, denn ab der nächsten Saison wird der BVB ihn wohl dauerhaft ersetzen müssen.

Mal wieder die „gut unterrichtete Quelle“

Zum etwa 98. Mal in diesem Jahr vermeldeten der Münchner Merkur und Sport1.de, dass der Wechsel des Polen nach München im Sommer fix sei. Wie auch schon bei den letzten 97 Malen berief man sich auf eine „gut unterrichtete Quelle aus Kreisen des FC Bayern“. Gähn. Da konnte der Hausmeister wohl den Mund wieder nicht halten. BVB-Sportdirektor Michael Zorc ließ sich zu einem seiner seltenen Statements zu Transferfragen herab und kommentierte die Gerüchte westfälisch-trocken wie üblich: „Dummes Zeug!“

Dass Lewandowski den BVB im Sommer verlassen wird, steht wohl völlig außer Frage, auch wenn Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auch immer wieder einen Verbleib bis zum Vertragsende 2014 anspricht. Sportlich wird er nicht einfach zu ersetzen sein, aber darüber hinaus wird er nicht vielen fehlen – außer vielleicht den Damen, die für ihn schwärmen. In der Mannschaft soll er nicht sonderlich beliebt sein und den Fans geht er nur noch auf die Nerven – sein Berater noch mehr als er selbst. Sollte er wirklich nach München gehen: viel Spaß, liebe Bayern, mit dieser Nervensäge Cezary Kucharski.

Hashtag #lewandowskifilme

Im sozialen Netzwerk Twitter wird die ganze Angelegenheit mittlerweile mit Humor genommen. Am Freitag hat sich der Hashtag #lewandowskifilme etabliert und seitdem wirft die Twittergemeinde munter zum Thema mehr oder weniger passende (oder passend gemachte) Filmtitel ins Netz: „München“, „Für ein paar Dollar mehr“, „The Big Lewanbowski“, „Goodbye Lewa“, „Fear and Loathing in Las Lewas“, „Der Schlussmacher“, „Das Schweigen der Lewa“, „Ich weiß was du nächsten Sommer tun wirst“ und natürlich der passendste von allen „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Initiiert wurde die launige Kampagne übrigens mehr oder weniger unabsichtlich von dem Blogger Hassan (Hassans Corner), einem bekennenden Schalker, mit dem Tweet „Und täglich grüßt das Lewatier“, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Schalker, Dortmunder, Bayern und andere Fußball-Interessierte zwitschern fröhlich und friedlich ihre Filmvorschläge ins Netzwerk. Den DFB-Verantwortlichen müsste eigentlich das Herz aufgehen ob so viel konstruktiver Fanverständigung.

Eine verpasste Chance

Die Sache ist aber auch einfach nur noch albern. Stieg bei den ersten Lewandowski-Gerüchten noch der Blutdruck der meisten BVB-Fans gefährlich an, so winkten die meisten am Freitag nur noch müde lächelnd ab und widmeten sich wichtigeren Dingen. Der Pflege der Wohnzimmermöbel zum Beispiel. In den Internetforen wird die Diskussion um mögliche Nachfolger mittlerweile intensiver geführt als um die Frage, ob Lewandowski bleibt oder geht. Es scheint, als hätten viele Dortmunder mit dem verschlossen wirkenden Stürmer bereits abgeschlossen und ihn innerlich verabschiedet.

Aber auch der Spieler selbst erweckt teilweise den Eindruck, als habe er Dortmund bereits verlassen. Eigentlich schade, Lewandowski war sicher der beste Stürmer, den der BVB in den letzten 20 Jahren hatte und er hätte in Dortmund eine Legende werden können, wenn er bereit gewesen wäre, sich auf den Verein und sein Umfeld wirklich einzulassen. Dass er das nicht getan hat, ist sein gutes Recht und muss akzeptiert werden. Auch Söldner können im Profifußball nützlich sein, wenn sie ihre Arbeit gut machen – und das tut Lewandowski zweifelsohne. Nur passt es eben nicht in diese Fußballromantik, die sich in den letzten Jahren rund um die junge BVB-Mannschaft aufgebaut hat.

Daher kommen die Aggressionen, die viele Fans nun gegen ihn hegen. Mit einem gewissen Maß an Söldnertum haben sich die Fans mittlerweile abgefunden. Einen Wechsel nach England würde ihm daher auch keiner übel nehmen. Aber zum Liga-Konkurrenten wechseln – nein, das tut man einfach nicht! Das erfordert ein hohes Maß an Professionalität seitens des Spielers (oder eben anders ausgedrückt: Söldnermentalität) und das erzürnt die Leute.

Frankfurt ist zu Gast

Bei all den Lewandowski-Gerüchten ging aber mal wieder fast unter, dass der BVB am Samstag ein schweres Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt bestreiten muss. Mit einem Sieg würde Frankfurt Dortmund in der Tabelle überholen, ein Sieg ist also nach der Pleite gegen den HSV schon fast Pflicht. Wie gefährlich die Frankfurter sind, demonstrierten sie eindrucksvoll beim 3:3 im Hinspiel. Ihr Spielsystem ähnelt dem des BVB und Trainer Armin Veh gibt auch unumwunden zu, dass Dortmund das Vorbild für den Frankfurter Spielstil ist. Schnelles Umschalten, brandgefährliche Konter, meist leidenschaftliches Spiel, allerdings auch schon 31 Gegentore in dieser Saison – die meisten aus der Spitzengruppe der Liga.

Beim BVB hat sich zumindest die personelle Situation ein wenig entspannt, auch wenn die Sperre von Lewandowski natürlich ins Kontor schlägt. Die naheliegende Alternative wäre Julian Schieber, der durch die Sperre möglicherweise mal die Chance bekommt, sich über zwei oder drei Spiele zu zeigen und den Knoten platzen zu lassen. Bisher zeichnete sich der ehemalige Stuttgarter noch nicht durch eine übertriebene Torgefährlichkeit aus, allerdings bekam er zumeist auch nur Kurzeinsätze. Auch Lewandowski oder sein Vorgänger Lucas Barrios brauchten schließlich eine gewisse Anlaufzeit beim BVB, bis sie ihr Potenzial abrufen konnten.

Reus für Lewandowski?

Spekuliert wird bisweilen auch, dass Marco Reus Lewandowski ersetzen könnte, weil er mehr Torgefahr ausstrahlt als Schieber. In diesem Szenario könnte dann Kevin Großkreutz, der sich von seinem Infekt erholt hat und nach eigener Aussage wieder „voll fit“ ist, auf die linke Außenbahn rutschen. Allerdings wäre diese Variante sicherlich ein Affront gegenüber Schieber und somit keine ernsthafte Alternative (höchstens ggf. für die letzten 15 Minuten), so dass Klopp sie vermutlich nicht ernsthaft in Erwägung zieht. Wahrscheinlicher ist, dass Schieber das Vertrauen bekommt.

In der Abwehr dürfte nun wohl Neven Subotic nach auskuriertem Muskelfaserriss in die Innenverteidigung zurückkehren und Felipe Santana verdrängen. Knapp wird es für Ilkay Gündogan, dessen Nagelbettentzündung offenbar immer noch nicht ganz ausgeheilt ist. Allerdings stehen auf seiner Position zumindest genügend Alternativen bereit. Am wahrscheinlichsten ist wohl eine Doppelsechs mit Sebastian Kehl und Sven Bender.

Tiefenentspannter Kehl

Apropos Kehl: wie entspannt Vertragsverhandlungen auch ablaufen können, demonstrierte der Kapitän in dieser Woche. Der Verein kündigte an, mit ihm verlängern zu wollen und Kehl äußerte sich ebenfalls willig. Die ganze Sache hatte was von „Jo, stimmt, müssen ja noch verlängern! Machen wir mal die Tage, wenn wir Zeit haben.“ Tiefenentspannt nennt man das wohl. Sehr wohltuend nach all dem Lewandowski-Theater.

Am Samstag muss die Gerüchteküche mal für ein paar Stunden geschlossen werden, dann ist endlich Fußball angesagt. Stimmungsvoll dürfte es werden, denn Frankfurt bringt traditionell eine große und sangesfreudige Anhängerschaft mit und im Hinspiel lieferten sich beide Parteien ein äußerst lautstarkes Gesangs-Battle. Ebenfalls zahlreich dürften die Freunde in Grün (bzw. neuerdings blau) erscheinen, denn die Begegnung wurde als Risikospiel eingestuft. Man traut dem „Randalemeister 2011“ offensichtlich nicht über den Weg. Wir werden sehen, ob zu Recht oder zu Unrecht.

Möge das Spiel beginnen!

Die voraussichtliche Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Kehl, Bender (Sahin) – Reus, Götze, Blaszczykowski – Schieber

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