Bestandsaufnahme einer mäßig spannenden Saison

Eines kann man jetzt, vor dem 23. Spieltag, schon sagen: in die Geschichte eingehen als die spannendste Saison der 50-jährigen Bundesliga-Geschichte wird die Spielzeit 2012/13 wohl nicht. Ein Meisterschaftskampf wie 2001, in der ein Tor in der Nachspielzeit über Meister und Vizemeister entscheidet, erwartet den deutschen Fußballfan in diesem Mai mit einiger Sicherheit nicht. Aber auch ein Szenario wie 2007, als vor dem 32. Spieltag bis einschließlich Platz 9 alle Vereine theoretisch noch absteigen konnten, ist in diesem Jahr äußerst unwahrscheinlich.

Die Meisterschaft ist im Grunde gelaufen. Der FC Bayern wird mit ziemlicher Sicherheit Deutscher Meister 2013 werden und Stand jetzt wäre das auch absolut verdient. Man kann zu den Bayern stehen wie man will, aber 18 Siege und nur eine Niederlage aus 22 Spielen sprechen eine deutliche Sprache ebenso wie die nur sieben Gegentore. Fakt ist, dass sie eine sehr gute Saison spielen und sich im Gegensatz zu den letzten beiden, jeweils titellosen Saisons diesmal keine Einbrüche erlauben. Dass die Zweit- und Drittplatzierten bereits derart abgeschlagen mit 15 bzw. 16 Punkten hinter dem Spitzenreiter liegen hat ebenfalls seine Gründe und diese liegen vor allem in der Formschwäche der Verfolger und nicht daran, dass der FC Bayern eine Art „Übermannschaft“ besäße.

Bayern und Dortmund

Die Bayern zeigen in diesem Jahr, was Dortmund in der letzten Saison gezeigt hat: das, was passiert, wenn eine sehr gute Mannschaft an den Titel glaubt, konzentriert spielt und sich keine Schwächen erlaubt. Eine solche Dominanz kommt dabei heraus. Diese kostet aber dennoch sehr viel Kraft und somit ist auch klar, weshalb der BVB nach zwei Jahren, in denen er die Liga dominiert hat, in diesem Jahr mit Konzentrationsproblemen und individuellen Fehlern zu kämpfen hat. Zwei Jahre wie im Rausch gehen auch an den besten Spielern nicht völlig spurlos vorbei.

Gerade Borussia Dortmund muss sich qualitativ und spielerisch sicher nicht hinter dem Liga-Konkurrenten verstecken – was sich allein schon daran zeigt, dass die halbe BVB-Mannschaft bereits auf dem Zettel der Münchner stand. Auffällig ist aber, dass Bayern in dieser Saison in der Breite besser besetzt ist. In Dortmund taugen im Moment etwa 12 oder 13 Spieler für die erste Elf, was man auch schon daran sieht, dass im Normalfall (keine Verletzungen) immer die gleiche erste Elf spielt und im Wesentlichen auch immer die gleichen zwei oder drei Spieler eingewechselt werden bzw. auch hin und wieder in der Startelf stehen. Hinter diesen vielleicht dreizehn Spielern beginnt aber ein Gefälle und Trainer Jürgen Klopp traut diesen Spielern offenbar momentan nicht zu, die Mannschaft weiter bringen zu können.

Kampf um die internationalen Plätze

Anders beim FC Bayern: dort ist in dieser Saison praktisch jede Position doppelt besetzt, wobei die Alternative immer eine ähnliche Qualität wie die Stammbesetzung hat. Dass das in Zukunft auch für Unruhe sorgen wird, weil ein guter Spieler auf Dauer eben nicht damit zufrieden ist, immer nur Ersatz zu sein, ist absehbar, aber in dieser Saison gelingt es den Bayern so, die Dreifachbelastung ohne sichtbare Formschwankungen zu meistern.

Spannender als die Meisterschaft ist in diesem Jahr der Kampf um die internationalen Plätze. Bis runter auf Platz 10 stehen Mannschaften, die das Ziel und auch die Möglichkeiten haben, nächste Saison zumindest Europa League zu spielen. Mannschaften wie Gladbach und Schalke, die auf den ersten Blick abgeschlagen erscheinen, liegen mit aktuell 30 Punkten auch nur 4 Punkte von Platz 6 entfernt, der in diesem Jahr zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Gerade für einen Verein wie Schalke, das sich in den letzten Jahren einen angesichts der Tabellenplatzierungen sehr teuren Spielerkader leistet, wären die Zusatzeinnahmen aus dem internationalen Geschäft von wichtiger Bedeutung. Für Mannschaften wie Freiburg oder Mainz hingegen wäre es ein vor der Saison nicht einkalkuliertes Zubrot und ein riesiger Erfolg, weswegen sie sicher etwas weniger unter Druck stehen als beispielsweise Schalke und befreiter aufspielen können.

Der Abstiegskampf

Kommen wir zum Abstiegskampf: dieser beginnt im Gegensatz zu manch anderer Spielzeit keineswegs schon hinter Borussia Mönchengladbach. Die rote Zone fängt heute wirklich erst so richtig auf Platz 16 an, der zur Zeit von der TSG Hoffenheim bekleidet wird. Auf den direkten Abstiegsplätzen stehen Augsburg und Greuther Fürth. Während zumindest beim FC Augsburg in der Rückrunde doch ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen ist, geht es für Fürth und Hoffenheim eigentlich immer nur weiter abwärts. Die Fürther reagierten am Mittwoch und entließen ihren Trainer Mike Büskens, der den Verein erstmals in der Geschichte in die Bundesliga geführt hat. Man möchte dadurch noch einmal eine Art Aufbruchsstimmung erzeugen, die am Ende vielleicht doch zumindest den Relegationsplatz sichern könnte.

Für den neutralen Beobachter mutet diese Entlassung allerdings eher als populistische Panikreaktion an, denn eines haben die Franken die ganze Saison schon gezeigt: der ganze Verein ist momentan nicht bundesligatauglich. Das fängt beim Kader an, dem schlicht die Qualität für die erste Liga fehlt und hört auf beim Stadion am Ronhof, das zwar eine traditionsreiche Spielstätte ist, aber auch mit einer Kapazität von 18.000 Plätzen auch einfach zu klein. Zwar trennen die Fürther vom Relegationsplatz im Moment auch nur vier Punkte, dennoch wäre es ein kleines Fußballwunder, wenn sie den Klassenerhalt auf diese Weise wirklich schaffen würden.

Hoffenheim in der Krise

Hoffenheim müsste rein von der Qualität des Kaders her eigentlich nicht im Tabellenkeller herum krebsen und in der Tat war das Ziel vor der Saison ja auch eher das internationale Geschäft. Doch die Kraichgauer zerfleischten sich von Beginn an durch interne Querelen, personelle Fluktuation und durch eine zusehends mehr verunsicherte Mannschaft, die augenscheinlich auch keinen allzu großen Zusammenhalt verkörpert.

Das unnötige Theater um Tim Wiese, das auch noch die Medien auf den Plan rief, hätte nicht sein müssen, wenn man einfach weiter auf den Publikumsliebling Tom Starke gesetzt hätte, der in der vergangenen Saison deutlich stärker hielt als Wiese und nun sein Dasein als Nummer 2 beim FC Bayern fristet. Ein Nachteil, mit dem ein künstlich gepushter Retortenverein wie Hoffenheim in solch schweren Zeiten zusätzlich zu kämpfen hat, ist die fehlende Fanbasis, die bei Traditionsvereinen im Abstiegskampf ein wichtiger Rückhalt für die Mannschaft sein kann. Dazu kommt, dass der Beobachter bisweilen den Eindruck gewinnt, als hätten die Spieler der TSG noch gar nicht wirklich verstanden, dass sie gegen den Abstieg spielen.

Augsburg mit Chancen

Am ehesten ist Augsburg der Klassenerhalt zuzutrauen, denn sie haben schon in der vergangenen Saison mit einer Aufholjagd die Klasse gesichtert und das Wissen, dass sie es schon einmal geschafft haben, könnte die Mannschaft durchaus so beflügeln, dass sie es wieder schafft.

Mannschaften wie Fortuna Düsseldorf, Nürnberg oder auch Wolfsburg können natürlich, wenn es doof läuft und die Kellerkinder plötzlich anfangen zu punkten, noch in den Abstiegsstrudel geraten. Man erinnere sich nur an den VfL Bochum, der in der Saison 2009/10 nach dem 22. Spieltag auch immer mit 8 Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz auf Platz 14 stand (nach einem Heimsieg über Hoffenheim übrigens) und dann trotzdem am Ende abstieg. Seit der Einführung der Drei-Punkte-Regelung kann so was schnell gehen. Tatsächlich ist aber eher zu erwarten, dass Fürth, Augsburg und Hoffenheim den Abstieg unter sich ausmachen werden.

Die Stärke der Liga

Nein, die ganz große Spannung gibt es in diesem Jahr in der Bundesliga nicht. Dass so wenige Vereine abstiegsgefährdet sind und im Gegenzug so viele um das internationale Geschäft mitspielen, zeigt aber auch die Stärke der Liga. Zudem muss festhalten, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt. Dass der FC Bayern Meister wird, bedeutet nicht, dass sie die nächsten fünf oder zehn Jahre die Liga wieder völlig dominieren werden. Dafür sind Mannschaften wie Dortmund und Leverkusen auf Dauer zu stark und auch in anderen Vereinen wie bei Eintracht Frankfurt oder dem Hamburger SV wird kontinuierlich gute Arbeit geleistet und etwas aufgebaut.

Die totale Dominanz eines Vereins auf Dauer würde der Liga auch schaden und ihr die Attraktivität rauben. In den 1980er Jahren gab es eine solche Phase bereits einmal und die Liga wurde dafür mit einem dramatischen Zuschauerschwund bestraft. Im Sommer werden die Karten wieder neu gemischt. Mit dem 1. FC Kaiserslautern, Hertha BSC Berlin, Eintracht Braunschweig oder auch dem 1. FC Köln könnten zwei bis drei Traditionsvereine in die Bundesliga zurückkehren, die allesamt sicher auch das Potenzial hätten, sich in der Liga auch zu halten.

Die Bundesliga gerät mehr und mehr auch in der Fokus der ausländischen Medien und wird attraktiver für ausländische Topstars. Das ist eine große Chance für die deutschen Vereine und eine Aufforderung an sie, solide zu wirtschaften und längerfristige Philosophien zu erarbeiten. Dazu gehört auch, nicht alle fünf Minuten den Trainer zu entlassen, nicht nur auf den schnellen Erfolg zu schielen, sondern eine Basis für langfristigen und dauerhaften Erfolg zu schaffen: eine Entwicklung, die sich mittlerweile bei einigen Vereinen in der Liga zeigt und sich bereits in der Tabelle wiederspiegelt.

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Ein Gedanke zu „Bestandsaufnahme einer mäßig spannenden Saison

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