Ein Trip in die Pampa: Borussia gegen Borussia

Eine Weltreise machen, eine fremde Kultur kennenlernen, dabei die Landschaft an sich vorbei ziehen sehen – das ist wunderschön und bereichernd, doch dafür muss man heutzutage nicht mehr bis nach Indien oder Australien fahren. Ein Auswärtsspiel in Gladbach hat den gleichen Effekt.

2004 verließ Borussia Mönchengladbach das (zugegebenermaßen leicht marode) Stadion am Bökelberg und zog in den neugebauten Borussia-Park um und begründete damit den Trend zum Stadion irgendwo in der Pampa. Wer am Sonntagmorgen vom Dortmunder Hauptbahnhof den Weg an den Niederrhein antritt, wird mindestens drei verschiedene Verkehrsmittel benutzen müssen und wenn es gut läuft, etwa drei Stunden lang unterwegs sein, bis dann irgendwo in der Pampa die Umrisse des Stadions am Horizont auftauchen. Die Verfasserin dieser Zeilen nimmt die Odyssee mal wieder auf sich und wird nach dem Spiel einen Reisebericht veröffentlichen.

Gladbachs Aus in Europa

Dennoch ist die Vorfreude groß, denn auf Weltreise geht man ja schließlich nicht jeden Tag! Und Buden/ Kneipen rund ums Stadion werden sowieso überbewertet. Man muss es mal positiv sehen: wenn man nichts zu trinken bekommt, kann man auch kein Geld ausgeben! Wer die Ironie findet, darf sie behalten.

Zum Sportlichen: Während die Mannschaft des BVB sich unter der Woche abends entspannt auf der Couch lümmeln konnte, flog Gladbach in Rom aus der Europa League. Traurig vor allem für die 10.000 Fans, die mit nach Italien gereist waren. Zumindest im Moment sieht die Tabellensituation nicht danach aus, als würde sich das Abenteuer Europa in der nächsten Saison fortsetzen. Allerdings sind ja noch genügend Spiele, möglich also, dass die Gladbacher in der nächsten Saison die Chance bekommen, es besser zu machen.

Stürmerschwund beim BVB

Es ist also zu erwarten, dass die Hausherren am Sonntag Wiedergutmachung bei ihren Fans betreiben wollen und entschlossen zu Werke gehen werden. Ein Vorteil für den BVB ist sicherlich die Gelbsperre von Patrick Herrmann, der mit seiner Schnelligkeit und seiner Technik ein permanenter Unruheherd im Gladbacher Spiel ist. Allerdings hat die Borussia aus Dortmund selbst mit personellen Komplikationen zu kämpfen.

Sowohl Stürmer Nummer 1 als auch Stürmer Nummer 2 sind nach roten bzw. gelb-roten Karten gesperrt. Stürmer Nummer 3 wäre Balint Bajner – ein Name, der wohl nur denjenigen Fans bekannt sein dürfte, die sich hin und wieder mal mit der zweiten Mannschaft des BVB beschäftigen. Bajner hat jedenfalls bisher keine Bundesligaminute auf dem Konto und so ist es auch nicht sehr wahrscheinlich, dass er von Beginn an spielt.

Reus als Sturmspitze?

Die wahrscheinlichere Alternative ist, entweder Mario Götze einfach eine Position vorzuziehen oder aber Marco Reus an seiner alten Wirkungsstätte als Sturmspitze aufzubieten. Beide strahlen enorme Torgefahr aus, so dass es sicher keine allzu schlechte Notlösung wäre. Die frei werdende Planstelle im Mittelfeld könnte dann Kevin Großkreutz einnehmen oder eventuell auch Ilkay Gündogan. Denkbar wäre auch eine Umstellung auf drei Sechser, wodurch dann Nuri Sahin in die Mannschaft rutschen könnte.

Allerdings hängen all diese Planspiele auch noch von einer weiteren Variablen ab und die heißt Jakub Blaszczykowski. Der polnische Flügelflitzer leidet an einer Zerrung im Hüftbeuger und sein Einsatz entscheidet sich erst kurz vor dem Anpfiff. Jürgen Klopp sagte auf der Pressekonferenz: „Wären unsere Probleme im Angriff nicht so groß, wäre sein Einsatz kein Thema.“ Aber unter diesen Umständen könnte es sein, dass Kuba auf die Zähne beißen muss. Sollte er wirklich nicht spielen können, ist eigentlich nur noch die Variante mit der dreifachen Sechs möglich, wobei Kubas Position dann wohl von Großkreutz übernommen würde. Selbst ein 4-3-3 ist laut BVB-Homepage denkbar.

5:0 im Hinspiel

Wir wissen also, dass wir nichts wissen. Das hat immerhin den Vorteil, dass der Gegner sich auch nicht wirklich auf das BVB-System vorbereiten kann. Allerdings ist Gladbachs Trainer Lucien Favre als akribischer Arbeiter bekannt, der seine Mannschaft sicher trotzdem gründlich einstellen wird.

Beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten fegten die Dortmunder Gladbach mit 5:0 aus dem Westfalenstadion. Marco Reus bewies bei diesem Spiel mitleidslose Professionalität im Umgang mit dem Verein, der ihn zum Bundesliga-Spieler formte und steuerte gleich zwei Treffer bei. Es ist anzunehmen, dass er am Sonntag ähnlich skrupellos agieren wird, wenn sich ihm die Chance bietet.

Die Koffer sind gepackt, die Weltreise kann beginnen. Hoffentlich sind auf der Rückfahrt drei Punkte als Souvenirs mit im Gepäck.

Die voraussichtliche Aufstellung (diesmal wild geraten und alle möglichen Planspiele berücksichtigt): Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Kehl, Gündogan – Großkreutz (Sahin), Götze, Blaszczykowski (Großkreutz) – Reus

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