BVB bei den Bayern: Ein gefühltes Pokalfinale

Die deutschen Sportmedien haben es längst den deutschen „Clasico“ getauft, manche sprechen auch vom „Kampf der Giganten“. An Superlativen mangelt es nie, wenn der BVB und der FC Bayern aufeinander treffen und da im Moment die Konkurrenzsituation der beiden Vereine auf Ligaebene wenig Brisanz enthält, gewinnt das Pokalspiel umso mehr an Bedeutung.

Dabei könnte man fast übersehen, dass es sich bei dem Spiel „lediglich“ um das Viertelfinale des DFB-Pokals handelt, denn diese Paarung klingt nach Finale. Und manche Experten halten dieses Spiel in der Tat für eine Art vorgezogenes Finale. Ihrer Meinung nach wird der Sieger dieses Spiels mit ziemlicher Sicherheit am Ende den goldenen Pott im Berliner Olympiastadion in den Himmel recken. Ganz einfach deshalb, weil der einzige wirklich gefährliche Gegner aus dem Weg geräumt ist.

Gründe gewinnen zu wollen

Völlig abwegig ist diese Theorie sicher nicht, allerdings unterschätzt sie die anderen Teams und die Gesetze des Pokals, die bekanntlich etwas anders ticken als der Ligaalltag. Beide Teams haben genug Gründe, dieses Spiel unbedingt und mit aller Macht gewinnen zu wollen.

Die Bayern haben immer noch nicht die Demütigung des letzten Pokalfinales im Mai 2012 vergessen, als die junge BVB-Truppe sie mit 5:2 aus dem Stadion fegte und sie in der zweiten Halbzeit sogar regelrecht vorführte. Nicht vergessen ist die Schmach, dass die Dortmunder ihnen nach der Meisterschaft nun auch noch den Pokal vor der Nase wegschnappt. Es ist offensichtlich, dass die vergangene Saison im Bayern-Team einen Hunger nach Titeln ausgelöst hat, den man so viele Jahre nicht mehr gesehen hat. Zweiter zu sein gehört nicht zum Selbstverständnis der Bayern. In der letzten Saison lernten sie eine schmerzhafte Lektion: auch der FC Hollywood besteht nur aus Sterblichen. Und es ist nicht selbstverständlich, jede Saison mit mindestens einem Titel abzuschließen.

In dieser Saison treten die Bayern stärker auf als Dortmund. Sie profitieren von ihrem in der Breite stark besetzten Kader und der Tatsache, dass die Dreifachbelastung für sie seit Jahren Normalität ist. Dortmund bringt in dieser Saison nicht die Dominanz und die Souveränität auf den Rasen, die sie in den letzten beiden Jahren ausgezeichnet hat. Dennoch waren sie eine der wenigen Mannschaften, die den Bayern in der Allianz-Arena Punkte abgenommen haben: 1:1 hieß es am 1. Dezember 2012 nach 90 Minuten.

Auch Dortmund will unbedingt gewinnen

Abgesehen von dem völlig unbedeutenden und nur halb-offiziellen Supercup-Spiel vor Beginn der Saison haben die Bayern seit sechs Pflichtspielen nicht mehr gegen Dortmund gewonnen, gleich fünf davon haben sie verloren. Eine Katastrophe für die Bayern und ausgesprochen schlecht für Uli Hoeneß‘ Blutdruck.

Aber auch die Dortmunder haben gute Gründe, warum sie dieses Spiel unbedingt gewinnen wollen. Der Triumph im DFB-Pokal im letzten Jahr kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Pokalhistorie des BVB im Laufe seiner 103-jährigen Geschichte immer noch mehr als traurig ausschaut. Die Spieler haben Blut geleckt und wollen unbedingt wieder ins Finale.

Chance auf Titel

Dazu kommt gerade die Tatsache, dass die Bayern dem BVB in der Liga schon derart entlaufen sind. Sie noch einzuholen ist nur noch eine theoretische Option und mit einem Gewinn der Champions League kann man nicht unbedingt rechnen, auch wenn selbst Koryphäen wie Sir Alex Ferguson den BVB zum engeren Favoritenkreis zählen. Die „leichteste“ Chance, diese Saison doch noch mit einem Titel zu krönen, besteht über den Pokal. Mit ihm könnte die Mannschaft einige sehr durchwachsene Auftritte in der Liga vergessen machen. (Anmerkung: Praktisch jedes Spiel außer dem Derby. Dieses Spiel kann nur am 9. März wieder gut gemacht werden.)

Trotz des himmelweiten Abstands in der Liga ist es wohl doch ein Duell auf Augenhöhe. Wenn es der BVB-Mannschaft gelingt, zu 100 % konzentriert zu sein und sich leidenschaftlich in das Spiel zu werfen, kann sie den FC Bayern auch im eigenen Stadion schlagen. Wenn es eine Mannschaft in Europa kann, dann ist es Dortmund, diesen Beweis haben sie in den letzten Jahren zur Genüge erbracht. Und mit diesem Wissen im Hinterkopf werden die Borussen am Mittwoch in München antreten.

Personalien

Zudem muss Bayern auf seinen gesperrten Mittelfeldspieler Franck Ribery verzichten – in der Verfassung, in der sich der Franzose in dieser Saison befindet ist das ein echter Verlust. Dennoch bringen sie natürlich trotzdem genug Qualität auf den Rasen.

Der BVB kann in Bestbesetzung auflaufen. Innenverteidiger Mats Hummels, in Gladbach zur Pause noch vorsichtshalber ausgewechselt, hat seinen Pferdekuss rechtzeitig auskuriert. Auch der zuletzt angeschlagene Jakub Blaszczykowski hat seine Verletzung überwunden, allerdings könnte unter Umständen aus Gründen der defensiven Stabilität für ihn trotzdem Kevin Großkreutz spielen.

The daily Robert – still in Dortmund

Wo Robert Lewandowski in der nächsten Saison spielt – ob beim FC Bayern, bei Manchester United, doch weiter beim BVB oder vielleicht auch bei Anschi Machatschkala – am Mittwoch trägt er auf jeden Fall das gelbe Trikot, denn für den Pokal ist er schließlich nicht gesperrt. Nach bereits zwei Spielen, die er auf der Tribüne bzw. vor dem heimischen Fernsehgerät schmoren musste, ist zu erwarten, dass beim polnischen Nationalspieler der Hunger auf Tore noch stärker geworden ist.

Der FC Bayern ist aufgrund des bisherigen Saisonverlaufs und dem Heimvorteil sicherlich leichter Favorit. Doch dass das gegen Dortmund nichts zu bedeuten hat, dürfte ihnen seit der Saison 2010/11 klar sein.

Noch zwei Spiele bis Berlin!

Die voraussichtliche Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Gündogan, Kehl – Reus, Götze, Blaszczykowski (Großkreutz) – Lewandowski

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