Mit Rotation zum 3:1-Sieg: BVB schlägt Hannover

Nach dem mäßigen Auftritt in Gladbach und der unterirdischen Pokal-Schlappe in München durfte man nun gespannt sein, wie sich der BVB zuhause gegen Hannover präsentieren würde. Und diesmal enttäuschte der BVB seine Fans nicht. Die Mannschaft präsentierte sich von Beginn an wesentlich spielfreudiger und zielorientierter als in den Spielen zuvor.

Bei der Aufstellung sorgte Jürgen Klopp für zwei Überraschungen. Statt Lukasz Piszczek, der sich seit Monaten mit schmerzhaften Hüftbeschwerden herum plagt, verteidigte Kevin Großkreutz hinten rechts und dürfte damit außer der Torwartposition mittlerweile fast jede Position einmal durch haben. Piszczek hingegen dürfte die Pause vor dem wichtigen Champions-League-Spiel gegen Schachtjor Donezk am Dienstag wohl gut getan haben. In der Aufstellung fand sich außerdem etwas überraschend der Name Julian Schieber, der allerdings nicht statt Robert Lewandowski, sondern erstmals mit ihm zusammen agierte. Lewandowski rutschte zurück auf die Zehn, Mario Götze auf die Bank. Auch das kann sicherlich als Schonungsmaßnahme im Hinblick auf Donezk interpretiert werden, denn schließlich hat auch der Jung-Nationalspieler in dieser Saison schon ein ganz ordentliches Pensum an Spielen absolviert.

BVB mit Schwung

Sebastian Kehl spielte an Stelle von Sven Bender und auch Jakub Blaszczykowski kehrte in die Startelf zurück. Mats Hummels konnte seinen Infekt nicht rechtzeitig auskurieren, so dass Felipe Santana eine weitere Bewährungschance erhielt.

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Die vielen Veränderungen schienen der Mannschaft nicht zu schaden, ganz im Gegenteil. Der BVB agierte deutlich schwungvoller als zuletzt und wollte den Gästen aus Hannover offensichtlich sofort klar machen, wer hier Herr im Hause ist. Schon in den ersten Minuten spielte Borussia einige gute Chancen heraus, die Marco Reus und Kuba allerdings vergaben. Bereits in der 8. Minute klingelte es aber zum ersten Mal im Hannoveraner Kasten: Kuba hatte den Angriff eingeleitet, Großkreutz ging durch bis zur Grundlinie und spielte dann einen schönen Rückpass auf Lewandowski, der trocken vollendete. Ein schöner Angriff des BVB!

Lewandowski zum Zweiten

Nur sieben Minuten später zeigte dann aber auch die Niedersachsen, wie gefährlich sie sein können. Auch sie beherrschen das blitzschnelle Umschalten von Defensive auf Offensive und so schloss Konstantin Rausch einen Konter, der für den BVB mal viel zu schnell ging zum vermeintlichen 1:1 ab. Der Treffer fand allerdings wegen einer knappen Abseitsentscheidung keine Anerkennung.

Die Hausherren waren nun bemüht, schnell den Deckel auf das Spiel zu machen und folgerichtig fiel in der 20. Minute das 2:0. Einen Schuss von Großkreutz, der am Strafraumeck relativ unbedrängt schießen durfte, konnte Ron-Robert Zieler noch abwehren, allerdings nicht festhalten. Lewandowski stand bereit und staubte ab. So sehr dieser Mann und seine Berater einem mittlerweile auf den Senkel gehen – doch sportlich ist er einfach Gold wert. Er schoss am Samstag seine Saisontore 15 und 16 und präsentierte sich nach seiner Sperre außerordentlich gut: immer anspielbereit, ein permanenter Unruheherd für die Hannoveraner Abwehr, stark in der Ballbehauptung und absolut torgeil. Er hatte während seiner Sperre sichtlich unter Entzugserscheinungen gelitten!

Großkreutz mit starker Leistung

Ein weiteres Sonderlob gebührt auch Kevin Großkreutz: er spielte den rechten Verteidiger, als hätte er in seinem Leben nie etwas anderes gemacht und er interpretierte die Rolle ähnlich wie Piszczek, so dass zumindest in diesem einen Spiel auf dieser Position mal überhaupt kein Qualitätsverlust herrschte. Das Zusammenspiel mit Kuba klappt meistens gut. Defensiv brannte über die rechte Seite nichts an, offensiv setzten beide Spieler immer wieder gute Impulse. Die große Variabilität von Großkreutz hat sich wieder einmal als wertvoll erwiesen.

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Halbzeitbierchen mit passenden Bechern: der doppelte Lewandowski.

Kurz vor der Pause fing der BVB sich allerdings dann doch wieder das zur Zeit offenbar obligatorische Gegentor. Es scheint einfach nicht ohne zu gehen. In den letzten Minuten vor der Pause ruhte sich die Mannschaft etwas zu sehr auf der Führung aus und wurde prompt bestraft. Einen Freistoß von Sergio Pinto verlängerte Santana sehr unglücklich in Richtung Tor. Roman Weidenfeller konnte den Ball nur an die Latte lenken und wie auf der anderen Seite Lewandowski, so stand hier Mo Abdellaoue bereit und staubte ab. Santana sah in dieser Szene wie schon öfter in letzter Zeit abermals nicht gut aus. Er scheint sich im Moment nicht in der Form seines Lebens zu befinden, aktuell kann er Neven Subotic und Mats Hummels nicht adäquat ersetzen.

Luxus-Wechsel

Nach der Pause hatte der BVB das Spiel aber wieder besser im Griff und verzeichnete auch die klareren Torchancen. Jürgen Klopp gönnte sich einen Wechsel der Luxus-Kategorie und brachte einfach mal Mario Götze für Marco Reus. Einfach, weil wir es können!

In der 73. Minute setzte Borussia dann den Haken unter das Spiel: Kuba setzte sich schön gegen Djourou durch und legte quer auf Julian Schieber. Der fackelte nicht lange und schob das Ding locker an Zieler vorbei ins Tor. Das erste Bundesliga-Tor des sympathischen Schwaben, dem aufgrund einer recht bescheidenen Chancenverwertung schon ein bisschen das Etikett „Fehlkauf“ anhaftete. Die lauten „Schieber, Schieber“-Rufe, die im Anschluss durchs Westfalenstadion hallten, legten aber ein beredtes Zeugnis davon ab, wie sehr die meisten Fans ihm diesen Treffer gönnten. Vielleicht platzt der Knoten ja jetzt bei ihm.

Souverän zu Ende gespielt

Die letzten 20 Minuten schaukelten Mannschaft und Fans dann relativ locker herunter. Lewandowski hatte noch eine gute Chance, doch sein drittes Tor an diesem Tag blieb ihm dann doch verwehrt. Die Südtribüne schaltete nach 75 gespielten Minuten schon mal in den Derby-Modus um und stimmte sich gesanglich schon mal auf den nächsten Samstag ein. Allerdings liegt dazwischen auch noch das Champions-League-Spiel gegen Donezk und dieses wird auch für die Mannschaft nun erst mal oberste Priorität haben.

Am Ende bejubelten Mannschaft und Fans einen souveränen 3:1-Sieg gegen ein ersatzgeschwächtes Hannover, das an diesem Tag kein Mittel fanden, dem BVB das Leben schwer zu machen.

BVB-Fans gegen Rechts

Eine Begebenheit, die auch unbedingt noch Erwähnung finden soll, ereignete sich vor dem Anpfiff. Auf der Südtribüne und auch im restlichen Stadion wurden etliche Banner entrollt, die klare Kante gegen Nazis zeigte. Für Jens Volke und Thilo Danielsmeyer, die in Donezk von drei Nazis angegriffen wurden, gab es zahlreiche Solidaritätsbekundungen. Angesichts der Tatsache, dass Nazis in den letzten Jahren immer selbstbewusster und offensichtlicher auf der Südtribüne, aber auch bei Auswärtsspielen oder bei Spielen der Amateure auftreten, war ein so klares Signal gegen Rechts durch die Fanszene nötig und auch längst überfällig.

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Borussia Dortmund – Hannover 96 3:1 (2:1)

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic, Felipe Santana, Schmelzer – Gündogan (81. Sahin), Kehl – Blaszczykowski (76. Bender), Lewandowski, Reus (64. Götze) – Schieber

Hannover 96: Zieler – Chahed, Djourou (74. Haggui), Schulz, Pocognoli – Hoffmann, da Silva Pinto – Ya Konan, Rausch (46. Schmiedebach) – Sobiech, Abdellaoue (78. Schlaudraff)

Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden)

Zuschauer: 80 645 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Lewandowski (8.), 2:0 Lewandowski (21.), 2:1 Abdellaoue (40.), 3:1 Schieber (72.)

Gelbe Karten: – / Schmiedebach (4), Schulz (3)

 

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