BVB schenkt das zweite Derby in dieser Saison ab

Ja, diese Mannschaft hat ihren Fans in den letzten Jahren mit ihrem Fußball viel Freude bereitet. Ja, diese Mannschaft hat in den letzten zwei Jahren auf spektakuläre Weise drei Titel gewonnen. Ja, diese Mannschaft rockt in dieser Saison die Champions League und steht nun im Viertelfinale. Aber: dieselbe Mannschaft hat in dieser Saison zwei Derbys einfach ohne Not weg geschenkt.

In den letzten Saisons hatte man als BVB-Fan den Eindruck, als habe Dortmund endlich eine Mannschaft, die tatsächlich die Bedeutung des Derbys verinnerlicht hat und mit der entsprechenden Leidenschaft und Aggressivität auftritt. Doch in dieser Saison muss man daran doch wieder erheblich zweifeln. War es vielleicht doch eher so, dass die Mannschaft in den letzten Jahren generell so gierig war, dass sie in der Bundesliga einfach alles abgeräumt hat – und damit eben auch den Erzrivalen aus Gelsenkirchen als einen von vielen Bundesliga-Gegnern?

Fokus auf der Champions League

Die Gier geht der Mannschaft in der Bundesliga jedenfalls in dieser Saison einigermaßen ab. Der Fokus lag von Anfang an auf der Champions League, auch wenn sowohl Spieler als auch Offizielle das vehement bestreiten. Doch es ist ja eindeutig zu sehen, dass der BVB diese Gier und die Leidenschaft, die ihn in den letzten beiden Jahren so ausgezeichnet hat, eigentlich nur noch in der Königsklasse auf den Platz bringt. In der Bundesliga werden die Gegner zwar demontiert, wenn sie klar schwächer sind (so wie in der Rückrunde Bremen oder Hannover), doch Probleme gibt es, sobald eine Mannschaft aggressiv in die Zweikämpfe geht und den BVB früh beim Spielaufbau stört. So wie der Hamburger SV. Oder Schalke.

Gegen diese Gegner findet der BVB kein Mittel mehr und es sieht so aus, als sei die Mannschaft nicht mehr willens solche Spiele dann einfach mal über den Kampf zu entscheiden. Es wirkt bisweilen so, als habe die Mannschaft keine Lust mehr, sobald der Gegner die Frechheit besitzt, mit aggressivem Zweikampfverhalten den Dortmunder Spielaufbau zu unterbinden. Dass die unbedingte Leidenschaft vielleicht nicht mehr gegen – bei allem Respekt – Augsburg oder so auf den Platz gebracht wird, dafür kann man sicher Verständnis haben. Doch im Derby ist das einfach nicht zu entschuldigen und auch nicht zu erklären.

Erste Halbzeit katastrophal

Die erste Halbzeit am Samstag war fast eine Kopie der ersten Halbzeit im Hinspiel. Die Blauen starteten Angriff um Angriff, die Dortmunder standen viel zu passiv daneben und ließen sich in den Zweikämpfen jeglichen Schneid abkaufen. Die Gastgeber wirkten einmal mehr viel bissiger und erweckten von Beginn an den Eindruck, dieses Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. Diesmal lässt sich das Ganze auch nicht mal mehr mit Verletzungen und einem ungewohnten System erklären, denn der BVB spielte im gewohnten System und mit der besten Elf. Mit dem 0:2 zur Pause war Borussia dann leider wirklich noch gut bedient.

Jürgen Klopp brachte nach der Pause dann Nuri Sahin und Marco Reus und nahm dafür den angeschlagenen und völlig indisponierten Mats Hummels sowie den blassen Kevin Großkreutz, von dem man in einem Derby auch deutlich mehr erwarten darf (gerade von ihm!) vom Platz. Die Wechsel zeigten Wirkung. Die Mannschaft wirkte von nun an defensiv deutlich stabiler und wesentlicher agiler nach vorne. Die Blauen wurde nun unter Druck gesetzt und geriet prompt ins Schwimmen. Folgerichtig fiel nach einer Stunde das 1:2 durch Robert Lewandowski.

Es reichte nicht

Die folgenden Torchancen vergab der BVB allerdings und bald gelang es Schalke, sich wieder zu stabilisieren und auch nach vorne für Entlastung zu sorgen. Aber der 80. Minute begann einem zu schwanen, dass es wieder nicht reichen wird. Und so war es, die Blauen schaukelten das Ding nach Hause.

Leider muss man sagen, dass die Niederlage absolut verdient war. In einem Derby die komplette erste Halbzeit so zu verpennen, das geht einfach nicht. Auffällig, dass dem BVB das im Moment öfter in Spielen passiert, in denen es um etwas geht (siehe München). Wäre Borussia von Beginn an so aufgetreten wie in der zweiten Halbzeit, hätte Schalke wohl im Normalfall keine Chance gehabt.

Unverständliche Aussage von Klopp

Reichlich unverständlich wirkte dann auch die Aussage Jürgen Klopps nach dem Spiel, jeder seiner Spieler habe zu 100 Prozent verinnerlicht gehabt, um was es bei diesem Spiel geht. Blanker Hohn. Marcel Schmelzers Statement wirkte da schon deutlich ehrlicher. Der Nationalspieler räumte offen ein, das sei „Mist“ gewesen, die erste Halbzeit sei komplett verschlafen worden. „Das darf gerade im Derby nicht passieren und wir können uns nur bei den Fans entschuldigen.“

Bei allem Respekt für Jürgen Klopp, aber das war wirklich nicht der Tag und der Ort um die Leistung der Mannschaft schön zu reden. Sicher war die zweite Halbzeit deutlich besser, aber dann sollte Klopp sich vielleicht mal fragen, warum er die Mannschaft erst in der Halbzeit und nicht vor dem Spiel für eine solche Leistung motivieren konnte.

Meckern auf hohem Niveau?

Und nun? In dieser Woche steht dann dummerweise kein Champions-League-Spiel an, in dem man „Wiedergutmachung“ leisten kann. Ohnehin kann wirkt dieses ganze Gerede von Wiedergutmachung vor dem Spiel im Nachhinein doch ziemlich hohl, wenn am Ende dann so eine Leistung dabei heraus kommt.

Sicher meckert man auf BVB-Fan hier immer noch auf einem hohen Niveau. Drei Titel in den letzten zwei Jahren, im Viertelfinale der Königklasse und auch in der Bundesliga steht der BVB immerhin auf Platz 2, was in der nächsten Saison auch zur Teilnahme an der CL berechtigen würde.

Kritik muss erlaubt sein

Dennoch muss Kritik an der Mannschaft nach einem solchen Spiel einfach auch mal erlaubt sein! Es gibt Fans, die auf diese Kritik reflexartig so reagieren, dass sie auf die Erfolge hinweisen und sagen, man solle doch nicht rumheulen und lieber mal sehen, was man schon erreicht hat. Es hat aber nichts mit Rumheulen zu tun, wenn man auf offenkundige Mängel und eine falsche Einstellung im wichtigsten Spiel der Bundesliga hinweist. Und trotz der Erfolge muss man als Fan auch jetzt nicht alles kritiklos abnicken, was von Vereinsseite geäußert wird. Und die erreichten Erfolge rechtfertigen einfach trotzdem nicht so eine Leistung im Derby – und schon gar nicht in zwei Derbys innerhalb von nur einer Saison. Das ist einfach nur enttäuschend.

Nächste Woche geht es weiter, zuhause gegen Freiburg. Doch im Moment fällt es noch schwer, daran zu denken.

Blau: Hildebrand – Uchida, Höwedes, Matip, Kolasinac – Höger, Neustädter (73. Fuchs) – Farfán, Draxler (82. Raffael), Bastos – Huntelaar (54. Pukki)
Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels (46. Sahin), Schmelzer – Gündogan (76. Leitner), Bender – Blaszczykowski, Götze, Großkreutz (46. Reus) – Lewandowski
Tore: 1:0 Draxler (12.), 2:0 Huntelaar (35.), 2:1 Lewandowski (59.)
Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
Zuschauer: 61.673 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Huntelaar (3), Höger (3), Kolasinac (1)

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8 Gedanken zu „BVB schenkt das zweite Derby in dieser Saison ab

  1. Mangelnde Einstellung ist schnell vorgeworfen – gerade im Misserfolg. Bei aller Derbyromantik und Heldentum drumherum, so führen doch auch in solchen Spielen immer sportliche Gründe zum Sieg oder Niederlage. Was kommt den raus wenn beide Mannschaften unbedingt gewinnen wollen? Immer ein Unentschieden? Nein! Das macht auch Derbys aus, das die bessere Mannschaft an einem Tag von der aggressiveren und bissigeren Mannschaft besiegt werden kann. Aber sowas ist nicht nur durch Einstellung bedingt, sondern sehr viele Faktoren.
    Diese Dortmunder Mannschaft hat in den letzten 2 Jahren Schalke peinliche Niederlagen bereitet und mehr als nachgewiesen, dass sie Derby kann. Das jetzt in Frage zu stellen, liegt wohl an der nun 2. Pleite gegen Schalke in Folge. Aber leider leider können auch die Fußball spielen. Und wenn der BVB dann eben nicht 100% auf den Rasen bekommt, geht auch so ein Spiel schnell verloren. Die Einstellungskeule ist nur halt eine zu einfache Erklärung. Hummels beispielsweise hat bestimmt nicht extra gespielt als wenn er noch im Bett liegt. Oder war Großkreutz nicht motiviert? Unwahrscheinlich. Es ist wie bei einem Auto, es muss seine Motorleistung auf die Strasse übertragen, nur dann fährt es schnell. Am Samstag war es nicht genug, es war insgesamt schlecht, und nicht das, was man von der Mannschaft erwarten kann. Aber das nächste Derby kommt bestimmt. So ist das in der Bundesliga.

  2. Dass Schalke auch Fußball spielen kann, würde wohl auch keiner bestreiten. Doch Tatsache ist, dass sie jetzt schon im zweiten Derby hintereinander wesentlich aggressiver waren als Dortmund. Einmal kann sowas vielleicht passieren (vielleicht auch mit dem Hintergedanken, dass sie im Hinspiel vllt sogar einfach unterschätzt wurden), aber nicht zwei Mal hintereinander. Dass sie keinen Bock auf Derby hatten, glaube ich nicht, aber ich denke, die Schalker Mannschaft wollte dieses Spiel unbedingt gewinnen – mehr als die Dortmunder Mannschaft. Und das verstehe ich nach der Blamage im Hinspiel nicht.
    Zu Hummels: der hätte für meine Begriffe überhaupt nicht spielen dürfen, der war ja ganz offensichtlich nicht fit. Klopp hatte sicher das Beste im Sinn, aber es ist voll in die Hose gegangen. Und Großkreutz ist mir in den letzten beiden Derbys ein großes Rätsel. Dass er unmotiviert war, glaube ich nicht. Aber während er früher in den Derbys immer total übermotiviert rangegangen ist (und oft kurz vor der roten Karte stand), wirkte er in den letzten beiden Derbys seltsam lethargisch, wie eine Schlaftablette. Vielleicht hat er irgendwie das richtige Maß noch nicht gefunden.
    Ich gebe zu, dass ich den Artikel mit ordentlich Wut im Bauch geschrieben habe, weswegen ich mit der Mannschaft vielleicht auch etwas härter ins Gericht gegangen bin, als ich es mit ein paar Tagen Abstand getan hätte. Aber grundsätzlich glaube ich schon, dass sie sich die ganz große Gier mittlerweile für die Champions League aufsparen und das gefällt mir nicht so. Verstehe allerdings auch nicht die Leute, die deswegen jetzt alles in Frage stellen.
    Ich hoffe auf jeden Fall, dass sie im nächsten Derby wieder anders auftreten, zwei solche Spiele hintereinander reichen mir.

    • Alles hinterfragen, macht bei den Erfolgen und auch der Spielzeit aktuell natürlich keinen Sinn. Dass nach 2 Jahren des „Überflusses“ jetzt mal Normalität eintritt, ist abzusehen gewesen. Ich glaube, dass es auch nicht bewusstes Aufsparen für eine Wettbewerb ist, bezweifel ich. Die Situation in 3 Wettbewerben topp zu sein, ist zwar nicht neu, aber immer wieder schwer. Man muss halt jeden Wettbewerb einzeln bewerten und dann kommt man zu dem Schluss, dass es auch in der Liga super läuft, nicht mehr überragend, aber immer noch klasse. Der Pokal war halt dumm gelost und man hat das Finale schon im Viertelfinale verloren – passiert. Champions League ist man mehr als nur dabei im Rennen um eine weitere Runde. Dass jetzt ausgerechnet die beiden Derbys und auch andere Spiele wie die gegen den HSV verloren gingen, schmerzt schon, aber dem Verein geht es gut und man will ja auch noch den ein oder anderen Euro investieren. Da man da meist ein gutes Händchen hatte, steht doch dem Erfolg auf Dauer nichts im Wege, besonders mit der sportlichen Leitung und dem Umfeld.

      • Ich denke auch auf jeden Fall, dass da im Sommer einiges gemacht wird (wurde ja auch schon angekündigt). Vielleicht reicht die Breite des Kaders auch einfach nicht für drei Wettbewerbe. Ich ärgere mich jetzt speziell was das Derby angeht auch nicht so sehr über die Niederlage (gegen die Blauen kann man schon mal verlieren), sondern hauptsächlich über die Art und Weise, wie sie in der ersten HZ aufgetreten sind, zumal das ja im Hinspiel schon genau dasselbe war.

        Klar insgesamt betrachtet läuft es in der Liga ordentlich, ich bin mir auch relativ sicher, dass am Wochenende gegen Freiburg gewonnen wird. Und ich bin weit davon entfernt, einen Abgesang zu starten. Der BVB ist in den letzten Jahren auf einem guten Weg und wenn der konsequent weiter gegangen wird, dann wird das auch weiter zum Erfolg führen, da bin ich mir sicher. Ich finde halt nur, Erfolg hin oder her, dass man eine solche Leistung im Derby auch mal kritisieren darf. Natürlich nicht in der Form, wie es jetzt einige tun, dass sie die Mannschaft generell total in Frage stellen.

  3. Derzeit können wir mehr als froh sein, dass die Pillen hinter uns ähnlich erfolglos spielen. Mit einem Sieg in Mainz wären die Leverkusener an uns vorbeigezogen. Dass Bayer sich bereits gegen Fürth ähnlich dumm angestellt hat, passt ins Bild.

    Mich ärgern außerdem diese unnötigen Niederlagen und Punktverluste. Damit meine ich nicht nur das Derby, sondern auch Unentschieden gegen Düsseldorf und Stuttgart und unnötige Pleiten gegen Hamburg und Wolfsburg…

    • Ja da waren wirklich einige unnötige Punktverluste dabei. Und es ist reines Glück, dass Leverkusen derzeit auch meistens verliert, wenn wir verlieren. Aber darauf kann man sich ja jetzt nicht immer verlassen, vor allem nicht, wenn die Blauen jetzt wieder richtig Aufwind bekommen. Platz vier ist auch nur 6 Punkte weg, da sollte man ab und an schon mal einen Blick nach hinten werfen. Wenn die Jungs in der Liga nicht bald mal wieder konzentrierter spielen, ist am Ende vielleicht auch der direkte CL-Platz weg.

      • 7 Punkte und das deutlich bessere Torverhältnis.
        Bei einem Sieg von Dortmund wäre Leverkusen auch bei einem Sieg.. wäre wäre, hätte hätte, Fahrradkette. Die Tabelle ist kein Konjunktiv.

        Ich bin sicher, dass Platz 2 am Ende rumkommt. 😉

  4. Pingback: Ein Revierderby zum Vergessen: FC Schalke 04 – Borussia Dortmund 2:1 (2:0) > Borussia Dortmund > Auswärtsspiel, BVB, Robert Lewandowski, Saison 20122013

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