Ein (fast) fußballfreies Wochenende: die Nationalmannschaft und ich

Endlich steht das Wochenende vor der Tür! Und endlich ist wieder Fußball…. ach nee. Es ist ja gar kein Fußball an diesem Wochenende. Oder zumindest nicht für alle.

Ohne eine weitere „Jogi Löw ist doof“-Diskussion anfangen zu wollen, muss man aber dennoch festhalten: Länderspiele sind einfach kein Ersatz für die Bundesliga. Für jeden Fußballer ist es natürlich eine Ehre für sein Heimatland auflaufen zu dürfen (oder falls das einen nicht will, für das Heimatland der Großmutter oder des Schwipponkels…). Auch soll es ja gerade in Deutschland auch mittlerweile viele Fans der Nationalmannschaft geben. Zumindest sind die Fanmeilen ja bei jeder WM oder EM gerammelt voll.

Die holde Weiblichkeit

Nun gut, die Hälfte der dort anwesenden Zuschauer ist meist weiblichen Geschlechts und meistens sind es nicht die Frauen, die man auf den Tribünen der Bundesliga-Vereine als Dauerkarteninhaberinnen oder zumindest in irgendeiner Form aktiven Fans findet. Meistens ist es eher die Kategorie, die sich, schwarz-rot-goldene Fähnchen ins Gesicht und „Mario Götze“ aufs Dekolleté malt und 90 Minuten darüber schwadronieren kann, dass Schweini mit seiner neuen Frisur ja „sooooo süß“ aussieht. (Ihr seid übrigens der Grund, warum Frauen unterschwellig immer noch von vielen männlichen Fans unterstellt wird, sie hätten aus Prinzip keine Ahnung vom Fußball!)

Natürlich sollen hier nicht alle über einen Kamm geschoren werden, denn erstens gibt es diese Art Frauen/ Mädchen auch im Dunstkreis der Bundesligavereine (wer das bestreitet war nicht auf den letzten beiden Meisterfeiern von Borussia Dortmund) und zweitens gibt es sicher auch viele weibliche Fans der deutschen Nationalmannschaft, die nicht in die oben genannte Kategorie fallen, sondern sich ganz normal benehmen und sich einfach am schönen Fußball erfreuen.

Desinteresse trotz schönem Fußball

Und recht ansehnlichen Fußball spielt die deutsche Nationalmannschaft in den letzten Jahren ja tatsächlich. Zwar gemessen an Titeln recht erfolglos bisher, aber immerhin ist der Panzerfußball der vergangen Jahrzehnte mittlerweile in den Geschichtsbüchern des Fußballs angekommen. Dazu kommt, dass die Mannschaft durch ihre multikulturelle Struktur mittlerweile auch eine hohe integrative Kraft ausstrahlt. Das alles finde ich auch positiv. Woran liegt es, dass ich mich (und auch viele andere Fans von Vereinen) dennoch so wenig für diese Mannschaft erwärmen kann? Warum war es mir dennoch völlig wurscht, als diese Mannschaft letztes Jahr gegen Italien im Halbfinale der EURO aus dem Turnier flog?

Eine ganze Zeitlang lag es daran, dass fast keine Dortmunder im DFB-Aufgebot standen. Meine Identifikation mit Nationalmannschaften hängt ganz stark von der Anzahl der in der Startelf befindlichen BVB-Spieler ab. Konsequenterweise drückte ich bei der letzten Europameisterschaft auch nicht Deutschland, sondern eher Polen die Daumen. Dortmunder in der Startelf bei Deutschland: 1. Dortmunder in der Startelf bei Polen: 3. Klare Sache also.

Zu viele Bayern-Spieler

Dazu kommt erschwerend die Tatsache, dass ich keiner Mannschaft die Daumen drücken kann, die zu mehr als 50 Prozent aus Bayern-Spielern besteht. Ich kann nicht Spieler anfeuern, die ich über Dreiviertel des Jahres beschimpfe und ablehne, nur weil sie plötzlich ein weißes Trikot tragen. Ich könnte mir vorstellen, dieses Problem kennen viele Schalker, seitdem der Bundestrainer sich dazu durchgerungen hat, doch immer fünf oder sechs BVB-Spieler für die Länderspiele zu nominieren.

Schon als Kind hatte ich dieses Problem, irgendwie konnte ich mit dem ganzen „System Nationalmannschaft“ nichts anfangen. Ich sah nie einen Sinn darin, dass Dortmunder Spieler mit Bayern- und Schalke-Spielern in einer Mannschaft spielen sollten.

Enthusiasmus nur beim Verein

Natürlich ist es vollkommen klar, dass diese Spiele auch die Spieler besser machen und dass es prinzipiell durchaus Sinn ergibt, wenn verschiedene Länder sich in einer Sportart untereinander messen. Ist ja auch ganz nett, das alles. Mir ist ein Sommer mit WM oder EM auch deutlich lieber als ein Sommer ganz ohne Fußball. Aber diesen Enthusiasmus und diese Begeisterung, die diese Länderspiele bei vielen Menschen auslösen, kann bei mir nur mein Herzensverein entfachen.

Und wenn ich auf meinen Verein verzichten muss, weil dafür irgendwelche Länderspiele angesetzt werden, dann stößt mir das sauer auf. Auch wenn mittlerweile deutlich mehr BVB-Spieler dabei sind als früher. So toll ist das nämlich auch nicht, habe ich jetzt festgestellt, denn jetzt bangt man als Fan bei jedem Länderspiel, dass einer der eigenen Spieler mit gerissenem Innenband oder sonstigen Scheußlichkeiten von einem Kick gegen Aserbaidschan oder Kasachstan zurückkehrt.

Immer froh wenn’s vorbei ist

Wenngleich diese Länderspielpausen immerhin Raum für Dinge bieten, zu denen man sonst während der Saison nicht kommt: Umzüge, Kurzurlaube, Hochzeiten…. solche Dinge eben.

Trotzdem bin ich immer froh, wenn die Länderspielpause wieder rum ist, alle BVB-Spieler in dem Zustand zurückkehren, in dem wir sie an den DFB übergeben haben und die Trikots auf dem Rasen wieder schwarz-gelb und nicht weiß sind.

Ich wünsche allen Fans der Nationalmannschaft ein schönes Länderspielwochenende! Und allen anderen, dass sie die fußballfreie Zeit gut herum kriegen.

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2 Gedanken zu „Ein (fast) fußballfreies Wochenende: die Nationalmannschaft und ich

  1. Ich könnte es nicht besser ausdrücken. Du hast wirklich alles zusammengefasst, was es zu dem Thema zu sagen gibt! Habe mir vorher lieber eine Serie auf Kabel1 angeschaut.

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