Geld regiert die FIFA-Welt: Katar-WM im Winter?

Schon bei der Bekanntgabe des Zuschlags für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 nach Katar wurde darüber spekuliert, dass das Turnier womöglich im Winter stattfinden wird. Nun scheinen sich diese Überlegungen zu konkretisieren.

Bei Licht betrachtet wäre diese Lösung gar nicht mal so dumm. Zur üblichen Turnierzeit im Juni und Juli können es in Katar gut und gerne mal 45 Grad Celsius werden. Bei solchen klimatischen Bedingungen Leistungssport zu betreiben ist unvorstellbar bzw. wohl auch schlicht nicht möglich. Auch für mitreisende Fans wäre diese Reise alles andere als ein Vergnügen, denn bei solchen Temperaturen schwindet die Lust, tagsüber noch irgendetwas zu unternehmen und das Gastgeberland kennenzulernen doch dramatisch.

Abenteuerlich mutete der ursprüngliche Plan der Kataris an, die Stadien künstlich runter zu kühlen. Davon abgesehen, dass noch nicht klar ist, inwieweit das bei einem offenen Stadion tatsächlich funktioniert, verbietet sich solch ein energieintensiver Plan in Zeiten des drohenden Klimawandels auch vom ökologischen Standpunkt her.

Turnierverlegung ist problematisch

Also doch eine Winter-WM? Wie der „Kicker“ (Montagsausgabe vom 25.3.2013) berichtet, wollten FIFA-Präsident Sepp Blatter von diesem Plan zunächst nichts wissen, um dann zwei Wochen später doch in Aussicht zu stellen, dass eine Verlegung der WM möglich wäre, sofern das Gastgeberland dies beantragt. Und aus Katar kamen inzwischen Signale, dass man sich mit dieser Möglichkeit ernsthaft beschäftigt.

Doch ein Turnier einfach in den Januar zu verlegen ist hochproblematisch. Der Rahmenspielplan sämtlicher europäischer Topligen müsste geändert werden. Wie der Kicker deutlich macht, könnte Deutschland eine solche Änderung noch recht gut bewerkstelligen, indem man einfach die Winterpause bis Ende Februar ausdehnt und die Sommerpause entsprechend verkürzt.

Verlängerung der Winterpause?

Interessanterweise gab es diese Forderung ja ohnehin schon öfter in der Bundesliga. Argumentiert wurde immer damit, dass es unsinnig sei, gut die Hälfte der Ligaspiele zu Jahreszeiten auszutragen, in denen mit Frost, Kälte und anderen widrigen Wetterbedingungen zu rechnen ist. Auch viele Fans ärgern sich, dass sie sich im Winter im Stadion den Hintern abfrieren, während sie sich im Sommer bei schönem Wetter zuhause langweilen, weil kein Fußball ist. Käme diese Winter-WM somit zumindest den Deutschen nicht sogar zu Gute?

So einfach ist die Sache aber leider nicht. Auch die Finalspiele der Champions League und der Europa League müssten verlegt werden. Zudem gibt es schließlich auch Ligen wie die englische Premier League, in denen es traditionell gar keine Winterpause gibt. Sie müsste also ihr traditionelles System komplett umstellen.

Dauerhafte Umstellung?

Der „Kicker“ spielt in seiner Printausgabe sogar mit einem Szenario, wonach die Winter-WM zu einer dauerhaften Umgestaltung der Spielpläne führen könnte und in den Topligen ab 2022 keine Saison mehr von August bis Mai, sondern von März bis November gespielt werden könnte, so wie es beispielsweise in Russland oder der Ukraine üblich ist. Das würde bedeuten, dass beispielsweise auch das Champions-League-Finale Ende November ausgetragen werden müsste. Dagegen werden die Verbände nach Einschätzung des „Kicker“ aber protestieren und auch die FIFA sieht die Verlegung der WM in den Januar als einmalige Ausnahme.

Ein weiteres denkbares Szenario wäre nach Meinung des „Kicker“ die Einführung von Blöcken innerhalb des Jahres, d.h. mehrere Monate wären ausschließlich für die Länderspiele reserviert und mehrere Monate für die Klubspiele. Der Vorteil eines solchen Blocks liegt auf der Hand: die Klubtrainer müssten nicht mehr mitten in der Saison ihre Nationalspieler für Länderspiele abstellen, bei denen sie sich verletzen könnten und durch die sie mit fortschreitender Saison auch körperlich einfach Körner lassen. Der Nachteil: das Zeitfenster für den Klubfußball würde sich wohl damit verkürzen, von einem Dreivierteljahr auf etwa ein halbes Jahr. Dumm gelaufen für alle Fans, die sich für Länderspiele nicht sonderlich interessieren – und das sind ja gerade in Deutschland gar nicht mal so wenige.

Das liebe Geld

Und warum? Weil salopp formuliert eine Gruppe Scheichs gegenüber der FIFA wohl spendabler war als England oder Australien. Offiziell bestätigt wird das wohl nie, aber nicht nur in Fankreisen, sondern auch unter den Profis scheint diese Ansicht der Dinge zu kursieren. Als Beispiel mag da die Äußerung des Ex-Bayern-Profis Luca Toni, heute in Diensten des AC Florenz und ehemaliger italienischer Nationalspieler dienen, der sich in derselben Kicker-Ausgabe zu dem Thema wie folgt äußerte: „Bei aller Liebe zu Katar, die Entscheidung fiel sicher nicht aus sportlichen Gründen, sondern weil die FIFA einen Reibach machen will.“ Ungewöhnlich deutliche Worte von einem Fußballprofi.

Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Ob diese WM nun im Winter oder im Sommer stattfindet, ist im Grunde unerheblich, da es sich wohl tatsächlich um eine einmalige Ausnahme handeln würde. Das kann die Fußball-Welt verkraften, ohne dabei in ihren Grundfesten erschüttert zu werden. Vermutlich läuft es darauf hinaus, dass in Deutschland die Winterpause ausgedehnt wird und England ausnahmsweise überhaupt mal eine einlegt. Ab August 2022 könnte man dann zum gewohnten System zurückkehren. Doch das ist gar nicht das Problem.

Katar ist ungeeignet in jeder Hinsicht

Das Problem ist, dass die FIFA sich langsam wirklich fragen sollte, nach welchen Kriterien sie Turniere vergibt. Russland 2018 war ja schon irgendwie auffällig, aber Russland ist zumindest tatsächlich so etwas wie eine aufstrebende Fußball-Nation – wenn auch kräftig mit Oligarchen-Geld unterstützt. Aber Katar? Also bitte! Das Land ist in jeder Hinsicht ungeeignet.

Die Schweiz und Österreich müssen eine EM gemeinsam ausrichten und ein Emirat, das gerade einmal ein Drittel der Fläche von Nordrhein-Westfalen misst, darf alleine ein Turnier ausrichten? Noch dazu ein Land in dem die Scharia Gesetzgebung ist und Blasphemie in der Öffentlichkeit mit einer Haftstrafe von bis zu sieben Jahren bestraft wird?

Nun stehen sicher auch Südafrika oder die Ukraine nicht in dem Ruf, die Menschenrechte immer astrein zu beachten und wenn man sich bei der Vergabe der Turniere auf lupenreine demokratische Staaten beschränkt, wird die Auswahl ohnehin überschaubar. Und warum sollte nicht auch mal ein islamisches Land eine WM ausrichten? Grundsätzlich ist das nur fair. Doch da gäbe es sicher Staaten, die sich besser dafür eignen würden, z.B. die Türkei. Allerdings ist es auch relativ offensichtlich, dass nicht solche Gedanken bei der Vergabe des WM-Zuschlags eine Rolle gespielt haben. Selbst FIFA-Präsident Blatter hat das mit keinem Wort erwähnt.

Nicht das beste Konzept war entscheidend

Das ganze Vorgehen der FIFA wirkt fragwürdig und offenbart wohl auch in großen Teilen das, was an dieser Organisation so unendlich faul ist: es wird ganz offensichtlich nicht mehr geprüft, welcher Bewerber tatsächlich das beste Konzept vorlegt. Denn zu einer Überprüfung der Bedingungen vor Ort gehört doch auch zwingend die Frage, welche klimatischen Bedingungen zur Wettbewerbszeit dort herrschen, ob man das Turnier zu dieser Jahreszeit überhaupt austragen kann! Das alles war den FIFA-Funktionären aber völlig egal.

Man hat den Zuschlag vergeben und jetzt sollen sich die Experten streiten, wie man das Klima-Problem löst und zur Not wird eben der ganze Rahmenspielplan einfach umgeworfen. Mal ganz davon abgesehen, dass Katar zum Zeitpunkt der Vergabe kein einziges WM-taugliches Stadion besaß! Die FIFA-Funktionäre finden es also völlig in Ordnung, dass man dort zwölf nagelneue Stadien baut, die dann anschließend wahrscheinlich wieder abgerissen werden, weil sie nicht mehr gebraucht werden.

So geht es einfach nicht! Es kann einfach nicht sein, dass der komplette Terminkalender umgestellt wird, nur weil man das Turnier mit Macht an ein bestimmtes Land vergeben will, das für die Ausrichtung der WM in keinster Weise geeignet ist!

FIFA mal wieder fragwürdig

Schon bei Südafrika war klar, dass nicht sportliche und infrastrukturelle, sondern politische Gründe eine Rolle bei der Vergabe spielten. Blatter wollte unbedingt eine WM auf dem afrikanischen Kontinent. Das haben die meisten nach etwas Murren auch akzeptiert, da Afrika ein fußballbegeisterter Kontinent ist und zahlreiche internationale Top-Fußballer hervor gebracht hat. Unter diesem Aspekt schien es irgendwie nur gerecht, eine WM auch mal dorthin zu vergeben.

Aber bei Katar gibt es keinen anderen Grund als Geld. Es ist keine aufstrebende Fußballnation, Katar ist Weltranglisten-98. – hinter Nordirland. Die Ligaspiele in den Vereinigten Arabischen Emiraten finden oft in leeren Stadien statt, die Zuschauer kann man häufig genug einzeln abzählen. Welchen Grund kann es also geben, das Turnier nach Katar zu geben?

Schon seit vielen Jahren stehen die FIFA-Funktionäre im Verdacht, sich für ihre Stimmen schmieren zu lassen und Entscheidungen im Sinne desjenigen zu treffen, der das Portemonnaie am weitesten öffnet. Aber so dreist wie bei der Vergabe für die WM 2022 haben sie es noch nie unter Beweis gestellt.

WM 2022 wird „Geschmäckle“ haben

Ein Zurück wird es nicht geben. Selbst wenn eines der bei der Vergabe unterlegenen Länder aufgrund der geplanten Verlegung des Turniers klagen sollte, ist die FIFA auf der sicheren Seite. Grund sind ihre eigenen Regularien, auch diese nachzulesen im „Kicker“, der FIFA-Sprecherin Delia Fischer zitiert: „In den Ausschreibungslinien ist klar festgelegt, dass die endgültige Entscheidung über das Format sowie den Austragungszeitraum […] beim Organisationskomitee der FIFA liegt.“ Mit anderen Worten: wenn die FIFA das Turnier verlegen will, dann kann sie es verlegen. Sie ist dabei niemandem Rechenschaft schuldig. Nicht den Kontinentalverbänden, nicht den Nationalverbänden und auch sonst niemandem.

So wird man sich als Fan wohl damit abfinden müssen, dass die WM 2022 immer einen schalen Beigeschmack haben wird. Dass es die „heile, saubere“ Fußball-Welt nicht gibt, ist ohnehin den meisten Fans bewusst. Doch die Macht des Geldes in der Fußball-Welt mal wieder so knallhart vor Augen geführt zu bekommen und das von einer Institution, die eigentlich die Interessen des Sports vertreten sollte, macht selbst Hartgesottene hin und wieder nachdenklich.

Solange die FIFA eine derartige Macht besitzt, wird es jedenfalls ein Leichtes sein, diese zu missbrauchen.

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