Kung-Fu-Fighting in Stuttgart: BVB mit Arbeitssieg beim VfB

Als es vorbei war, atmeten wohl alle BVB-Fans auf. Das Spiel war zu Ende gegangen, ohne dass ein weiterer Spieler in schwarzgelb blutend vom Platz geführt werden musste. Auch die Spieler jubelten deutlich euphorischer als es das knappe Ergebnis vermuten lassen würde.

Stuttgart war in den vergangenen Jahren ein harter Gegner für Borussia Dortmund. Legendär ist inzwischen das 4:4 aus der vergangenen Saison im Westfalenstadion, ein verrücktes Spiel, das wohl eines der attraktivsten Spiele der abgelaufenen Bundesliga-Saison gewesen ist.

Jakub Blaszczykowski war mit einer Zerrung von den Länderspielen mit der polnischen Nationalmannschaft zurückgekehrt und stand zumindest für Samstag nicht zur Verfügung. Ob es für das Champions-League-Spiel beim CF Màlaga am Mittwoch reichen wird, ist noch ungewiss. Jürgen Klopp beschloss außerdem, Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek, der zwei Tore für Polen geschossen hatte, für Málaga zu schonen. Kevin Großkreutz, die Dortmunder Allzweckwaffe, sollte für ihn hinten rechts verteidigen, Ilkay Gündogan spielte auf der Zehn, etwas offensiver als sonst.

Stuttgart mit dem besseren Start

Den besseren Start erwischte Stuttgart, das von Anfang an aggressiv in die Zweikämpfe ging und dem BVB so früh den Schneid abkaufen wollte. Dass diese Methode gegen Dortmund in dieser Saison durchaus zum Erfolg führen kann zeigte sich in so manchem Spiel, etwa gegen den Hamburger SV – obwohl dieser Verein in diesem Bericht eigentlich keine Erwähnung finden sollte: wer es fertig bringt, sich bei der B-Elf des FC Bayern ernsthaft 2:9 abschießen zu lassen, sollte eigentlich in die Regionalliga strafversetzt werden und bis in alle Ewigkeit einer „damnatio memoriae“ anheim fallen.

Zunächst sah es auch so aus, als könnte der VfB Erfolg haben, Borussia kam kaum aus der eigenen Hälfte heraus. Entlastung? Fehlanzeige. Nach 12 Minuten wähnte sich Stuttgart bereits in Führung, doch Vedad Ibisevic stand bei seinem Tor im Abseits, der Treffer zählte nicht. Auch in der Folge kamen die Schwaben zu weiteren guten Chancen.

Schmelzer mit Nasenbruch

In der 22. Minute kam dann die Szene, die möglicherweise das Spiel veränderte: Stuttgarts Martin Harnik verwechselte Marcel Schmelzers Kopf mit dem Ball und traf den Nationalspieler mit dem Knie (oder Schienbein) im Gesicht. Ziemlich schnell war klar, dass er nicht weiter machen konnte, das Blut quoll regelrecht unter seiner Hand, die er sich vor die gebrochene Nase hielt, hervor. „In alle Himmelsrichtungen“ habe Schmelzers Riechorgan abgestanden, gab Klopp nach dem Spiel zu Protokoll. Schmelzer selbst lieferte den Beweis auf seiner Facebook-Seite. Harnik war mit Gelb gut bedient und wagte es noch, sich allen Ernstes über die Verwarnung auch noch zu echauffieren.

Da kein nomineller Linksverteidiger mehr im Kader stand, musste Piszczek, der eigentlich aufgrund seiner andauernden Hüftprobleme geschont werden sollte, nach 22 Minuten rein und Großkreutz wanderte nun eben auf die linke Seite und verteidigte dort. Doch so skurril es anmutet: dieser Wechsel brachte die Wende. Nach einem Freistoß von Marco Reus war es ausgerechnet Piszczek, der den Ball ins Tor köpfte.

Hitziges Spiel

Das Spiel wurde nun hitzig, fast jede Szene war strittig und die Stuttgarter stellten fast jede Entscheidung des Schiedsrichters Deniz Aytekin in Frage. Keine einfache Partie für den Referee. Den Frust über die gefühlte Benachteiligung durch den Schiri münzten die Schwaben nun in überharte Zweikampfführung um. Der BVB nahm diesmal den Kampf an, hielt sich selbst allerdings mit unfairen Aktionen zurück.

Die zweite Halbzeit begann mit einigen guten BVB-Chancen, doch in der 66. Minute nutzte Maxim einige Unkonzentriertheiten in der Defensive und glich zum 1:1 aus. Die Stimmung im Stadion war nun explosiv. In der 69. Minute grätschte Georg Niedermeier mit gestrecktem Bein Mario Götze um – Glück für den BVB, dass Götze sich in dieser Szene nicht verletzte. Die BVB-Spieler schrien mit hochroten Köpfen auf die VfB-Spieler und den Schiri ein, Götze konnte sich kaum beruhigen. Aytekin zeigte Niedermeier, der schon verwarnt war, Gelb-Rot und Götze Gelb.

Offene Partie

Die Partie war wieder offen, beide Mannschaften drängten auf den Siegtreffer, der BVB hatte allerdings Feldvorteile. Eine weitere Szene, die zu Tumulten führte, spielte sich in der 81. Minute ab: in einem Zweikampf mit Moritz Leitner kam Artur Boka im Strafraum zu Fall, doch statt des geforderten Elfmeters bekam er die gelbe Karte, worüber er sich fürchterlich aufregte und beschwerte. Großkreutz schubste ihn wütend weg und schrie ihn an. Die Stuttgarter Fans tobten vor Wut über den nicht gegeben Elfmeter und waren dann vollends bedient, als der BVB im Gegenzug das 2:1 schoss. Das Tor fiel durch eine typische polnische Kooperation: Piszczek ging auf rechts durch, flankte auf Robert Lewandowski und der fackelte nicht lange. Es war das neunte Spiel hintereinander, in dem er traf.

Am Ende gab es sogar noch vier Minuten Nachspielzeit, doch der BVB konnte das Ergebnis über die Zeit retten und gewann nach langer Zeit endlich mal wieder in Stuttgart. In einem kampfbetonten Spiel, das vom VfB zum Teil überhart geführt wurde (dazu auch: Diskussion über harte Spielweise des VfB gegen den BVB), behielt der BVB am Ende die Oberhand und siegte durchaus verdient mit 2:1. Lange Zeit zum Durchatmen ist nicht: schon am Mittwoch steht Teil eins des CL-Viertelfinals in Málaga an.

VfB Stuttgart: Ulreich – Rüdiger, Felipe Lopes, Niedermeier, Sakai – Gentner, Boka (88. Macheda) – Harnik, Maxim (73. Röcker), Traoré – Ibisevic
Borussia Dortmund: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic, Felipe Santana, Schmelzer (24. Piszczek) – Bender, Sahin – Götze (83. Schieber), Gündogan (60. Leitner), Reus – Lewandowski
Tore: 0:1 Piszczek (29.), 1:1 Maxim (63.), 1:2 Lewandowski (82.)
Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
Zuschauer: 60.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Boka (4), Harnik (5) / Großkreutz (2), Götze (4)
Gelb-Rote Karte: Niedermeier (69., wiederholtes Foulspiel)

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