BVB in der Königsklasse: Im Rosengarten von Málaga

Am Abend erklingt wieder das Stück, das die Borussen in dieser Saison bisher immer zu Höchstleistungen antrieb: die Champions-League-Hymne. Als man in der Gruppenauslosung Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam zugelost bekam, hätten wohl viele darauf gewettet, dass sich die BVB-Spieler heute Abend auf der heimischen Couch fläzen und Fußball gucken würden. Doch stattdessen stehen sie selbst auf dem Rasen, während unter anderem die Spieler von Manchester City und Manchester United auf der Couch sitzen und den Schwarzgelben zuschauen werden. Der BVB steht im Viertelfinale der Königsklasse.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und der Gegner klingt zunächst einmal machbar. Málaga, das klingt nicht nach der ganz großen. Fußballbühne. Ein etwas ominöser Scheich den Klub gekauft und viel Geld hinein gesteckt. Ziel war es, sich als dritte Kraft in der Primera Division neben dem FC Barcelona und Real Madrid zu etablieren. Das gelang nicht, der Scheich ist wieder weg und der Verein ist sozusagen auf Abschiedstournee. Die UEFA hat den Klub wegen „undurchsichtigen Finanzgebahrens“ für die nächsten Jahre vom europäischen Wettbewerb ausgeschlossen, das heißt, jedes jetzt noch folgende Spiel ist für Málaga die Kür.

Qualität

Einige Stars haben das Team verlassen, allerdings besitzt die Mannschaft immer noch eine hohe Qualität mit ehemaligen Bundesliga-Profis wie Martin Demichelis und Roque Santa Cruz, beide einst beim FC Bayern unter Vertrag. Neben einer Reihe von Routiniers verfügt die Mannschaft über einige große Talente, z.B. der 20-jährige Isco, der bei vielen Topclubs auf der Liste stehen soll und den Verein am Saisonende für eine festgeschriebene Ablösesumme von 36 Millionen Euro verlassen darf. Isco wird von seiner Spielanlage gerne mit Mario Götze verglichen. Am Mittwochabend kann man das voraussichtlich im direkten Vergleich überprüfen.

Zwei- bis dreitausend BVB-Fans werden die Borussen begleiten, wenn diese im Hexenkessel von Málaga mit dem schönen Namen „La Rosaleda“ (Rosengarten) um den Einzug ins Halbfinale spielen. Ein kleiner Vorteil ist es sicherlich, dass Dortmund das Rückspiel im heimischen Westfalenstadion bestreiten kann. Zum ersten Mal in dieser Champions-League-Saison geht der BVB zudem als Favorit in ein Spiel. Eine Tatsache, die Jürgen Klopp überhaupt nicht gefällt. Er und auch die restliche Führungsetage wurde seit der Auslosung nicht müde zu betonen, dass man diesen Gegner auf keinen Fall unterschätzen dürfe.

Der Erlebnispark CL

Wie gehen die Spieler eigentlich mit der Situation um? Schließlich ist die Champions-League die letzte Chance in dieser Saison titel-technisch irgendwas zu reißen. Allerdings rechnet man sich im BVB-Lager im Gegensatz zu solchen Koryphäen wie Sir Alex Ferguson oder Josè Mourinho nicht zum Favoritenkreis um den Titel. Innenverteidiger Neven Subotic fand im Interview mit dem „Kicker“ (Montagsausgabe) eine schöne Metapher: „Es ist, als ob wir in einen Erlebnispark gehen. Wir wollen so viel wie möglich sehen und so lange bleiben wie möglich. Es gibt ein paar Sachen, die wir noch nicht gesehen haben, aber unbedingt sehen wollen.“ Und weiter: „Die besten Achterbahnen kommen zum Schluss. Und bis wir dort sind, würden wir gerne in diesem Erlebnispark bleiben.“

Diese Aussage lässt tief blicken. Intern ist das Finale also durchaus ein Ziel. Und es ist ja auch logisch. Wenn man erst mal bis ins Viertelfinale gekommen ist, dann will man auch bis zum Schluss dabei bleiben. Schließlich sind es ab jetzt nur noch vier Spiele bis zum Finale. Die „Road to Wembley“ führt zunächst mal über Málaga. Und deshalb ist volle Konzentration auf diesen Gegner angesagt.

Personallage

Málaga ist durchaus auch für ein körperbetontes Spiel bekannt, insofern könnte es ein kleiner Nachteil sein, dass der BVB es am Samstag in Stuttgart auch schon mit einer Mannschaft zu tun hatte, bei der man körperlich an die Grenzen gehen musste. Hoffentlich gleicht der Adrenalinschub nach der CL-Hymne das wieder aus.

Die Personallage ist nicht so dramatisch wie zunächst befürchtet. Marcel Schmelzer, der in Stuttgart noch blutüberströmt und mit gebrochener Nase vom Rasen geführt wurde, kann wohl mit einer Maske („oder zur Not auch ohne,“ wie er betonte) auflaufen. Felipe Santana, Marco Reus, Sven Bender und Kevin Großkreutz hatten zwar ebenfalls kleinere Blessuren zu beklagen, doch alle sind einsatzbereit.

Verzichten muss der BVB allerdings auf Jakub Blaszczykowski. „Die Entscheidung ist gefallen: leider werde ich nicht spielen. Das Risiko ist zu groß. Lasst uns Alle die Jungs anfeuern!!!“ schrieb er am Mittwochmittag auf seiner Facebook-Seite. Seine Zerrung, die er sich im Ländespiel mit Polen zugezogen hatte, ist nicht rechtzeitig verheilt. Großkreutz dürfte die wahrscheinlichste Alternative sein, da Ilkay Gündogan am Samstag auf der „Zehn“ nicht unbedingt überzeugte und sich dort augenscheinlich nicht so wohl fühlte. Ansonsten fehlen natürlich Mats Hummels und Patrick Owomoyela, die beiden Langzeitverletzen.

Welche elf Spieler Jürgen Klopp auch immer aufstellen wird, sie werden eines wissen: noch vier Spiele bis Wembley!

Die voraussichtliche Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Santana, Subotic, Piszczek – Gündogan, Bender – Reus, Götze, Großkreutz – Lewandowski

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