Toller Fußball zum Haareraufen: BVB mit 0:0 in Málaga

Es gibt diese Spiele: deine Mannschaft hat toll gespielt, Chance um Chance heraus gespielt und ein attraktives Spiel abgeliefert. Doch am Ende hat sie das Wichtigste vergessen und du sitzt vor dem Fernseher und beißt in die Tischkante.

Ungefähr so kann man auch das Spiel des BVB in Málaga zusammenfassen. Neutrale Fußballfreunde sind bei dem Spiel sicher voll auf ihre Kosten gekommen. Abtasten, Mittelfeldgeplänkel, Tempolimit – gab es alles nicht. Beide Mannschaften gaben von Anfang an Vollgas.

Málaga drängte früh auf die Führung, der BVB hielt dagegen und kam selbst zu guten Chancen. Vor allem Mario Götze wird die nächsten Tage sicher nicht allzu ruhig schlafen und von Málagas Keeper mit dem klangvollen Namen „Willy“ träumen, denn der Mann machte ihm das Leben zur Hölle. Gleich zwei Mal vergab das „German Wunderkind“ wie er im Ausland bisweilen genannt wird, völlig freistehend vor dem Torwart. Defensiv agierte der BVB hin und wieder etwas zu hektisch und gerade in den ersten 20, 30 Minuten war die Fehlpassquote dazu angetan, dass man sich als BVB-Fan beunruhigen konnte.

Rasanter Schlagabtausch

Schon nach einer guten Viertelstunde holte Kevin Großkreutz, der für den verletzten Kuba spielte, sich für ein relativ überflüssiges Foul an Jesus Gamez die gelbe Karte ab. Die gute Nachricht war: es sollte die einzige für einen Dortmunder an diesem Tag bleiben und auch der Gelbsünder lieferte nach einer etwas fahrigen Anfangsphase in der Folge eine kämpferisch starke und solide Leistung ab.

In der Folge stabilisierte sich die Borussia und wurde insgesamt ballsicherer. Dennoch entwickelte sich ein rasanter Schlagabtausch, denn beide Mannschaften spielten mit relativ offenem Visier und zeichneten sich durch hohe Laufbereitschaft und schnelles Umschaltspiel aus, wobei der BVB dennoch über weite Strecken das bestimmende Team war. Das Stadion „La Rosaleda“ fasst zwar nur etwa 28.000 Zuschauer, doch bei kleineren Stadien können diese das Rund in einen Hexenkessel verwandeln. So war es auch in Málaga und das spornte die Spieler sichtlich an.

Torchancen vergeben

Besonders auffällig war Ilkay Gündogan über den fast alle Angriffe des BVB in der ersten Halbzeit liefen und der eine sehr starke Leistung bot. Doch es blieb dabei: der Ball wollte nicht ins Tor, Robert Lewandowski vergab zwei gute Möglichkeiten. Auch ein Freistoß von Marco Reus aus guter Position brachte nichts ein. Umgekehrt vereitelte Roman Weidenfeller aber auch zwei gute Torchancen von Málaga in der 27. und in der 42. Minute.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: der BVB vergab beste Torchancen. Lewandowski, der an diesem Abend sein Zielwasser wohl zuhause vergessen hatte, scheiterte aus elf Metern vor dem Torwart. In der 55. Minute gab es eine strittige Szene, in der man mit etwas Wohlwollen vielleicht auch Elfmeter für Dortmund hätte pfeifen können, Lewandowski war nach einer guten Flanke von Großkreutz im Strafraum vom Ex-Bayern Martin Demichelis am Trikot gezogen worden. Hätte man durchaus pfeifen können, allerdings war das sicher auch keine spielentscheidende Szene, denn danach hatte der BVB mit Nachspielzeit noch fast 40 Minuten und genug Möglichkeiten, das Spiel zu entscheiden.

Kräfteverschleiß

Götze vergab in der 65. noch eine gute Chance, dann hatte auf einmal Isco – so was wie das spanische Pendant zu Götze – den Ball auf dem Schlappen und feuerte ihn aus 14 Metern aufs Dortmunder Tor ab. Roman Weidenfeller rettete glänzend. Insgesamt konnte Isco an dem Tag die meiste Zeit nicht das abrufen, was er zweifellos kann, was für das Dortmunder Defensivverhalten spricht. Marcel Schmelzer konnte übrigens mit einer Maske trotz Nasenbruchs tatsächlich spielen, er gab den „Zorro“. Damit war er nicht der einzige im Stadion, denn Hollywoodschauspieler Antonio Banderas, seines Zeichens Fan und einst sogar Spieler des Málaga CF fläzte sich neben Ruud van Nistelroy auf der Tribüne.

In der Schlussphase machte sich vor allem bei Málaga der Kräfteverschleiß bemerkbar, die Spieler konnten das hohe Tempo nicht mehr mitgehen und wussten sich in mancher Situation nur noch durch Fouls zu helfen. Gleich zwei Spieler sind nach gelben Karten für das Rückspiel an der Strobelallee gesperrt. Doch auch beim BVB merkte man in den letzten paar Minuten, dass sie dem hohen Tempo des Spiels Tribut zollen mussten – zumal man im letzten Ligaspiel in Stuttgart ja auch schon körperlich an die Grenzen hatte gehen müssen.

Kein Grund zur Panik

Dennoch drängten beide Teams bis zum Schlusspfiff auf die Entscheidung. Am Ende stand es aber 0:0 und mit diesem Ergebnis kann Málaga sicher besser leben als der BVB, der insgesamt doch die überlegene Mannschaft war, das Spiel über weite Strecken bestimmte, aber einfach zu fahrlässig mit seinen zahlreichen Torchancen umging. Schon in der ersten Halbzeit schwebte der Satz „Wenn sich das man nicht rächt“ durch den Raum.

Einen Grund, in Panik zu verfallen, gibt es trotzdem nicht. Sicher wäre ein Auswärtstor aufgrund der speziellen Europapokal-Arithmetik beruhigender im Hinblick auf das Rückspiel gewesen. Jedes Unentschieden mit Toren würde die Andalusier ins Halbfinale der Champions League bringen und nicht den BVB. Borussia Dortmund muss also das Heimspiel auf jeden Fall gewinnen, wenn es ohne Verlängerung und Elfmeterschießen weiterkommen will.

Aber das ist bei Licht betrachtet gar kein Drama: in dieser Saison hat Dortmund alle Heimspiele in der Champions League gewonnen. (Zum Vergleich: von 6 Auswärtsspielen endeten dagegen 5 unentschieden) In den Heimspielen war der BVB immer da, wenn er gefordert war. Und im Westfalenstadion spielt der BVB ohnehin immer auf Sieg. Selbst ein dreckiges 1:0 würde reichen.

Noch drei Spiele bis Wembley.

Málaga CF: Willy – Jesus Gamez, Demichelis, Weligton, Antunes – Iturra, Toulalan – Joaquin, Isco (87. Duda) – Julio Baptista (76. R. Santa Cruz) – Saviola (68. Portillo)

BVB: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Felipe Santana, Schmelzer – Gündogan, Kehl (80. S.Bender) – Reus (69. Schieber), M. Götze (90.+2 Kirch), Großkreutz – Lewandowski

Tore: Fehlanzeige

Gelbe Karten: Antunes (1), Weligton (3), Iturra (5), Großkreutz (2)

Zuschauer: 28963

Schiedsrichter: Eriksson (Schweden)

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