Dortmunder B-Elf gewinnt verrücktes Spiel gegen Augsburg

Der BVB hat die Generalprobe für das Champions-League-Viertelfinale gegen Málaga am Dienstag erfolgreich hinter sich gebracht. 4:2 hieß es am Ende, doch war der Sieg zwischenzeitlich längst nicht so souverän, wie es das Ergebnis vermuten lässt. Dennoch lässt sich festhalten: der zweite Anzug hat seine Sache nicht schlecht gemacht.

Bei der Mannschaftsaufstellung vor dem Spiel gab es auf den Tribünen zunächst mal viele verwunderte Blicke. Dass Jürgen Klopp vor dem wichtigen CL-Spiel rotieren lassen wird, war durchaus erwartet worden. Doch diese Aufstellung mutete auf den ersten Blick wirklich abenteuerlich an: Mitch Langerak im Tor, Julian Schieber im Sturm, Leonardo Bittencourt, Moritz Leitner und ein gewisser Jonas Hofmann – den wohl nur Kenner der zweiten Mannschaft sofort der richtigen Position zuordnen konnten – im Mittelfeld. Dazu erhielt Lukasz Piszczek eine Pause und wurde hinten rechts mal wieder vom Dortmunder Allrounder Kevin Großkreutz vertreten. Roman Weidenfeller und Marco Reus standen gar nicht im Kader und die Bank war mit Mario Götze, Robert Lewandowski und auch Ilkay Gündogan, für den Nuri Sahin spielte, sehr prominent besetzt.

Nicht eingespielt

Zunächst ließ sich dieses Experiment gar nicht mal so schlecht an. Schon nach knapp zehn Minuten hätte Neven Subotic das 1:0 für den BVB erzielen können, doch sein Schuss wurde abgeblockt. Obwohl immerhin ein B-Elf auf dem Platz stand, kontrollierte Dortmund das Spiel und den Gegner. Zwar war deutlich zu sehen, dass die Mannschaft und vor allem die Offensivreihe nicht eingespielt war, was zu vielen Fehlpässen und Missverständnissen führte. Doch das Bemühen war ihnen nicht abzusprechen. Vielleicht war es gar keine schlechte Idee von Klopp, vor dem wichtigen CL-Spiel viele Ersatzspieler aufzubieten, die schon aufgrund des persönlichen Motivs, sich anzubieten, hochengagiert in das Spiel gehen würden.

In der 22. Minute machte Julian Schieber es besser als Subotic: nach einem Querpass von Leitner stand der Lewandowski-Vertreter völlig frei vor FCA-Torwart Manninger und versenkte das Ding trocken in die Torwartecke. Ein schönes Tor vom Schwaben, der hier zeigte, dass er durchaus eiskalt im gegnerischen Strafraum agieren kann. Seine anschließende Schnippelgeste gab Rätsel auf – doch das klärte er nach dem Spiel auf: offenbar hat er sich selbst vor dem Spiel noch den Pony geschnitten, weil er nichts mehr sah. Fußballer und ihre Torgesten…. 😉

Schieber Frisur

Irre Minute

Augsburg stand eigentlich unter Zugzwang, nachdem das Hopp’sche Spielzeug am Vorabend 3:0 gegen Düsseldorf gewonnen hatte. Doch tatsächlich kam von ihnen: nichts, nichts, nichts. Und zwar genau 43 Minuten lang.

Dann entschloss sich Daniel Baier, aus 20 Metern einfach mal volley abzuziehen – Langerak lenkte den Ball zwar noch an den Pfosten, doch von dort prallte er ins Tor. Ganz glücklich sah der Australier in dieser Situation nicht aus, doch es sollte noch schlimmer für ihn kommen. Nur eine Minute später verlor der BVB in der Vorwärtsbewegung den Ball, Tobias Werner zog ab, Langerak ließ den Ball in die Mitte prallen und Kevin Vogt staubte ab – 1:2. Innerhalb von nur einer Minute hatte Augsburg den Spielverlauf auf den Kopf gestellt und aus zwei Chancen zwei Tore gemacht. Unfassbar. Es war fast wie im Spiel gegen Freiburg – nur eben umgekehrt.

Pfiffe einiger erbärmlicher Zuschauer

Wirklich erbärmlich präsentierten sich dann aber Teile der Zuschauer (ausdrücklich Zuschauer und nicht Fans!), die zur Pause die Mannschaft mit Pfiffen in die Kabine schickten. Ein ekelhaftes Pack, das eine junge Mannschaft, eine B-Elf auspfeift und das obwohl ihnen das Bemühen nun wirklich nicht abzusprechen war. Davon abgesehen, dass mir jedes Verständnis dafür fehlt, wie man DIESE Mannschaft nach den letzten Jahren auspfeifen kann, ist es grundsätzlich eine bodenlose Sauerei, die eigene Mannschaft auszupfeifen. Diese Leute sollen sich zum FC Bayern scheren, dort sind sie gut aufgehoben, der BVB kann auf solche Zuschauer gut verzichten. Es stehen genügend echte Fans vor dem Stadiontor, die im Vorverkauf mal wieder leer ausgegangen sind, weil irgendwelche Event-“Fans“ ihnen die Karten weggeschnappt haben!

Schieber mit Tor Nummer zwo

Die Mannschaft kam relativ verunsichert aus der Pause und Augsburg wurde klar, dass sie vielleicht in Dortmund etwas Zählbares mitnehmen konnten. Bevor die Mannschaft aber völlig auseinander brechen konnte, reagierte Jürgen Klopp. Er nahm Leitner und Bittencourt vom Feld und schickte mit Götze und Lewandowski zwei Etablierte aufs Feld, die 1:1 die gleichen Positionen übernahmen. Und diese Maßnahme machte sich nach wenigen Minuten bezahlt: Lewandowski spielte einen feinen Pass auf Hofmann, der legte quer auf Schieber und der erzielte aus fünf Metern sein zweites Tor an diesem Tag! Sollte der Knoten bei Schieber jetzt vielleicht endlich geplatzt sein? Es wäre ihm wirklich zu wünschen!

Dann folgte die Szene, die wohl das Zeug dazu hat, im Saisonrückblick aufzutauchen: Marcel Schmelzer leistete sich in der 54. Minute einen katastrophalen Aussetzer und ließ sich den Ball von Jan Moravek vom Fuß klauen. Der raste mit der Kugel am Fuß völlig allein auf Langerak zu. 2:3 dachten wohl die meisten der 80.400 im Stadion. Aber weit gefehlt. Moravek hätte sich nur noch entscheiden müssen, ob er links oder rechts an Langerak vorbei einschiebt, stattdessen umkurvte er den Torhüter noch mal und wollte den Ball ins kurze Eck schießen.

Doch er hatte seine Rechnung ohne Kevin Großkreutz gemacht. Der „Dortmunder Jung“ legte einen 60-Meter-Sprint hin, verzögerte kurz vorm Tor noch mal und verhinderte damit einen Querpass von Moravek und klärte dessen Schussversuch dann auf der Linie. Auch der nachfolgende Schuss fand nicht den Weg ins Tor. Eine Schlüsselszene, die den FCA am Ende wohl auch um mögliche Punkte in dem Spiel brachte und eine ganz starke Aktion von Großkreutz.

Subotic mit dem 3:2

Zehn Minuten später brachte Neven Subotic den BVB nach einem Götze-Freistoß wieder in Führung. Doch auch damit war der Sieg noch nicht in trockenen Tüchern. Lewandowskis Treffer in der 70. Minute zählte nicht – Abseits. Der Pole präsentierte sich dennoch gewohnt torhungrig und wollte sein zehntes Tor im zehnten Pflichtspiel hintereinander machen. Doch auch Augsburg hatte noch eine gute Chance zehn Minuten vor Schluss. Beim BVB hatte sich in dieser Phase wieder Fehler und Nachlässigkeit eingeschlichen. Das Spiel lebte mehr von der Spannung als vom spielerischen Niveau.

Lewandowski 10

Am Ende sollte für den BVB nichts mehr anbrennen. Lewandowski machte praktisch mit dem Schlusspfiff alles klar – diesmal zählte sein Tor zum 4:2 und der Schiedsrichter pfiff gar nicht erst wieder an.

Dienstag geht’s weiter

Auch wenn wieder gezittert werden musste, lässt sich abschließend doch festhalten, dass der zweite Anzug des BVB, dafür dass er total uneingespielt war, seine Sache recht ordentlich gemacht hat – auch wenn der Sieg wohl letztlich durch die Einwechslung von Götze und Lewandowski gesichert wurde. Einen sehr guten Eindruck hinterließ der junge Jonas Hofmann. Am Ende war der Sieg verdient und auch deutlich. Deutlicher eigentlich als es der Spielverlauf zeigte. Die Mannschaft holte sich ihren verdienten Applaus vor der Süd ab und Großkreutz verweigerte anschließend den Gang zur Westtribüne – wo er wohl die Pfeifer aus der Halbzeitpause vermutete. Verstehen kann man seine Wut irgendwie. Die Pfiffe waren der Wermutstropfen auf einem eigentlich aufregenden und spannenden Fußballnachmittag, an dem der BVB das bessere Ende für sich hatte.

Schon am Dienstag geht es weiter, es geht im Heimspiel gegen Málaga um nichts weniger als um den Einzug ins Halbfinale der Königsklasse.

Borussia Dortmund – FC Augsburg 4:2 (1:2)

BVB: Langerak – Großkreutz, Subotic, Felipe Santana, Schmelzer – Sahin, Bender – Hofmann, Leitner (52. Götze), Bittencourt (52. Lewandowski) – Schieber (83. Kehl)

FCA: Manninger – Verhaegh, Callsen-Bracker, Klavan, Ostrzolek – Baier – Hahn, Vogt (68. Oehrl), Ji, Werner (80. Tchoyi) – Mölders (46. Moravek)

Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)

Zuschauer: 80 645 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Schieber (22.), 1:1 Baier (43.), 1:2 Vogt (45.), 2:2 Schieber (52.), 3:2 Subotic (64.), 4:2 Lewandowski (90.+2)

Gelbe Karten: Schieber (2) / Hahn (2), Klavan (4)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s