Dortmunder Nächte: Málaga ist Deportiva La Coruna 2.0

Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten – FALSCH! Ein Spiel kann verdammt noch mal auch 94 Minuten dauern! Und das ist auch gut so!!! Borussia Dortmund steht im Halbfinale der Champions League. Und in Anbetracht dieser Tatsache reicht das Wort „geil“ normalerweise völlig aus, um den Abend zusammenzufassen.

Aber natürlich erwarten die Leser dieses Blogs wohl mehr als nur ein einziges Wort, das sie selbst seit dem Abpfiff des Spiels BVB-Málaga wahrscheinlich selbst oft genug vor sich hin gestammelt oder auch heraus geschrien haben.

Es gibt so viele Geschichten an diesem Abend. Etwa die Geschichte von Neven Subotic, der am Dienstag nicht gerade einen Schokoladentag erwischt hatte und unter anderem das 0:1 von Málaga verschuldete. Der aber trotzdem am Abend auf seiner Facebook-Seite den Abend völlig treffend auf den Punkt bringen konnte: „jaaaaaaajjajjaajajajajajajaaaaaaaaaaaaajjjjjaaaaaaaajjaaaaaaaaa“

Neven

Viele Geschichten

Dann gab es die Geschichte von Marco Reus, dem an diesem Abend eigentlich nichts gelingen wollte. Der aber trotzdem die Vorlage zum 1:1 gab und das 2:2 selbst schoss und seine Aufstellung damit absolut gerechtfertigt hat.

Es gab natürlich die Geschichte von Felipe Santana, der auch Dienstag wieder Mats Hummels vertrat, weil der noch keine Spielpraxis hatte. Der so oft gescholten wurde in dieser Saison, dann aber das wichtige 1:0 gegen Donezk köpfte und nun den Ball zum 3:2 über die Linie stocherte und das Stadion in völlige Ekstase versetzte.

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Es gibt die Geschichte von Kevin Großkreutz, der den Dienstag damit begann, dass er ein wackliges Handyvideo vom gleichen Morgen veröffentlichte, in dem er das „Europapokal-Lied“ mit gewohnt engelsgleicher Singstimme zum Besten gab. Der dann 94 Minuten auf der Bank saß und beim Warmmachen mehr auf das Spiel achtete als auf seine Übungen. Der 94 Minuten lang genau so litt wie alle anderen Fans im Stadion.

Mehr Geschichten

Da ist die Geschichte des Typen, der sich im Block 80 nach der 90. Minute vom Acker machte, weil er überzeugt war, dass dieser Abend gelaufen war und Borussia nicht in der Lage sein würde, innerhalb von nur vier Minuten zwei Tore zu schießen. Der nicht einmal dann bleiben wollte, als ein anderer Mann zu ihm sagte: „Ey! Du verpasst noch unser 3:2!“

Es gibt die Geschichte von meinem alten Freund Sören, der seit einigen Jahren in Münster wohnt, mittlerweile großes Heimweh nach Dortmund verspürt und den Abend eigentlich auch perfekt zusammen gefasst hat: „Anspannung – Brinkhoffs – Ruhe vor dem Sturm – Auf den Spuren den verlorenen Henkelpotts – Brinkhoffs – … – WUT – Halbzeit – DO IT!!! – HÜTTE!!! – Hoffnung – MACHT IHN DOCH VERDAMMT!!! – Ernüchterung – Frust – Tourette – Brinkhoffs – Anspannung/letzter Rest – Brinkhoffs – HÜTTE … DO IT DO IT!!! – Brinkhoffs – TOOOOOOOR TEEEEEELEEEE TOOOOOOR – PUTA MIERDAAAA!!!!! – Brinkhoffs – BORUSSIA!!!! BORUSSIA!!!!“

Und es gibt die Geschichte der Autorin dieses Textes, die nach dem 3:2 gezittert hat wie noch nie bei einem Spiel zu vor, Tränen in den Augen hatte und nur gedacht hat: „Das hier ist UNSER Deportivo La Coruna!“

La Coruna 2.0

Viele der Anwesenden waren vielleicht schon auf der Welt, aber definitiv zu jung, um sich daran zu erinnern, als Borussia 1994 gegen den spanischen Klub Deportivo La Coruna durch ein legendäres 3:1 im Westfalenstadion besiegte und im UEFA-Cup weiter kam. Auch die Autorin ging zu dieser Zeit gerade mal in die Grundschule.

Aber es war eine der Sternstunden der Vereinsgeschichte. Und irgendwie dachten ganz viele Leute nach dem Abpfiff: das ist La Coruna 2013. Schon vor dem Spiel war klar, dass die Mannschaft heute Geschichte schreiben kann.

Analyse für die Experten

Sich jetzt damit aufzuhalten, das die Mannschaft Abstimmungsprobleme hatte, von Beginn an nervös wirkte, ungewöhnlich viele technische Fehler und Fehlpässe produzierte und sich zwei relativ überflüssige Tore von einer recht abgezockt wirkenden Elf einfing, würde den Zauber des Abends zerstören und wäre nach einem solchen Spiel auch irgendwie unangebracht. Das überlasse ich an dieser Stelle den Sportjournalisten, die für diese Aufgabe bezahlt werden.

Ja, es war so. Es war vieles nicht so gut. Doch jetzt muss man vielleicht sagen: diese zwei Gegentore mussten fallen. Sie waren notwendig für die Dramaturgie des Abends. Immer wieder faszinierend, wie man in einem Fußballspiel innerhalb von nur weniger Minuten von der totalen Enttäuschung in die totale Ekstase fallen kann!

Tolle Choreo

Wir begannen mit einem Abend auf der Südtribüne mit einer großartigen Choreografie, die sogar in der englischen Presse höchsten Anklang fand. Und wir beendeten ihn mit dem Gefühl, dass es in dieser Saison verdammt noch mal einfach sein soll! Dass wir (und damit ist die Mannschaft und das Stadion gemeint!) in dieser Champions-League-Saison einfach zu allem fähig sind! Auch dazu, einen 1:2-Rückstand binnen drei Minuten zu einem 3:2-Sieg zu drehen.

Wir sind fähig, das Halbfinale der Champions-League zu erreichen. Die europäische Reise des BVB wird noch mindestens für zwei Spiele weiter gehen. Vielleicht auch für drei. Wer weiß das schon? Vielleicht wiederholt sich die Geschichte von 95-96-97 ja tatsächlich? Dann bleibt eigentlich nur noch eine Frage: bedeutet das eigentlich auch, dass zwingend 2014 in Madrid ein Tor fallen muss?

Noch zwei Spiele bis Wembley.

P.S. Ein Wort soll aber auch unbedingt noch über die Málaga-Fans verloren werden, die völlig untypisch spanisch zahlreich anreisten, ihr Team vorbildlich unterstützten und nach dem Abpfiff wirklich unglaubliche Größe bewiesen, als sie dem Dortmunder Team und den BVB-Fans aufrichtig applaudierten. Das ist angesichts des Spielverlaufs wohl nicht unbedingt selbstverständlich und verdient eine extra Erwähnung!

Borussia Dortmund – Málaga CF: 3:2

BVB: Weidenfeller – Piszczek , Subotic , Felipe Santana, Schmelzer- Gündogan (86. Hummels), S. Bender (Sahin)- Blaszczykowski (72. Schieber), M. Götze , Reus – Lewandowski

Málaga: Willy – Jesus Gamez, Sergio Sanchez , Demichelis , Antunes – Toulalan, Camacho – Duda (74. Eliseu), Isco – Joaquin (87. Portillo), Julio Baptista (83. R. Santa Cruz)

Tore: 0:1Joaquin (25., Linksschuss, Isco), 1:1 Lewandowski (40., Rechtsschuss, Reus), 1:2 Eliseu (82., Rechtsschuss, Julio Baptista), 2:2 Reus (90. + 1, Linksschuss, Subotic), 3:2 Felipe Santana (90. + 2, Rechtsschuss, Schieber)

Gelbe Karten: S. Bender (1. Gelbe Karte),Schmelzer (1.), Jesus Gamez (2. Gelbe Karte), Toulalan(2.)

Zuschauer: 65829 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Thompson (Schottland)

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Ein Gedanke zu „Dortmunder Nächte: Málaga ist Deportiva La Coruna 2.0

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