Das BVB-Los, das Bernabéu und das Kleeblatt

Als Ruud van Nistelroy um kurz nach halb eins am Freitagmittag kurz nacheinander zuerst den FC Bayern und dann den FC Barcelona aus der magischen Glaskugel im schweizerischen Nyon zog, war allen BVB-Fans klar: es wird Real Madrid. Erneut geht es gegen Real Madrid. Und nur wenige Minuten später stand dann auch fest: wie schon in der Vorrunde trifft man sich zunächst an der Strobelallee und dann im Estadio Santiago Bernabéu.

Vielleicht sogar irgendwie ein gutes Omen für den BVB? In der Vorrunde holte man immerhin vier Punkte gegen den absoluten Topfavoriten in der Gruppe. Mit den gleichen Ergebnissen wie in der Gruppenphase wäre Borussia im Finale!

Im Grunde war es vielleicht gar nicht so sehr von Bedeutung, wen man zugelost bekam. Real, Barca und die Bayern – das ist alles im Wesentlichen die gleiche Kategorie, zumindest in dieser Saison. Aber irgendwie schien es nicht wenigen Fans und auch Medienvertretern vor der Auslosung so, als sei Madrid vielleicht tatsächlich noch der „schlagbarste“ Gegner. In Anführungszeichen natürlich, denn dass der BVB Underdog sein wird – egal, gegen wenn es gegangen wäre – war ja von Vornherein klar.

Außenseiterchancen

Auch gegen Real Madrid werden viele dem BVB nur Außenseiterchancen einräumen. Doch genau das wird Jürgen Klopp, Aki Watzke und Michael Zorc nur recht sein. So hat es der BVB am liebsten, wenn ihn niemand auf dem Zettel hat und er alle verblüffen kann. So war es in der gesamten Vorrunde. So war es auch in der letzten Bundesliga-Saison, wo fast alle die Bayern vorn sahen. Der BVB tut sich auf dem ganz hohen Niveau schwer mit der Favoritenrolle, das war in Teilen schon in Donezk zu sehen und es war ganz klar im Rückspiel gegen Málaga zu sehen.

Es wäre sicherlich ein Vorteil gewesen, wenn man zuerst auswärts hätte antreten können. Auf der anderen Seite hat man so natürlich die Möglichkeit, im Heimspiel schon mal vorzulegen. Für die Bayern hat es sich im Viertelfinale nicht als Nachteil erwiesen, dass sie zuerst in München und dann bei Juventus Turin antreten mussten. Außerdem formulierten einige beim BVB nach dem magischen Sieg gegen Málaga auch erstmals den eigenen Anspruch, den Pokal gerne nach Dortmund holen zu würden.

Nuri Sahin etwa sagte dies den Ruhr Nachrichten. Natürlich ist es klar, wenn man ins Halbfinale einzieht, wenn man erst mal so weit gekommen ist, dann will man nach den Sternen greifen. Aber wenn man solche Ansprüche formuliert, dann muss man sich ohnehin auch in dem Auswärtsspiel beweisen – auch wenn dieses zuletzt ausgetragen wird.

Nur ein Thema bei den Fans

In Fankreisen kreisten die Themen am Freitag jedenfalls hauptsächlich nur um die Auslosung, die besten (günstigsten) Flüge nach Madrid, Unterkünfte in Madrid, die schaudernde Angst vor der bösen BVB-Hotline, die möglicherweise zwischen einem selbst und dem Halbfinaltriumph stehen könnte und um die Frage, ab wann am Vorabend des Vorverkaufs man am besten schon sein Lager vor der BVB-Geschäftsstelle aufschlagen sollte.

Und irgendwo, ganz hinten im Bewusstsein, kriecht auf einmal der Gedanke hervor: „Morgen spielt der BVB ja auch. Gegen Fürth.“ Das ist dieser Verein mit den Kleeblättern, der ein Händchen für im Zusammenhang mit Fußball extrem albern klingende Stadionsponsoren hat.

CL-Dilemma

Auwei. Das typische CL-Dilemma. Heute Real, morgen Fürth. Zwar wird diese alte Fußball-Weisheit meist eher dafür bemüht, wenn eine Mannschaft unter der Woche Europapokal spielt und sich dann am Wochenende mit Augsburg oder Fürth herumschlagen muss und sich dann nicht so motivieren kann.

Doch betrachtet man die Stimmung rund um die aufregende CL-Woche des BVB mit dem legendären Halbfinaleinzug und dem Traumlos Madrid, dann kann man irgendwie nur hoffen, dass es der jungen Mannschaft besser gelingt, sich auf den nächsten Gegner zu fokussieren als den Fans. Denn der Großteil der Fans dachte heute über das nächste Bundesliga-Spiel wohl eher so was wie: „Fürth? What the hell is Fürth???“

Bundesliga ist nicht unwichtig

Doch auch wenn die Meisterschaft bereits entschieden ist, so ist die Bundesliga deshalb nicht unwichtig geworden. Momentan hat der BVB recht komfortable sechs Punkte Abstand auf den Tabellendritten Bayer Leverkusen, doch in Zeiten der Drei-Punkte-Regel können sechs Punkte auch mal dahin schmelzen wie Himbeereis in der Sonne. Und bei allem Respekt vor Fürth, doch es ist der Tabellenletzte, der mit ziemlicher Sicherheit absteigen wird: da ist ein Dreier einfach Pflicht, um Platz zwei zu sichern.

Bei denen kickt übrigens mit Lasse Sobiech ein Borusse, der zur Zeit nach Fürth ausgeliehen ist. Der Schwerter ist eigentlich seit Kindertagen ein heißer BVB-Fan, doch auch wenn er am Dienstag noch inbrünstig jubelte, wird er seinem Herzensverein am Samstag die Punkte wohl lieber abnehmen wollen – zumindest sagte er das dem Kicker (Donnerstagsausgabe).

Erneute Rotation?

Beim BVB sieht es personell recht entspannt aus. Marco Reus ist nicht mit nach Fürth gereist, ihn plagen muskuläre Probleme. Gespielt hätte er aber vermutlich sowieso nicht, es wird allgemein erwartet, dass der BVB nach dem CL-Krimi gegen Málaga Kräfte schonen wird und erneut mit einer verstärkten B-Elf auflaufen wird. So wird sicherlich der seit Wochen auf dem Zahnfleisch kriechende Lukasz Piszczek eine Pause erhalten, vermutlich auch Robert Lewandowski oder auch Mario Götze. Gut möglich ist auch, dass Jürgen Klopp Mitch Langerak erneut Spielpraxis gibt. Wenn man seinen letzten Auftritt in Augsburg gesehen hat, könnte man sagen, dass er diese auch dringend benötigt. Denn Sicherheit kann sich ein Torwart eben nur über die Spielpraxis holen und die hat Mitch in der Bundesliga einfach zu selten.

Über den langen, scheinbar nicht enden wollenden Winter wird so manchem jetzt erst bewusst, dass nur noch sechs Spieltage auszutragen sind. Noch sechs Spieltage und dann beginnt die lange, nicht enden wollende Sommerpause, die ja irgendwie noch schlimmer ist als ein langer Winter, denn im Winter wird wenigstens Fußball gespielt. Umso mehr ein Grund, die letzten Wochen noch mal richtig auszukosten. Auch wenn ein Auswärtsspiel bei Greuther Fürth nach der grandiosen CL-Woche erst mal etwas unspektakulär klingt. In acht Wochen werden wir uns heißen Herzens nach Fußball sehen und wären dankbar, wenn wenigstens ein Auswärtsspiel in Fürth anstünde.

Die voraussichtliche Aufstellung: Langerak – Schmelzer – Hummels, Subotic, Großkreutz – Kehl, Sahin (Gündogan) – Bittencourt – Götze (Leitner) – Blaszczykowski – Lewandowski (Schieber)

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