Endlich wieder englische Wochen!

Irgendwie war das komisch am Dienstag und Mittwoch. Kein Fußball. Oder zumindest – dank einer völlig verpennten ersten Halbzeit in München – kein Fußball mit BVB-Beteiligung. Das Borussenhirn war irritiert. Unruhe machte sich in den frühen Abendstunden breit. Müsste man sich nicht langsam schon mal auf den Weg ins Stadion machen? Oder schon mal Bier kalt stellen für den Fußball-Abend mit Freunden?

Stattdessen: hitzige Diskussionen über die Kartenvergabe beim BVB, unverschämte ebay-Abzocke und einen zunehmend dreisten und problematischen Schwarzmarkt. Und über eine Hotline, die dem Ansturm der Ticket-Interessenten schon seit Jahren nicht mehr gerecht werden kann – einfach weil es viel mehr Fans als Karten gibt.

Wichtige Diskussion

Es ist wichtig, dass die Diskussion darüber geführt wird und es ist gut und richtig, dass sie nach dem Vorverkauf für die CL-Spiele gegen Real Madrid verstärkt geführt wurde. Es wird höchste Zeit, dass der BVB sich in Bezug auf das Ticketsystem bewegt und es endlich reformiert. Auch wenn völlig klar ist, dass es die absolut ideale Lösung nicht geben kann, weil die Nachfrage einfach zu hoch ist, so ist das bestehende System gerade im Hinblick auf Lukrativität für den professionellen Schwarzmarkt mit Sicherheit noch verbesserungsfähig.

Aber nur wenn der Druck von Seiten der Fans aufrecht erhalten wird und die Debatte eben nicht nach dem nächsten Sieg oder dem nächsten Titel (zumindest theoretisch ist ja noch einer drin!) wieder einschläft und das ganze Thema bis zum nächsten Knallerspiel in Vergessenheit gerät, wird der Verein zum Handeln gezwungen.

Aktionismus reicht nicht

Es kann von Vereinsseite einfach nicht reichen, dass man als Konsequenz aus den Vorfällen beim Real-Vorverkauf nun in einer Hau-ruck-Aktion den freien Vorverkauf für Hoffenheim abschafft. Hoffenheim! Real. Hoffenheim. Wer sieht den Unterschied??? An Tumulte im Vorfeld von Hoffenheim-Vorverkäufen kann sich die Verfasserin dieses Artikels jedenfalls spontan nicht erinnern.

Das ist einfach nur billiger Aktionismus, der den Fans weismachen will, man unternehme etwas. Und wenn die Debatte wieder einschläft, dann wird es auch dabei bleiben. Dann geht es nach der Sommerpause wieder genau so weiter wie bisher. Und wenn das nächste Knallerspiel kommt, dann haben wir erneut den Salat. Und möglicherweise wird Herr Watzke dann wieder „den Ansturm total unterschätzt“ haben.

Deshalb muss diese Diskussion sein. Auch wenn wir alle eigentlich lieber über Fußball reden würden. Und da gibt es beileibe genug zu reden. Denn nach der einwöchigen Unterbrechung stehen dem BVB nun endlich wieder englische Wochen ins Haus – und was für welche!

Der Karnevalsverein, der sich selbst so nennt

Doch bevor die „Königlichen“ aus Madrid erneut nach Dortmund reisen und hoffentlich erneut mit einer Niederlage im Gepäck zurückfliegen werden, kommt uns der Karnevalsverein aus Mainz besuchen. Der einzige Karnevalsverein, der sich selbst so bezeichnet.

Die Aufregung um die Champions League hat dazu geführt, dass Jürgen Klopp zum wohl allerersten Mal seit er Trainer beim BVB ist, NICHT von den Journalisten gefragt wurde, ob Mainz ein besonderes Spiel für ihn sei. Vielleicht liegt es auch daran, dass er schon beim letzten Mal höchst unwirsch reagiert und den Journalisten ungeduldig erklärte, dass er nun schon einige Jahre beim BVB sei und mittlerweile schon etliche Male gegen Mainz gespielt habe.

Seltsame Spiele

Gegen Mainz sind es immer seltsame Spiele. Grundsätzlich herrscht zwischen beiden Vereinen ja ein eher freundschaftliches Verhältnis. Das zeigt sich in persönlichen Freundschaften auf der Führungsebene, aber auch im Verhältnis der Fans untereinander vor und nach den Partien. Dennoch sind die Spiele oft von einer hitzigen und bisweilen giftigen Atmosphäre geprägt.

Gut, von schwarzgelber Seite aus könnte man hier natürlich einwenden, dass es in dieser Hinsicht prinzipiell nie hilfreich ist, wenn in der gegnerischen Mannschaft ein bekennender Blauer im Tor steht. Der Mann mit dem reizenden Namen Wetklo schuf sich schon bei seinem ersten Gastspiel im Westfalenstadion zügig 25.000 neue Freunde auf der Südtribüne. Diese werden ihn am Samstagnachmittag gewohnt herzlich empfangen.

Ausgangslage

Die Ausgangslage ist nicht perfekt für den BVB. Mainz ist eine Mannschaft, die ähnlich wie Dortmund ein starkes Pressing betreibt und durchaus mit einer gesunden Aggressivität in die Zweikämpfe geht. Dazu kommt, dass Mainz zuletzt in der Liga Punkte liegen ließ und in Dortmund deshalb unbedingt etwas Zählbares mitnehmen muss. Die Mannschaft muss eine Balance finden, um sich einerseits von den Mainzern nicht den Schneid in den Zweikämpfen abkaufen zu lassen und wichtige drei Punkte im Kampf um Platz zwei zu verlieren und andererseits vor dem Real-Spiel am Mittwoch auch keine größeren Verletzungen zu riskieren.

Eine großartige Rotation wird es laut Jürgen Klopp nicht geben, der BVB wird weitestgehend in Bestbesetzung spielen. Einzig Lukasz Piszczek könnte aufgrund seiner Hüftprobleme geschont und von Kevin Großkreutz vertreten werden. Das wiederum wird aber auch davon abhängen, ob Marco Reus, der zuletzt muskuläre Probleme hatte, rechtzeitig fit wird. Wenn nicht, wird Großkreutz auf der linken Außenbahn gebraucht. Definitiv ausfallen wird Sebastian Kehl. Der Kapitän, der unter der Woche seinen Vertrag beim BVB bis 2014 verlängerte, zog sich eine Sehnenzerrung im Fuß zu und muss zumindest für das Mainz-Spiel passen.

Real über den Köpfen

Anders sieht es beim Gegner aus, beim FSV fallen mit u.a. Kirchhoff und Choupo-Moting einige wichtige Leistungsträger aus. Trotzdem sah der BVB in dieser Saison in den jeweiligen Bundesliga-Spielen, die vor einem wichtigen Champions-League-Spiel ausgetragen wurden, bisher meist nicht so gut aus. Es wird sich zeigen, ob die Mannschaft Real wirklich ausblenden kann. Eine gewisse Skepsis ist da wohl angebracht, da sie das in der Hinrunde offenbar nicht mal vor dem Derby konnte, das unglücklicherweise drei Tage vor dem Gruppenspiel gegen Madrid ausgetragen werden musste. Dennoch ist ein Sieg möglich.

Allerdings schwebt Real über den Köpfen. Halbfinale Champions League. Es ist zugegeben sehr schwer, das aus dem Kopf zu kriegen – und sei es nur für 90 Minuten. Doch wir haben auch nur noch drei Bundesliga-Heimspiele in dieser Saison. Davon sollte man eigentlich auch keines mehr wegschenken, dafür ist die Sommerpause viel zu lang und viel zu langweilig…

Die voraussichtliche Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek (Großkreutz) – Gündogan, Bender – Reus (Großkreutz), Götze, Blaszczykowski – Lewandowski

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