Mario Götze und der Ruf des Geldes

Als die Meldung um kurz nach Mitternacht durch die Bild-Zeitung veröffentlicht wurde, glaubten viele noch an ein gezieltes Störfeuer der Bayern oder auch der Zeitung selbst vor dem wichtigen CL-Halbfinalspiel gegen Real Madrid. Zu oft hatte ebenjene Zeitung mit ihren wilden Spekulationen voll daneben gelegen um in der Causa Götze noch wirklich glaubwürdig zu sein. Doch am Vormittag folgte das erste mulmige Gefühl, als der BVB selbst eine Stellungnahme ankündigte. Wenig später dann die Gewissheit: Mario Götze wechselt zur neuen Saison zu den Bayern.

37 Millionen Euro lassen sich die Bayern den Spaß kosten. Auch Götze selbst muss sich künftig nicht länger mit mageren vier Millionen Euro jährlich abspeisen lassen, sondern bekommt endlich einen Lohn, der seinem Können angemessen ist: von etwa zwölf Millionen Euro jährlich ist die Rede.

Und dass es bei dem Wechsel genau darum ging, ist völlig klar. Götze hätte zu jedem Verein in Europa wechseln können, er hätte die freie Wahl gehabt. Dass er sich nun für Bayern entscheidet statt für Real, Barcelona oder Manchester United – und damit ganz am Rande erwähnt sportlich höchstens einen kleinen Schritt nach vorne macht – dürfte wohl damit zusammen hängen, dass ihm keiner dieser Vereine jetzt schon so ein Gehalt gezahlt hätte. Zwölf Millionen, das ist ja schon fast die Gehaltskategorie eines Cristiano Ronaldo.

Ein Tabu

Statt eine neue Herausforderung in einer der absoluten Topligen zu suchen, bleibt er also lieber in der Bundesliga und wechselt zum direkten Konkurrenten des Vereins, dem er alles bisher Erreichte zu verdanken hat. Nun, es ist sein gutes Recht. Es gab diese Ausstiegsklausel und es ist seine persönliche Entscheidung zu welchem Verein er wechselt. Doch mit diesem Wechsel bricht er nun mal eines der wenigen Tabus. Bayern und Schalke sind ein No-Go.

Höchst interessant ist natürlich auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung: Zwei Tage vor dem CL-Halbfinale und – völlig zufällig natürlich – wenige Tage, nachdem bekannt wurde, dass Bayern-Präsident Uli Hoeneß nicht der moralische Wohltäter ist, als der er sich gern darstellt, sondern nichts weiter als ein gewöhnlicher, geldgieriger Steuerbetrüger. Dass der Präsident und auch sein Verein ein recht legeres Verhältnis zum Geld haben, zeigte sich schon im letzten Sommer, als man für 40 Millionen Javi Martinez kaufte – obwohl jeder zugegeben hat, dass er diese Summe nicht wert ist. Ausgerechnet jetzt also lässt die Münchner (!!!) Redaktion der Bild-Zeitung den Fisch vom Haken. Das ist mit Sicherheit kein Zufall, das war gesteuert.

Angst vor einem Finale gegen den BVB?

Hat der FC Bayern tatsächlich solche Angst davor, dem BVB in einem möglichen CL-Finale zu begegnen? Dabei besteht dazu doch gar kein Grund, denn sportlich ist der FCB der Borussia in dieser Saison überlegen. Aber schon die ganze Saison ist auffällig, dass sich die Bayern trotz des großen Punkteabstands gedanklich pausenlos mit Dortmund beschäftigen und ständig über den BVB reden – obwohl dieser ihnen im Laufe der Saison nicht ein einziges Mal wirklich gefährlich werden konnte.

Die letzten zwei Saisons, in denen Dortmund sportlich den Bayern den Schneid abgekauft haben, haben einen gewaltigen Knacks bei den Bayern hinterlassen. Schon damals kündigte Hoeneß an: „Wir werden jetzt so viel Geld investieren, bis wir wieder die Nummer 1 sind.“ Auch hier muss man sagen: das ist natürlich ihr gutes Recht. Aber dann im gleichen Atemzug über „spanische Verhältnisse“ zu jammern und noch die Dreistigkeit zu besitzen, der Liga ein scheinheiliges „Hilfsangebot“ zu machen, ist heuchlerisch und verlogen.

Schlechter Stil

Nun, dem Konkurrenten die besten Spieler weg zu kaufen, um ihn zu schwächen, war schon immer ein probates Mittel der Bayern. Da sie leider die finanziellen Mittel dafür haben, kann man dagegen auch nichts machen. Und wenn sie im Sommer Götze und dann vielleicht wirklich auch noch Robert Lewandowski kaufen, dann haben sie zwar eine Menge Geld ausgegeben, aber dem momentan einzigen wirklichen Konkurrenten auch die einzigen Spieler abgeworben, die man so ohne weiteres nicht ersetzen kann (Hummels gehört vielleicht auch noch in diese Kategorie.).

Den Transfer dann ausgerechnet jetzt durchsickern zu lassen, ist aber einfach nur schlechter Stil. So lange Bayern solche unfairen Mittel nötig hat, werden sie niemals zu der Riege der „großen Vereine“ zählen. Denn Größe offenbart sich nicht nur sportlich, sondern auch abseits des Platzes. Und dort versagen die Bayern regelmäßig mit Arroganz, Angeberei, Heuchlerei und Charakterlosigkeit.

Wie attraktiv die Bundesliga noch mit einer dauerhaften Alleinherrschaft der Bayern ist, kann man sich ausmalen. Das schadet in letzter Konsequenz auch ihnen selbst, denn je unattraktiver eine Liga ist, desto schwerer lässt sie sich im Ausland vermarkten.

Immer zwei Seiten

Aber zu so einem Wechsel gehören immer zwei Seiten, Götze selbst hätte jederzeit die Freiheit gehabt, das Angebot der Bayern einfach abzulehnen. Dass er erst 20 Jahre alt ist, spielt keine Rolle. Götze ist in seinen jungen Jahren bereits ein absoluter Medienprofi, was in all seinen Interviews zu merken ist und zudem lange genug im Verein und intelligent genug, um abschätzen zu können, welche Sprengkraft dieser Transfer haben wird. Götze wusste ganz genau, was er da tat, als er den Vertrag bei den Bayern unterschrieben hat. Wäre er woanders hin gewechselt, dann hätte man ihn mit Applaus verabschiedet und ihm für seine zweifellos großen Verdienste für den BVB gedankt. So wird er wohl mit Pfiffen und Wut davon gejagt werden.

Jürgen Klopp und Michael Zorc forderten in der Pressemitteilung auf, „Götze so zu unterstützen, wie jeden anderen Dortmunder Profi.“ Dieser Aufruf dürfte wohl vergebliche Liebesmüh sein.

Schon jetzt wird seine Facebook-Seite von hasserfüllten Kommentaren überschwemmt. Die letzten Heimspiele in dieser Saison dürften reichlich unangenehm für ihn werden. Das wird ihm aber wohl beim Gedanken an sein zukünftiges Gehalt relativ egal sein.

Der Traum von Wembley

Dennoch: einen ungünstigeren Zeitpunkt für die Veröffentlichung hätte es gar nicht geben können. Deshalb ist es jetzt aber umso wichtiger, dass sich jeder noch so aufgebrachte Fan auf das Wesentliche konzentriert.

Bei aller verständlicher Wut auf Götze: der BVB hat ein CL-Halbfinale vor sich! Es ist am Mittwoch keinem damit gedient, wenn sich alles auf Götze fokussiert und die Fans ihn systematisch auspfeifen. Auch wenn viele den verständlichen Wunsch haben, ihn in der restlichen Saison auf der Bank zu sehen – in einem so wichtigen Spiel können wir auf seine Klasse nicht verzichten. Der Verein steht über einzelnen Spielern. Spieler kommen, Spieler gehen, der Verein bleibt. Wenn wir jetzt die CL aus dem Blick verlieren und deshalb ausscheiden, haben die Bayern erreicht, was sie wollten.

Pfiffe gegen Götze wird man nicht verhindern können (und ich habe ehrlich gesagt auch Verständnis dafür), aber haltet euch im Heimspiel gegen Real Madrid zurück! Am Mittwoch geht es nicht um einen einzigen Spieler, es geht um den großen Traum von Wembley! Götze oder die Bayern sind es nicht wert, dass man diesen gefährdet.

Eines kann man aber sagen: das ist einer dieser Tage, an denen einen das ganze Business Profifußball und seine „Mechanismen“, wie es immer so schön heißt, einfach nur anwidern.

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3 Gedanken zu „Mario Götze und der Ruf des Geldes

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  2. Betrachtet man den faktischen Teil des Wechsels, so fällt auf:

    Sportlich ist es ein kleiner Schritt innerhalb der Bundesliga. Zu einem Verein der alles gewinnen will, der alles gewinnen kann und der den Anspruch hat die besten (deutschen) Spieler in seinen Reihen haben zu wollen. Ab der neuen Saison auch mit einem Trainer, der in Deutschland Barca 2.0 aufbauen will. Das sticht insgesamt eben das Paket Dortmund mit Klopp, Fans, Stadion, vergleichbare Möglichkeiten und Potential leicht aus. Es wäre nicht so extrem verlockend denk ich wenn nicht…

    Finanziell es einen riesen Schritt bedeuten würde. Sein Gehalt wird sich wohl (mindestens) verdoppeln und auch wenn Dortmund nicht mit „Erdnüssen“ bezahlt, so kann Dortmund hinten und vorne keine weiteren 4 Mio. für Götze zahlen.

    So, hier muss man aber dann den Strich ziehen, unter diesem werden die Fakten berücksichtigt, die absolut – wie oben bezeichnet – anwidern.

    „Ich hätte meinen Vertrag nicht bis 2016 verlängert, wenn ich ihn nicht auch erfüllen wollen würde“ Solche Aussagen fliegen einem natürlich wie 5-6 schallernde Ohrfeigen um die Backen wenn man zu einem Verein wie dem FC Bayern wechselt. Einem Verein, dem so scheint es, nicht nur daran gelegen ist, sich selbst zu stärken, sondern den anderen erheblich weh zu tun. Auch wenn es nicht mal 1 Woche her ist, dass Uli H. (Nachname unkenntlich gemacht, wegen schwebendem Verfahren) verkündete der Konkurrenzdruck sei für den FCB wichtig und „spanische“ oder doch „schottische“ Verhältnisse seien Gift für die Bundesliga. Es passt natürlich zu einem fußballerischen Sozialismus des FCB, dass er sich selbst dabei vollkommen ausklammert und den „Haufen“ der anderen Vereine bittet sich doch mal etwas mehr ins Zeug zu legen, damit Ribery und Co. nächste Saison beim Titelgewinnen nicht vorzeitig einschlafen. Es ist als wäre Darth Vader aufgefallen, dass er und seine Imperialen doch ein leichtes Überangebot an Sternenzerstörerern haben und das ja total „unfair“ sei, nur könne man da leider nichts machen, aber die Rebellen sollten sich halt etwas mehr anstregen, sonst gäbe es ja bald nichts mehr zum zerstören. Überhaupt mutet dieses Szenerio sehr an wie „Das Imperium schlägt zurück“, denn dem Imperium wurde ja in der letzten Jahren der ein oder andere Lolli aus dem Mund geklaut und da ist es nur gute Sitte jetzt zur Unzeit zurückzuschlagen. Selbst verständlich war es reiner Zufall, dass die Nachricht des Transfers JETZT und nicht 3 Wochen SPÄTER an die Bildzeitung gefütert wurde, aber man besitzt die infame Dreistigkeit noch zu verlautbaren, man „hätte den Transfer lieber später verkündet“. Für so viel Heuchelei wird es einmal eine mächtige Strafe geben. Von wem? Naja. Die einzige Instanz, die sich um Geld und Marktwerte nichts schert. Dem allseits präsenten Fußballgott. Den wie heißt es in der (Fußball)Bibel: Ihr sollt euch keine „goldenen“ Götzen bauen. Haben sie aber jetzt. Wohl bekommts.

    Als Nachtrag: Wie die OP schon sehr gut ausgeführt hat. Mario Götze ist nicht der BVB. Und so weh dieser Wechsel tut und vor allem der Zeitpunkt. Jetzt erst recht. Forza BVB. Ab nach Wembley dafür und Viva Barca. Scheiß Bayern! Glück auf!

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