4:1 gegen Real Madrid: BVB steht mit einem Bein im Finale

Was für ein Abend! Das ganze Theater um den Götze-Wechsel und andere Unerfreulichkeiten war vergessen, als die Champions-League-Hymne im ehrwürdigen Westfalenstadion erklang. Was die Mannschaft in den folgenden 90 Minuten spielte, entschädigte dann doch für manches.

Die spannende Frage vor Anpfiff war: wie würden die Fans Mario Götze empfangen? Antwort: sie taten das Richtige und ordneten die Angelegenheit der Wichtigkeit des Spiels unter. Rund ums Stadion viele Götze-Trikots mit durchgestrichenem Namen oder „Judas“-Aufschrift, vereinzelt ein paar Pfiffe, als sein Name bei der Mannschaftsaufstellung fiel und das war’s. „Das war so nicht selbstverständlich und genau deshalb so besonders“, lobte Jürgen Klopp die Fans nach dem Spiel.

Mario Götze ist out.

Mario Götze ist out.

Der Abend des Robert Lewandowski

Er ließ Götze auch über die volle Distanz auf dem Feld und brachte ihn damit gar nicht erst in die Lage, irgendwie im Mittelpunkt zu stehen. Auch die Leistung des Mittelfeldspielers war – gemessen an seinem Können – eher unauffällig. Nicht schlecht, aber auch nicht herausragend, Götze schien in jeder Hinsicht bemüht, nicht zu sehr aufzufallen. Vor dem Elfmeter, der zum 4:0 führte, sah es einmal kurz so aus, als wolle er sich den Ball schnappen, doch Robert Lewandowski erklärte das zur Chefsache.

Ohnehin war der polnische Nationalspieler der Mann des Abends. Er schoss alle vier Tore, brachte Reals Abwehr zur Verzweiflung und avancierte zum Matchwinner. Noch niemals in der Geschichte der Champions League hatte ein einziger Spieler vier Tore in einem Spiel gegen Real Madrid erzielt.

Dominanter BVB

Wie der BVB sich präsentierte, war beeindruckend. Nach vorne gepeitscht von einem völlig entfesselten Westfalenstadion schnürten sie das „Weiße Ballett“ ein, so dass Klassespieler wie Mesut Özil ihr Potenzial nicht entfalten konnten. Cristiano Ronaldo war bei Lukasz Piszczek so gut aufgehoben, dass außer zwei Freistößen von ihm nicht viel zu sehen war.

Blick ins ausverkaufte Westfalenstadion vom Block 80 aus.

Blick ins ausverkaufte Westfalenstadion vom Block 80 aus.

Schon nach acht Minuten schoss Lewandowski das 1:0. Madrid fiel in der Folge nicht viel ein, Dortmund betrieb aggressives Pressing, die Spanier kamen nicht ins Spiel. Fast mitleiderregend, wie wenig sie der BVB-Dampfwalze entgegenzusetzen hatten – dachte sich in der 43. Minute wohl auch Mats Hummels und erbarmte sich zugunsten der Spannung im Wettbewerb gegenüber Madrid. Er spielte einen halbherzigen Rückpass zu Roman Weidenfeller, Gonzalo Higuain nahm das Geschenk dankend an, passte zu Ronaldo und der ließ sich nicht zwei Mal bitten und schob zum 1:1 ein. Hummels zog bedröppelt von dannen und gab nach dem Spiel zerknirscht zu Protokoll: „Die ganze Mannschaft hat super gespielt – bis auf mich.“

Gewaltige Stimmung

Den BVB ficht das Gegentor nicht an, die Mannschaft reagierte, indem sie sich nach der Pause noch gieriger, noch spielfreudiger und noch dominanter präsentierte. Es war beeindruckend und schlug sich in einer unglaublichen Stimmung im Stadion nieder, die auch die Real-Fans zutiefst beeindruckte, wie der eine oder andere nach dem Spiel beim Frust-Bier im Biergarten am Stadion Rote Erde zugab.

Im Gegensatz zum Vorrundenspiel waren diesmal übrigens auch sehr viele Fans in weiß im Stadion zu sehen, davon viele offenbar nicht aus Deutschland, sondern wirklich aus Spanien angereist. In den U-Bahn-Stationen neckten die BVB-Fans die Madrilenen mit „Messi, Messi“-Rufen. Die Spanier konterten schlagfertig mit „Mario Götze“-Sprechchören und FC-Bayern-Liedern. Aber alles nur Spaß, man neckte sich, doch es blieb jederzeit friedlich.

Elfmeter zum 4:1

Schon früh in der zweiten Halbzeit zeigte der BVB den Gast wieder, wer Herr im Hause ist. Lewandowski erhöhte nach fünf bzw. zehn Minuten auf 3:1 und verwandelte das Stadion in ein Tollhaus, in dem niemand mehr sitzen wollte. Keiner konnte fassen, was da gerade abging und es war immer noch nicht vorbei: in der 67. Minuten wusste sich Xabi Alonso im Strafraum gegen Marco Reus nur noch mit einem Schubser zu helfen. Der Schiedsrichter entschied ohne zu zögern auf Elfmeter. Lewandowski fackelte nicht lange, schnappte sich die Kugel und nagelte sie mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der bereits drei Tore in einem Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid erzielt hatte, unter die Latte. Der absolute Wahnsinn!

Feier vor der Süd nach dem Abpfiff.

Feier vor der Süd nach dem Abpfiff.

Real Madrid fand nicht mehr ins Spiel. Der BVB brachte den Sieg souverän über die Zeit. Es war ein mitreißendes Spiel und eine Machtdemonstration, eine weitere magische Nacht im Westfalenstadion.

Gute Ausgangslage

Die Ausgangslage ist nun relativ komfortabel für Borussia Dortmund, allerdings auch nicht so klar, wie es ein Ergebnis von 4:1 auf den ersten Blick suggeriert. Real Madrid ist jederzeit in der Lage im heimischen Santiagio Bernabéu drei Tore zu schießen und die Verlängerung zu erzwingen. Ein angeschlagener Gegner ist manchmal besonders gefährlich. Andererseits scheint es auch relativ ausgeschlossen, dass Dortmund in Madrid ohne eigenes Tor bleibt. Denn auswärts war Dortmund fast die ganze Saison stark und die offensive Spielweise von Real reißt immer mal Lücken, die eine konterstarke Mannschaft mit einem schnellen Umschaltspiel zu gefährlichen Angriffen nutzen kann.

Die BVB-Fans feierten den Sieg die halbe Nacht in den Kneipen und Biergärten im Kreuzviertel und in der Stadt und der allgemeine Tenor war: „Durch sind wir noch nicht, aber wir sind jetzt ganz nah dran.“

Noch ein Spiel bis Wembley.

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek (83. Großkreutz), Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan (92. Schieber), Bender – Blaszczykowski (82. Kehl), Götze, Reus – Lewandowski

Real Madrid C.F.: Diego Lopez – Sergio Ramos, Varane, Pepe, Fabio Coentrao – Khedira, Xabi Alonso  (80. Kaka)- Özil, Modric (68. Di Maria), Cristiano Ronaldo – Higuain (68. Benzema)

Tore: 1:0 Lewandowski (8., Götze), 1:1 Ronaldo (43., Higuain), 2:1 Lewandowski (50., Reus), 3:1 Lewandowski (55., Schmelzer), 4:1 Lewandowski (67., Foulelfmeter, Xabi Alonso an Reus)

Gelbe Karten: Lewandowski – Khedira, Özil, Sergio Ramos

Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)

Zuschauer: 65.829 (ausverkauft)

 

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Ein Gedanke zu „4:1 gegen Real Madrid: BVB steht mit einem Bein im Finale

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