Der BVB, der Götze, die Scheißhaus-Parolen und die Reise an den Rhein

Viel Zeit gönnte uns das Business nicht, um sich uneingeschränkt über den 4:1-Sieg des BVB über Real Madrid im Halbfinale der Champions League zu freuen. Schon am Donnerstagmittag jagten wieder Nachrichten der unangenehmeren (und vor allem nervigen) Art über den Äther.

Was hätten wir denn da alles? Ah ja, Vierfach-Torschütze Robert Lewandowski hat angeblich schon einen Vertrag bei den Bayern unterzeichnet. Meldet irgendeine Quelle aus München. Also ein enger Bekannter von Jupp Heynckes. Ach so.

Vorstellungen des BVB?

Vielleicht ist es aber gar nicht der FC Bayern? Der polnische Berater von Lewandowski sprach geheimnisvoll über den „großen Verein, bei dem Robert nächste Saison spielt.“ Ein „noch besserer Verein als Borussia Dortmund“ sei das. Und der deutsche Berater von Lewandowski fügte noch hinzu, dass für den Sommer ein Angebot vorliege, dass voll den Bedingungen von Borussia Dortmund entspreche. Was genau genommen eigentlich nur bedeuten kann, dass Robert NICHT zu den Bayern geht, denn den Vorstellungen von Borussia Dortmund kann es ja wohl kaum entsprechen, noch einen seiner besten Spieler an den direkten Liga-Konkurrenten zu verlieren.

Der BVB betonte, dass man Lewandowski über den Sommer hinaus halten wollte. Und Sportdirektor Michael Zorc erreichte am Donnerstag das Ende seines persönlichen Geduldsfadens: „Ich habe keine Lust, permanent diese Scheißhaus-Parolen zu kommentieren,“ wetterte er. Die Berater von Robert Lewandowski sind in Dortmund mittlerweile so beliebt wie der Hausschwamm.

Der Dank von Götze kommt nicht gut an

So, dann hätten wir noch mal Mario Götze. Der hatte am Mittwoch zunächst mit deutlich eingezogenem Kopf gespielt, unsicher, welches Unwetter über ihn hinein brechen würde, nachdem er offenbar ausgerechnet nach dem Málaga-Spiel beschlossen hatten, dass es eigentlich noch geiler wäre, statt im Hexenkessel Westfalenstadion für ein paar Millionen mehr vor dem Münchner Operettenpublikum zu kicken. Ein sicherer Beweis, dass Götze ganz offensichtlich wirklich nicht mehr zu helfen ist. Bekanntlich gab es am Mittwoch kaum Pfiffe gegen Götze, sondern nur 109 Prozent Anfeuerung für den BVB, da den meisten Fans der Verein und der Erfolg in der Königsklasse dann doch wichtiger war, als ein zwanzigjähriger Bengel, der sich für die dunkle Seite der Macht entschieden hat.

Am Donnerstag bedankte sich Mario Götze via Facebook für die Unterstützung und sprach von turbulenten Tagen, die er zur Zeit durchleben müsste. Nun ja, Mario, das Problem ist hausgemacht, die Turbulenzen hättest du dir durchaus ersparen können. Seinen erleichterten Dank bei Facebook bekamen aber nicht wenige Fans quer in die Kehle. „Selbstverliebt bis zum Schluss“ sei er und er habe anscheinend nicht begriffen, dass diese Unterstützung nur der Mannschaft und dem Verein und keinesfalls ihm gegolten habe, lauteten die wenig freundlichen Antworten auf seinen Kommentar. Auch in diversen Fanforen wurde das Posting eher negativ aufgenommen.

Apokalypse steht bevor – sagen die Medien

Der Arsch ist ab, wie man im Pott so schön sagt. Zum Dortmunder des Jahres wird Götze 2013 wohl eher nicht mehr gewählt. Höchstwahrscheinlich ist das Unwetter auch nur verschoben. Spätestens bei seinem ersten Auftritt im roten Trikot im Westfalenstadion dürfte es über den Jung-Nationalspieler hereinbrechen. Bei seinem nächsten Wechsel wird er dann vielleicht wissen, dass es keine gute Idee ist, Treue- und Liebesschwüre zu seinem aktuellen Verein rauszuhauen, wenn man in Wirklichkeit schon kurz vor der Unterschrift bei einem anderen Verein steht.

Unterdessen riefen viele Medien die Apokalypse beim BVB aus. Der Verein stehe „vor dem Ausverkauf“ orakelten diverse Internetportale und ein Sky-Reporter twitterte vielsagend, dass es ja echt „schade“ wäre, wenn Ilkay Gündogan und Jürgen Klopp ob dieser dramatischen Entwicklung dem BVB auch den Rücken kehren würden. Mit diesem Tweet empfahl sich der Reporter nachhaltig für einen Posten bei der Bild-Zeitung, die es ja wie kein zweites Medium beherrscht, Dinge „schrecklich“ zu finden, die sie in Wirklichkeit sensationsgierig erhofft haben.

Mario Gomez in Dortmund?

Am Nachmittag kursierte dann auf einmal die Meldung im Netz, Mario Gomez sei in Dortmund gesichtet worden. Vor dem Knappschaftskrankenhaus in Brackel habe man den Bayern-Stürmer gesehen (Was hätte er sonst dort machen sollen, wenn nicht den Medizincheck absolvieren?!) und später vor der BVB-Geschäftsstelle (Zur Vertragsunterschrift, klar!). Schon wurden Szenarien entworfen, nach denen BVB und Bayern vielleicht die Stürmer quasi „tauschen“ würden. „Ruuuuuhig!“ möchte man der Welt zurufen. Ganz ruhig. Der Berater von Gomez dementierte auch prompt, dass sein Klient sich am Donnerstag im Ruhrgebiet aufgehalten haben.

Interessant, irgendwo in Dortmund muss tatsächlich ein Doppelgänger von Mario Gomez herumlaufen, denn das war ja allein in dieser Saison schon das zweite oder dritte Mal, dass ihn irgendjemand am Knappschaftskrankenhaus gesehen haben will. Vielleicht ein Pfleger, der dem Stürmer sehr ähnlich sieht?

Gerüchte-Wahnsinn

Nun ja. Am Abend hieß es dann, dass der BVB Robert Lewandowski ein neues, verbessertes Vertragsangebot gemacht habe. Wäre natürlich schön, wenn der Pole sich noch einmal umstimmen ließe, aber dieses Szenario erscheint leider im Moment wenig wahrscheinlich.

So. Das alles waren die Gerüchte von EINEM Tag. Dazu fällt einem nichts mehr ein. Transfergerüchte sind ja im Fußball eine völlig normale Sache, allerdings sind das Ausmaß und der Zeitpunkt höchst ungewöhnlich. Ende April, in der Schlussphase der Saison halten sich die Spekulationen normalerweise in Grenzen. Üblicherweise ist das eher ein Phänomen der Sommerpause oder auch der Winterpause, wenn die Medien sonst nichts zu schreiben haben oder wenn Felix Magath gerade irgendwo einen neuen Posten angetreten hat.

Samstag wird Fußball gespielt

Jürgen Klopp in seiner ihm eigenen Art schaffte es dann aber doch, die Wogen etwas zu glätten. Während der Pressekonferenz am Donenrstag beruhigte er die Fans: „Bei allem, was passieren könnte, ich bin total entspannt. Ich weiß, wonach wir gucken. Wer zu uns möchte. Mit wem wir reden. Wenn ich cool bin bei den ganzen Gerüchten, dann sollten es die anderen auch sein. Andere Mütter haben auch schöne Söhne, und die können auch kicken. Wenn man nervös werden sollte, sage ich Bescheid. Entspannt euch!“

War noch was? Ach ja, am Samstag ist ja auch noch Fußball! Der BVB tritt die Reise an den Rhein zu Fortuna Düsseldorf an. Topspiel am Samstagabend. Viel zu sagen gibt es darüber nicht. Klopp hat angekündigt, rotieren zu lassen. Eine ähnliche Aufstellung wie im Augsburg-Spiel wäre nicht überraschend. Somit dürften Leute wie Santana, Schieber, Leitner, Bittencourt, vielleicht Hofmann mal wieder eine Chance bekommen, sich zu zeigen. Lukasz Piszczek musste im Real-Spiel zehn Minuten vor Schluss mit Adduktoren-Problemen ausgewechselt werden, er wird wohl wieder von Kevin Großkreutz vertreten. Und das möglicherweise nicht nur in Düsseldorf, sondern auch am Dienstag im Estadio Santioago Bernabéu, denn momentan ist es noch fraglich, ob Piszczek bis dahin wieder fit wird.

Piszczek auf dem Zahnfleisch

Der Pole schleppt sich auf dem Zahnfleisch Richtung Saisonende. Irgendwo kein Wunder, schließlich hat er in den letzten zwei Saisons nahezu alle Spiele bestritten, dazu noch viele Länderspiele mit Polen. Gut, dass in diesem Sommer kein Turnier stattfindet und er sich hoffentlich mal richtig erholen kann. Sollte Großkreutz ihn auch in Madrid vertreten müssen, dürften die meisten Fans aber keine Bauchschmerzen dabei haben, denn bisher löste er diese Aufgabe immer solide bis sehr gut.

Düsseldorf steht unter Druck und braucht dringend noch ein paar Punkte gegen den Abstieg. Am Rhein rechnet man sich gegen eine verstärkte B-Elf des BVB durchaus etwas aus, zumal der Verdacht nahe liegt, dass die Spieler mit den Füßen in Düsseldorf, aber mit dem Kopf schon in Madrid sind.

Ein Grund mehr, die jungen Wilden spielen zu lassen, die nicht nur Madrid im Kopf haben, sondern auch den Gedanken, sich für weitere Einsätze zu empfehlen!

Die voraussichtliche Aufstellung: Langerak – Schmelzer, Hummels, Santana, Großkreutz – Sahin, Kehl – Bittencourt, Leitner, Blaszczykowski – Schieber (Lewandowski)

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2 Gedanken zu „Der BVB, der Götze, die Scheißhaus-Parolen und die Reise an den Rhein

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