Nicht schön, aber effektiv: Dortmunder B-Elf siegt 2:1 in Düsseldorf

Wie motiviert man ein Trainer eine Mannschaft, die am Mittwoch gegen Real Madrid 4:1 gewonnen hat und die am Dienstag wieder gegen Real Madrid spielt, zuvor aber noch ein Auswärtsspiel beim Kellerkind Fortuna Düsseldorf zu bestreiten hat? Antwort: Gar nicht. Er tauscht einfach zehn Spieler aus. Hohe Fußballkunst kam die meiste Zeit nicht dabei raus, aber immerhin ein 2:1-Sieg. Und das reicht uns vorläufig!

Rotation beim Spiel in der Esprit-Arena in Düsseldorf war im Vorfeld erwartet worden und Jürgen Klopp hatte diese auch schon am Mittwochabend explizit angekündigt. Doch als am späten Samstagnachmittag gegen halb sechs die Mannschaftsaufstellung herein flatterte, staunte der eine oder andere doch Bauklötze. Nur Mats Hummels war aus der Startelf gegen Real noch übrig und das auch nur, weil er laut Jürgen Klopp nach seiner langen Verletzungspause dringend Spielpraxis benötigt. Und vermutlich auch deshalb, weil der BVB zur Zeit eben nur drei Innenverteidiger hat.

XXL-Rotation

Aber ansonsten gab es Rotation, die sich gewaschen hatte: Langerak im Tor, Kirch als Rechtsverteidiger, Leitner, Bittencourt und Hofmann im offensiven Mittelfeld, Schieber im Sturm. Santana in der Innenverteidigung, Großkreutz als Linksverteidiger und das Duo Sahin/ Kehl auf der Doppelsechs. Die These ist wohl nicht allzu gewagt, wenn man behauptet, dass diese Mannschaft in dieser Konstellation wohl eher kein Pflichtspiel mehr bestreiten wird. Als Co-Kommentator neben Kai Dittmann präsentierte Sky uns heute auch noch Christoph Daum. Experimente allenthalben. Was für ein Fußball-Abend würde das bloß werden?

Schlecht stellte sich diese B-Elf eigentlich nicht an. Ein gutes Fußballspiel wurde allerdings gleich im Keim erstickt. Düsseldorf ist noch mal unerwartet tief in den Abstiegskampf hinein geschlittert, auch durch die tolle Augsburger Aufholjagd. Dementsprechend lautete die Parole am Rhein: Kampf statt Spielkunst.

Konfuses Spiel

In der Frühphase brachte das der Fortuna einige gute Chancen, allerdings waren sie im Abschluss dann zum Glück für den BVB doch eher harmlos. Nach gut 15 etwas konfusen Minuten kam die B-Borussia dann besser ins Spiel und erspielte selbst einige Möglichkeiten. Dennoch wirkte die Mannschaft – naturgemäß – ziemlich uneingespielt, was zu vielen Missverständnissen und Fehlpässen führte. Bisweilen hatte es schon fast etwas von Slapstick, wenn man das Spiel am Mittwoch noch im Hinterkopf hatte und nun mitansah, wie sich Dortmunder und Düsseldorfer alle paar Minuten buchstäblich gegenseitig über den Haufen rannten und übereinander fielen.

Bis zu diesem Zeitpunkt hätte man sich aus Dortmunder Sicht auch nicht beschweren können, wenn die Gäste geführt hätten. Nach zwanzig Minuten ging dann aber der BVB in Führung: ein schön heraus gespielter Angriff, Moritz Leitner legte quer auf Nuri Sahin, der sich in diesem Moment seiner herausragenden Schussqualitäten entsann und aus gut 30 Metern einfach mal drauf hielt – 1:0 für den BVB. Fortuna-Torwart Giefer sah den Ball kommen, war auch noch mit der Hand dran und musste dennoch hinterherschauen, wie sich der scharf angeschnittene Ball hinter ihm ins Tor drehte. Ein wunderschönes Tor von Sahin, immerhin bei vergleichsweise wenig Einsatzzeit auch schon sein drittes Bundesliga-Tor seit seiner Rückkehr im Januar.

Düstere Blicke der Toten Hosen

Viel mehr Interessantes passierte in der ersten Halbzeit dann auch ehrlich gesagt nicht. Fortuna hatte noch eine Chance, die aber wieder nichts einbrachte. Die zweite Halbzeit fing dann auch genau so an, wie die erste aufgehört hatte – nämlich ziemlich langweilig. Dortmund verwaltete souverän die Führung und Fortuna erging sich unter den düsteren Blicken eines Teils der Toten Hosen in Harmlosigkeit.

Später brachte Jürgen Klopp mit Jakub Blaszczykowski und Robert Lewandowski zwei Etablierte und diese Maßnahme machte sich sofort bezahlt: nach einer herrlichen Kombination über Sahin und Lewandowski erzielte Kuba das 2:0 für den BVB. Es schien nach 70 Minuten, als sei das Spiel durch. Denn diese Fortuna machte wirklich nicht den Eindruck als könne sie jetzt noch zwei Tore gegen den BVB aufholen.

Motivation für Fortuna

Die Blicke der Toten Hosen wurden noch finsterer und Sänger Campino musste auch noch einer groß gewachsenen Kante über die Schulter schauen, was – seiner Hüpferei nach zu urteilen – nur mäßig gut gelang.

Co-Kommentator Christoph Daum – der im Übrigen zumindest nicht großartig negativ auffiel – sah nun angesichts des 0:2-Rückstandes der Fortuna seine Qualitäten als Motivator gefragt. Düsseldorf müsse sich jetzt noch einmal zusammenreißen, kämpfen, fighten, um jeden Meter. „Schließlich stehen sie im Abstiegskampf!“ Man spürte förmlich den ungläubigen Blick, den Kai Dittmann ihm in diesem Moment sicher zugeworfen hat.

Spannende Schlussphase

Doch was war das? Ob die Düsseldorfer Daums Ansprache vielleicht gehört hatten oder was auch immer der Grund war, doch in der Schlussphase nahm das Spiel noch mal (oder besser gesagt: erstmals) Fahrt auf. Kurz vor Schluss wollten die Düsseldorfer gerne einen Elfmeter haben, weil Hummels im Strafraum mit dem Arm auf den Ball gefallen war. Schiedsrichter Weiner verweigerte den Pfiff – wohl zurecht, denn von einem absichtlichen Handspiel konnte hier nicht die Rede sein.

Dann passierte es aber doch: Nach einem Santana-Fehler in der 88. Minute versenkte Bodzek mit all der Kaltschnäuzigkeit, die Düsseldorf die ganze Zeit vor dem Tor gefehlt hatte, den Ball zum 1:2-Anschlusstreffer in die Maschen. Plötzlich wurde ein längst gewonnen geglaubtes Spiel noch mal (erstmals) spannend. Vier Minuten Nachspielzeit wurden angezeigt und Fortuna drängte jetzt mit aller Macht auf den Ausgleich.

Drei Punkte sind das Wichtigste

Erinnerungen an das 1:1 im Hinspiel, in dem man sich trotz 90-minütiger Überlegenheit doch die eigentlich wohlverdiente Butter vom Brot klauen ließ, wurden wach. Würden zwei Tore diesmal etwa auch nicht reichen? Mit dem letzten Angriff kam Düsseldorf noch einmal brandgefährlich vor das Dortmunder Tor, doch Mitch Langerak rettete mit einer Glanzparade und hielt die drei Punkte am Ende fest.

Was für ein seltsames Spiel. Über 85 Minuten war es ein recht zerfahrenes Spiel, das bis auf die zwei wunderschönen Tore des BVB an Höhepunkten äußerst arm war. In der Schlussphase berappelte sich die Fortuna noch einmal und so brauchte Borussia am Ende trotz über weite Strecken klarer Überlegenheit doch noch ein kleines bisschen Glück und einen Keeper auf Zack, um die drei Punkte mit nach Hause zu nehmen. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass eine völlig uneingespielte B-Elf auf dem Platz stand, die ihre Sache im Großen und Ganzen ziemlich gut gemacht hat.

Die drei Punkte sind im Sack. Und jetzt fahren wir nach Madrid, das CL-Finale klar machen!


Fortuna Düsseldorf:
Giefer – Balogun, Latka, Malezas, van den Bergh – Bodzek, Lambertz – Kruse, Ilsø (65. Reisinger), Bellinghausen – Schahin

Borussia Dortmund: Langerak – Kirch, Felipe Santana, Hummels, Großkreutz – Kehl, Sahin – Hofmann (79. Reus), Leitner (69. Lewandowski), Bittencourt (69. Blaszczykowski) – Schieber

Tore: 0:1 Sahin (20.), 0:2 Blaszczykowski (70.), 1:2 Bodzek (88.)

Gelbe Karten: Bodzek (7), Ilsø (4), Kruse (8), Reisinger (3), van den Bergh (3) / Hummels (3), Schieber (3)

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2 Gedanken zu „Nicht schön, aber effektiv: Dortmunder B-Elf siegt 2:1 in Düsseldorf

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