Giftige „Generalprobe“ für das CL-Finale endet unentschieden

War es wirklich eine Generalprobe für das Champions-League-Finale? Darüber kann man sich streiten, denn beide Vereine werden in Wembley sicher mit anderen Formationen auflaufen als am Samstagabend im egalsten Topspiel aller Zeiten. Sicher ist aber, dass eine ganze Menge Gift im Spiel war und dass auch schon im Vorfeld der Partie deutlich wurde, dass das – zumindest von Dortmunder Seite – meist respektvolle Verhältnis der beiden Vereine empfindlich abgekühlt ist.

Erwartet wurde vor dem Spiel eine Art Pflicht-Freundschaftsspiel zweier B-Mannschaften. Die Bayern wechselten tatsächlich auf acht Positionen aus, dennoch klang das, was dann auf dem Platz stand am Ende nicht wirklich nach B-Elf. Der BVB rotierte auch auf fünf Positionen, doch wenn schon die Namen Weidenfeller, Gündogan und Lewandowski in der Mannschaftsaufstellung auftauchen, dann hat das mit totaler Rotation nichts mehr zu tun. Und beispielsweise Großkreutz hat sich in dieser Saison auf der Rechtsverteidigerposition schon so etabliert, dass das auch im schlimmsten Fall nach 1B-Lösung klingt – nicht aber nach totaler B-Elf.

Uli dahoam

Dennoch ist klar, dass das Spiel rein personell nicht als Vorlage für das Finale in Wembley taugen wird. Der Bayern-Präsident mit der fragwürdigen Moral beim Steuern zahlen sparte sich die 600 Kilometer (und die zu erwartenden Kübel voller Häme) und ging lieber Basketball gucken. Was für ein Feigling. Aber vielleicht wollte er ja auch deshalb nicht kommen, weil es nichts zu essen gab. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat nach dem recht unappetitlich durchgeführten Götze-Transfer im Moment ganz offensichtlich so die Nase voll von den Bayern, dass er das eigentlich obligatorische Essen zwischen den Vereinsführungen kurzerhand einfach cancelte. Aber mal im Ernst: der Uli hätte doch sicher irgendeinen Lakaien gefunden, der ihm von der Roten Erde ein Brötchen mit Westfälischem Grillschinken besorgt hätte.

Die Spuren der Feierlichkeiten nach dem Final-Einzug waren Samstag noch nicht alle beseitigt...

Die Spuren der Feierlichkeiten nach dem Final-Einzug waren Samstag noch nicht alle beseitigt…

Ein Grillschinken-Brötchen hätte man als Fan zwischenzeitlich auch gern mal gehabt – das hätte einen vielleicht ein bisschen von dem ziemlich mäßigen Fußballspiel auf dem Rasen abgelenkt. Die allerhöchste Fußballkunst hatte wohl bei den Aufstellungen niemand ernsthaft erwartet, aber phasenweise zog es sich doch ganz schön in die Länge.

Schönes Tor von Großkreutz

Von Beginn an war beiden Mannschaften anzumerken, dass es nicht mehr um allzu viel ging. Schon nach knapp zehn Minuten erlaubte sich die zur Hälfte neu formierte BVB-Abwehr eine erste Unkonzentriertheit, die fast zum 1:0 für Bayern durch Shaqiri führte – oder hätte führen können, wenn nicht auch der Münchner offenbar mit Gedanken schon in Wembley gewesen wäre.

Zwei Minuten später machte es der BVB besser. Ilkay Gündogan passte auf Juakub Blaszczykowski, der schlug von der linken Seite eine schöne Flanke auf Kevin Großkreutz. Der „Dortmunder Junge“ nahm den Ball volley und haute ihn ins Tor. Ein wirklich schönes Tor von Großkreutz, der bestimmt insgeheim schon länger gehofft hatte, Manuel Neuer mal einen reinhauen zu können. Oft hat er in dieser Saison zwar nicht getroffen, aber zumindest hat er sich für seine beiden bisherigen Saisontore immer Gegner ausgesucht, die man besonders gern verlieren sehen möchte: am 17. Spieltag den sympathischen Traditionsverein aus dem Kraichgau und nun den moralisch über alles und jeden erhabene Brachenprimus aus Nordtirol. Weiter so, Kevin! Am 33. und 34. Spieltag sowie im CL-Finale warten auch noch mal ganz sympathische Gegner…

Gomez gleicht aus

Lange konnten sich die BVB-Fans über die Führung aber nicht freuen, denn das Fehlpassfestival auf beiden Seiten wurde nach knapp 25 Minuten mal kurzzeitig unterbrochen, als die Bayern das erste Mal gefährlich vors BVB-Tor kamen und Gomez, der lange Lulatsch das Ding an den Innenposten köpfte, von wo aus der Ball dann ins Tor prallte. Die Vorlage kam ausgerechnet von Rafinha, der später alles tat sich seinen bereits auf Schalke erworbenen Ruf als Ratte auch weiterhin zu verdienen.

In der ersten Halbzeit gab es dann erst mal nichts Berichtenswertes mehr. Je eine Chance von Robert Lewandowski und Mario Gomez war alles, was beide Mannschaften noch zustande bekamen.

Die zweite Hälfte fing dann auch eigentlich genau so an, wie die erste aufgehört hatte: B-Elf-mäßig.

Lewandowski versemmelt Elfer

In der 58. Minute wurde es dann wieder laut im Westfalenstadion, als Jerome Boateng einen Schuss von Nuri Sahin im Strafraum an die Hand bekam. Schiedsrichter Gagelmann pfiff Elfmeter. Lewandowski legte sich den Ball zurecht, doch schon bei der merkwürdigen Kurve, die er beim Anlauf nahm, beschlich viele ein ungutes Gefühl, das sich eine Sekunde später bewahrheiten sollte, als Neuer den relativ schwach geschossenen Elfer des Polen hielt. Der gegen Real war besser, Robert!

Jetzt kam zumindest mal Leben in die Bude. Rafinha erfand die Fußball-Regeln neu und beschloss, dass es fortan erlaubt ist, seinem Gegenspieler den Ellbogen mit voller Wucht ins Gesicht zu rammen. Zu seinem Unglück hatte er vergessen, diese Regeländerung dem Schiri mitzuteilen. Der war deshalb ähnlich wie der Großteil der 80.675 Zuschauer nicht einverstanden, als Rafinha seine neue Regel in die Tat umsetzte und Blaszczykowski den Ellbogen ins Gesicht rammte.

Krawall auf höchster Ebene

Es kam zur Rudelbildung, in dessen Verlauf Jürgen Klopp und Matthias Sammer (war der wirklich mal beim BVB?…) aneinandergerieten. Rafinha war noch nicht am Ende seiner Weisheit und bohrte dann auch noch im Gesicht von Blaszczykowski herum – der mit bewundernswerter Coolness darauf reagierte. Allein dafür hätte Rafinha glatt Rot verdient gehabt, ebenso für seine Tätlichkeit zuvor. Schiri Gagelmann zeigte ihm leider nur Gelb-Rot und blieb dabei auch, als Rafinha dann auch noch ein bisschen Show abzog, anstatt sich endlich in die Kabine zu trollen. Es gibt Menschen, die ändern sich nie.

Jetzt war Feuer im Spiel und nun war auch die Südtribüne voll da. Der BVB wollte es jetzt wissen. Goldene Ananas hin oder her, aber nun sollte der Sieg her. Die Bayern hatten sich mit dem 1:1 inzwischen abgefunden und zogen sich tief zurück. Dortmund übernahm im letzten Spieldrittel (das klingt jetzt eher nach einer amerikanischen Sportart…) die Kontrolle über das Spiel. Doch am Ende hatte keiner die zündende Idee, die Bayern ins Wanken gebracht hätte. Es blieb beim Unentschieden.

Remis in Ordnung

Die Mannschaft kam zur Süd, wurde mit „Finale“-Gesängen empfangen und bekam dann die Botschaft mit auf den Weg: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ Irgendwie auch skurril, wenn man vor nicht einmal einer Minute ein Spiel gegen Bayern beendet hat.

Mit dem 1:1 schienen irgendwie alle ziemlich gut leben können. Keine Niederlage eingesteckt, Bayern konnte den BVB erneut nicht besiegen und so war’s dann irgendwie doch ein netter Abend bei schönstem Fußballwetter. Eine Generalprobe für Wembley war es dann eher nicht. Eher eine Art Warmlaufen. Und man hat mal wieder ein paar Gründe mehr gesammelt, für die es sich unbedingt lohnen würde, die Bajuwaren in London zu besiegen.

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic, Santana, Schmelzer – Kehl (71. Reus), Sahin – Blaszczykowski (84. Bender), Gündogan (14. Leitner), Schieber – Lewandowski
Bayern München: Neuer – Rafinha, van Buyten, Boateng, Contento – Timoschtschuk, Luiz Gustavo – Shaqiri, Pizarro (76. Müller), Alaba (90.+2 Højbjerg) – Gomez (67. Can)
Tore: 1:0 Großkreutz (11.), 1:1 Gomez (23.)
Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Blaszczykowski (1) / Boateng (5), Can (1), Luiz Gustavo (6), Timoschtschuk (2)
Gelb-Rote Karte: Rafinha (65./wiederholtes Foulspiel)
Besonderes Vorkommnis: Lewandowski scheitert mit Handelfmeter an Neuer (60.)

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