Ärgerliche Niederlage gegen Hoffenheim: BVB versemmelt Saisonabschluss

Nach dem Spiel war die Stimmung gedrückt. Feierstimmung vor dem Champions-League-Finale gegen die Bayern wollte zuerst nicht aufkommen, als die Mannschaft zur Südtribüne getrottet kam. Dann aber doch, fast trotzig, der Gesang von der Süd: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ Eigentlich ist Hoffenheim doch egal. Auch wenn es kein tolles Gefühl ist, wenn ausgerechnet der BVB – der wohl mit Abstand am aggressivsten gegen das „Projekt“ protestiert hat, es nicht schafft, diesen Drecksverein in Liga zwei zu schießen.

Eigentlich war die Sache doch vollkommen klar. Augsburg rettet sich, Düsseldorf muss in die Relegation und Hoffenheim steigt direkt ab. Schließlich rechnete niemand damit, dass die Kraichgauer in Dortmund allen Ernstes gewinnen würden. Da hilft es den nun direkt abgestiegenen Düsseldorfern auch wenig, dass der BVB über 90 Minuten die bessere Mannschaft war und Hoffenheim überhaupt nichts auf die Kette bekam.

Frühe Führung

Eigentlich fing das Spiel gut an für Borussia. Schon nach sechs Minuten ging der BVB durch Robert Lewandowski in Führung, der den Kampf um die Torjägerkanone noch nicht aufgegeben hatte und in diesem Moment Stefan Kießling einholte. Dortmund kontrollierte das Spiel, Hoffenheim hatte den Gastgebern spielerisch praktisch nichts entgegen zu setzen und versuchte dies, wie erwartet, mit Härte in den Zweikämpfen zu kompensieren. Eine Weile plätscherte das Spiel vor sich hin. Gegen Ende der ersten Halbzeit drängte der BVB auf die Entscheidung, konnte aber die Chancen nicht im Tor unterbringen.

TSG-Torwart Casteels verhinderte auch Anfang der zweiten Halbzeit das 0:2 aus Sicht der Gäste. Dabei muss der BVB sich auch den Vorwurf gefallen lassen, im Strafraum erneut nicht konsequent genug agiert zu haben. Dennoch sah es lange nicht danach aus, als sei der BVB-Sieg ernsthaft gefährdet. Zu grottig spielte Hoffenheim.

Spielverlauf auf den Kopf gestellt

Doch in der 76. Minute nahm das Unheil seinen Lauf. Mats Hummels kam zu spät gegen Volland, verletzte sich in der dieser Szene auch noch und es gab Elfmeter für Hoffenheim. Salihovic verwandelte ihn sicher zum 1:1. Völlig unverdient und extrem ärgerlich. Doch es kam noch schlimmer. Hoffenheim glaubte nach dem 1:1 tatsächlich, irgendetwas zu können und drängte nun in Richtung BVB-Tor. Nur ein paar Minuten nach dem Ausgleich konnte Roman Weidenfeller Schipplock nur durch eine Notbremse stoppen – wieder gab es Elfmeter für Hoffenheim und zu allem Überfluss sah der Keeper auch noch die Rote Karte. Sehr hart, da diese Doppelbestrafung normalerweise meistens nicht angewendet wird, aber dennoch regelkonform.

Das Wechselkontingent von Jürgen Klopp war bereits erschöpft, so dass eine Einwechslung von Mitch Langerak nicht möglich war. Doch Kevin Großkreutz schnappte sich beherzt ohne weitere Diskussion und ohne zu zögern das Torwarttrikot von Weidenfeller und die Torwarthandschuhe und stellte sich ins Tor. Nach dem Spiel gab der Dortmunder Junge selbstbewusst zu Protokoll, er sei sich eigentlich ganz sicher gewesen, dass er den Elfmeter halten würde. Dieses Gefühl trog ihn aber leider, gegen Salihovics trockenen Schuss in die Mitte hatte er keine Chance.

Vermeintliches 2:2

In der Nachspielzeit gab es dann ein letztes Mal Dramatik. Der letzte Angriff des BVB, Aushilfstorwart Großkreutz rannte unter dem Jubel der Fans mit nach vorne, Marcel Schmelzer schoss aufs Tor und der Ball war drin! Ausgleich in der letzten Minute! Denkste!

Alles jubelte, die Stadionregie spielte die Tormusik und plötzlich hieß es: Kommando zurück, das Tor zählt nicht. Der aus dem Abseits kommende Lewandowski hatte den Torwart irritiert und damit aktiv ins Spiel eingegriffen. Enttäuschung im Westfalenstadion und lähmendes Entsetzen in Hannover wo die Düsseldorfer auf den Dortmunder Ausgleich gehofft hatten.

So rettete sich Hoffenheim tatsächlich in die Relegation und feierte mit seinen 28 mitgereisten Fans, als sei der Klassenerhalt schon sicher. Nun liegt es in der Hand von Kaiserslautern, dem „Projekt“ den vorläufigen Todesstoß zu versetzen – eine Aufgabe, an der der Champions-League-Finalist Borussia Dortmund hauptsächlich deshalb gescheitert war, weil er zu fahrlässig mit seinen Chancen umging.

Keine Verabschiedung für Götze

Eine Frage, die sich am Rande viele gestellt hatten, wurde nicht beantwortet: wie würde Mario Götze verabschiedet werden? Die Antwort: Gar nicht.

Verabschiedet wurde nur der von vielen Verletzungen gebeutelte Patrick Owomoyela, dessen auslaufender Vertrag nicht mehr verlängert wurde. Der Rechtsverteidiger vergoss viele Tränen, als er den obligatorischen Blumenstrauß erhielt und als ihn die Südtribüne noch einmal feierte. Sportlich ist die Entscheidung des BVB sicher nachzuvollziehen, aber menschlich ist wirklich schade, einen so sympathischen Typen wie „Uwe“ zu verlieren.

Mario Götze indes wurde gar nicht verabschiedet, er wurde mit keinem Wort erwähnt. Ob er auf seinen eigenen Wunsch hin nicht verabschiedet wurde oder ob der Verein ihn nicht verabschieden wollte, weiß man nicht. Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass dies in gegenseitigem Einvernehmen so geregelt wurden, denn seien wir doch mal ehrlich: Was hätte das auch gebracht? Mehr als ein donnerndes Pfeifkonzert hätte der Mittelfeldspieler wohl nicht zu erwarten gehabt und so viel Gift wollte kurz vor dem CL-Finale wohl niemand hinein bringen.

Das Beste kommt zum Schluss

Nun ist die 50. Bundesliga-Saison beendet für den BVB. Am Ende steht Platz zwei und die direkte CL-Qualifikation. Unterm Strich kann man also zufrieden sein. Doch das absolute Highlight der Saison wartet ja noch. Wie formulierte es der BVB in seiner Marketing-Kampagne so treffend? „Das Beste kommt zum Schluss.“ In nur einem Spiel hat der BVB die Chance, die vermeintlich klaren Machtverhältnisse in Deutschland wieder umzuwerfen und der sportlichen Entwicklung der letzten Jahre die Krone aufzusetzen.

Wembley calling!

Borussia Dortmund 1:2 (1:0)

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek (69. Schieber), Subotic, Hummels (78. Felipe Santana), Schmelzer – Bender (60. Kehl), Gündogan – Blaszczykowski, Reus, Großkreutz – Lewandowski

1899 Hoffenheim: Casteels – Beck, Abraham, Vestergaard, Johnson – Polanski, Rudy (46. Szarka) – Ochs (58. Schipplock), Salihovic, Volland – Roberto Firmino (85. Süle)

Tore: 1:0 Lewandowski (6.), 1:1 Salihovic (77./Foulelfmeter), 1:2 Salihovic (82./Foulelfmeter)

Gelbe Karten: Reus (4) / Roberto Firmino (9), Rudy (7), Schipplock (4), Vestergaard (6)
Rote Karte: Weidenfeller (80./Notbremse) / –

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s