Die Reise geht zu Ende: Holt den Henkelpott nach Hause!

Lang war der Weg. So langsam wird das Benzin knapp. Es könnte aber noch genau bis zum Ziel reichen. Zumindest dann, wenn alles passt auf dem letzten Stückchen Strecke. Natürlich konnte man den Weg vorher einigermaßen abschätzen, doch da wusste man noch nicht, dass bereits die ersten Etappen nicht über erwartet holperige Autobahnen, sondern gar über steinige, ungepflasterte Bergstraßen führen würde.

Natürlich wusste man vorher, dass der Weg nicht einfach ist und man war sich am Anfang auch gar nicht sicher, ob man überhaupt am Ziel ankommen würde. Eigentlich war das unwahrscheinlich, denn das Auto, mit dem wir unterwegs waren, war zwar ein sehr gutes und auch nicht gerade billiges Modell. Doch es war auch auf den internationalen Straßen noch recht unerprobt und war im Jahr davor noch sang- und klanglos irgendwo zwischen Piräus und Marseille am Straßenrand einfach abgesoffen und musste ins Ruhrgebiet abgeschleppt werden. Dafür hagelte es dann Kritik, man warf uns vor, dass wir uns für diese lange Fahrt nicht ein besseres, teureres Auto besorgt hatten.

Spaß an der Reise

Doch wir mochten unser Auto. Wir wollten kein anderes. Es hatte uns schon weit gebracht und wir waren uns sicher, dass es bei der richtigen Pflege und Wartung mit der Zeit ein absoluter Spitzenwagen werden könnte, für den dann auch eine lange Reise kein großes Problem mehr wäre. Dass wir in diesem Jahr schon bis ans Ziel kommen würden, hatten wir eigentlich nicht erwartet. Nein, wir hatten einfach Spaß an der Reise und freuten uns über jede weitere Etappe, die unser braves, schwarzgelbes Auto mit überraschend wenig Aussetzern meisterte.

Als wir den vorläufigen Plan für die Route bekamen, erschraken wir vor allem über die steinigen Bergstraßen in England und Spanien, die wir fahren sollten. Und die Niederlande sind zwar eigentlich eher flach, doch auch dort hatte man ein etwas hügeliges Stück Strecke gefunden, das man uns nun aufs Auge drückte. Doch unser Auto fuhr diese Bergstraßen, als hätte es seit Jahren nichts anderes gemacht. Als wäre es im Jahr davor nicht an einer verhältnismäßig leichten Steigung abgesoffen. Wir begannen, unserem Gefährt mehr zuzutrauen.

Ukraine im Februar

Begeistert waren wir aber nicht, als uns der nächste Streckenabschnitt mitgeteilt wurde: mitten im Februar sollten wir durch die Ukraine fahren! Na, herzlichen Dank auch. Dort war es nicht nur kalt, sondern man hatte sich dort auch noch ein besonders anspruchsvolles Stück Strecke für uns ausgesucht. Durch die ukrainische Provinz im Donezkbecken kam unser Auto aber ganz gut. Zurück in Deutschland ging es dann über eine frisch geteerte, gut ausgebaute Autobahn. Die Etappe war am Ende viel leichter als erwartet.

Zur Belohnung ging es wieder ins warme Spanien, diesmal auf ein Stück Strecke, das deutlich leichter zu bewältigen sein würde als die Bergstraße zu Beginn der Reise. Doch auf einmal stotterte der Motor unseres Autos etwas. Unser Auto fuhr, keine Frage. Wir hatten auch zuerst keine Angst, dass es absäuft. Doch auf dem Rückweg passierte es: eine Panne kurz vorm Etappenziel. Der Motor rauchte, das Auto gab komische Geräusche von sich und dann schien es keinen Mucks mehr zu tun. Nein, nicht schon wieder, dachten wir. Zwar waren wir schon weit gekommen und wir hätten uns nicht unbedingt schämen müssen, die Reise an diesem Tag beenden zu müssen, aber wir hatten mittlerweile eine riesige Freude an der Reise und wollten noch nicht, dass sie zu Ende ist!

Und – auch wenn das keiner so richtig zugeben wollte – je näher man dem Ziel kam, desto mehr hoffte man natürlich auch, tatsächlich anzukommen.

Zurück im Leben

Doch als wir schon alle Hoffnung begruben und die ersten Mitreisenden schon mutlos in ein Taxi zurück nach Hause gestiegen waren, passierte es: unser Auto gab plötzlich ein Schnauben von sich. Wir traten noch mal versuchsweise das Gaspedal durch und tatsächlich: das Auto stotterte etwas, knatterte und rollte dann ein paar Meter nach vorn. Würden wir die Reise vielleicht doch fortsetzen können? Wir traten noch einmal das Gaspedal und mit einem Mal gab das Auto ein lautes, übermenschliches Brüllen von sich und schoss los wie der Blitz! Wir waren zurück auf der Autobahn und die Karre fuhr, als hätte es die Panne nicht gegeben! Ja vielmehr hatten wir das Gefühl, das Auto fuhr besser als je zuvor!

Einfach unglaublich, was in dieser Karre alles drin steckte! Als uns die nächste Etappe mitgeteilt wurde, wussten wir schon vorher, dass sie schwer werden würde. Drei Wege standen zur Auswahl, einer war schwerer als der andere. Im Grunde war es also völlig egal, welchen wir zugeteilt bekommen würden. Wir bekamen die Bergstraße in Spanien, die wir schon zu Beginn unserer Reise kennengelernt hatten. Gerüchteweise sollte sie inzwischen noch steiniger geworden sein.

Probleme kurz vorm Ziel

Davon merkte man zunächst aber nicht viel. Als sei das schwarzgelbe Auto angespornt davon, wie spektakulär es die Panne überwunden hatte, schoss es über die steinige Bergstraße als sei es die A44 zwischen Dortmund und Bochum: dreispurig, ohne Tempolimit, wenig befahren. Doch dann ganz am Ende dieser Etappe – wir konnten das Ziel in der Ferne sogar schon sehen! – fing der Motor wieder an, zu stottern. Oh nein, doch nicht so kurz vorm Ziel! Unser Auto machte plötzlich Dinge, die es sonst nie tat: es nahm jedes Schlagloch mit, schrammte an Begrenzungspfeilern vorbei und kam einige Male dem Abgrund gefährlich nah. Die Karre drohte fast, auseinander zu brechen. Aber sie hielt. Sie hielt! Und da kam die Ziellinie der Etappe. Das Auto kroch mehr als dass es über die Linie fuhr. Doch nun konnten wir das Ziel ganz deutlich sehen, wir waren so gut wie da. Wir hatten sie gemeistert: die letzte Etappe auf der Straße nach Wembley.

Viele andere Autos hatten den Weg nicht geschafft. Nur ein anderes Auto, ein ziemlich teures, rotes aus Bayern, hatte mit uns den Weg beendet. Auch sie hatten unterwegs manchmal Schwierigkeiten und kleinere Pannen, kamen letztlich aber doch souverän ins Ziel. Doch das letzte, vielleicht steinigste und schwerste Stück steht dem schwarzgelben und dem roten Auto noch bevor.

Es kann nur Einen geben

Und es kann nur Einen geben. Nur eines dieser Autos wird die Reise ganz zu Ende bringen. Einer wird sich am Ende sagen müssen, dass er dem endgültigen Ziel zwar unheimlich nahe war, aber den Weg doch nicht ganz geschafft hat. Dass ihm am Ende ein paar Meter fehlten.

Eine lange Reise liegt hinter uns, hinter unserem BVB. Eigentlich hat sie ja noch viel länger gedauert als nur eine Saison. Vielleicht fing sie 2005 an, als der Verein auf der Totenbahre lag. Nur acht Jahre später steht er im Champions-League-Finale. Wer damals daran geglaubt hat, muss ein außerordentlich optimistischer Mensch sein.

Kein Grund zur Trauer

An dieser Stelle könnte ich jetzt über mögliche taktische Systeme philosophieren, über die Stärken und Schwächen der Bayern etc. Aber ich überlasse das mal den professionellen Sportmedien. Wer in dieser Woche mal durch die Dortmunder Innenstadt gegangen ist, konnte beobachten, wie sich die Stadt aufpolierte, alles in schwarzgelb dekorierte. Wortfetzen der Passanten beinhalteten unverhältnismäßig oft die Worte „Wembley“, „Borussia“, „Bayern“, „Finale“ und „Samstag“.

Das Schöne ist: auch wenn wir natürlich gerne das letzte Stückchen auch noch schaffen wollen, so gibt es keinen Grund zur Trauer, wenn das Auto die letzten paar Meter vielleicht doch nicht schafft. Denn die Mannschaft hat eine ganze Stadt zum wiederholten Male unglaublich stolz gemacht und Sympathien auf der ganzen Welt gesammelt. 48 Prozent aller Deutschen wünschen dem BVB den Titel, nur 25 Prozent dem FC Bayern. Und in Dortmund wussten wir schon immer, wie man feiert. Und wir wussten hier immer, dass es nicht immer nur die ganz großen Erfolge sind, die feiernswert sind.

Holt den Pott nach Hause!

Doch eins ist auch klar: diese Stadt sehnt sich nach dem Titel. Umso mehr, weil es gegen die arroganten Bayern geht, die sich schon wie der sichere Sieger fühlen.

Klar kann in einem Finale immer alles passieren. Doch seien wir mal ehrlich. Der BVB ist klarer Außenseiter. Das war er aber 1997 auch. Diese Rolle liegt dem BVB. Und der FC Bayern hat viel zu verlieren. Er hat die Arbeit einer ganzen Saison zu verlieren.

Der BVB hat im Grunde nichts zu verlieren. Aber ganz viel zu gewinnen. In diesem einen Spiel ist alles möglich. Holt den Henkelpott nach Hause!

Die voraussichtliche Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Gündogan, Kehl (Bender) – Großkreutz, Reus, Blaszczykowski – Lewandowski

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