Frohes neues Jahr!

Fußballfans sind wahrscheinlich die einzige Spezies auf der Welt, die gleich zwei Mal im Jahr Silvester feiert – am 31. Dezember und am letzten Spieltag. Entsprechend können wir auch zwei Mal auf das neue Jahr anstoßen.

Und sogar die Begleiterscheinungen sind ähnlich: man wünscht seinen Bekannten ein frohes neues Jahr, man stößt gebührend darauf an, gute Vorsätze werden gefasst, man umarmt seine Bekannten und man blickt hoffnungsfroh auf die kommenden Monate, gespannt, was diese einem wohl bringen werden. Es ist die Zeit, um Altlasten hinter sich zu lassen (z.B. ein verlorenes Champions-League-Finale) und nach vorn auf das Kommende zu schauen.

Eine Aufbruchstimmung macht sich breit. Dies ist beim BVB dieses Jahr ganz besonders zu spüren. Lag nach dem CL-Finale noch eine Mischung aus Stolz, aber vor allem auch Trauer über die verpasste Chance über der Fußballhauptstadt, so ist dies spätestens mit Beginn des Trainingslagers und den ersten Auftritten der Neuzugänge bei den meisten Fans in freudige Erwartung umgeschlagen.

Das Kribbeln ließ auf sich warten

Dabei dauerte es in diesem Jahr doch bei vielen etwas länger, bis das Kribbeln wieder begann. Dazu trug nicht nur das verlorene Finale bei, sondern auch das Ausbleiben von Neuzugängen. Doch dann kamen kurz hintereinander Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkhitaryan. Beide deuteten schon in den ersten Auftritten ihr Können an, dazu trumpften junge Nachwuchsspieler wie Jonas Hofmann, Erik Durm und Marvin Ducksch in den Testspielen auf und weckten die leise Hoffnung, dass erstmals nach Mario Götze wieder einmal junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung in die Profimannschaft schaffen könnten.

Ärgerlich war die Verletzung von Mkhitaryan, der nun zumindest das erste Bundesligaspiel beim FC Augsburg wohl noch verpassen wird. Andererseits, was soll’s? Gibt es einen schöneren Ort für die Bundesliga-Premiere des sympathischen Armeniers als das ausverkaufte Westfalenstadion? Nachdem er im Trainingslager bereits hinreichend von „Uns Kevin“ in Sachen Dortmunder Fankultur und Fangesänge instruiert worden ist, kann er diese dann direkt bei seiner Premiere aus eigener Anschauung erleben. Läuft.

Trotz des Wechsels von Mario Götze, der bei seinem neuen Arbeitsgeber bisher vor allem durch kontinuierliches Verärgern der Vereinssponsoren in Erscheinung getreten ist und trotz des Abschieds auf Raten, den Robert Lewandowski seit Monaten vollzieht, scheint die Sonne über Dortmund wieder im hellsten Gelb.

Erstes Ausrufezeichen

Ein erstes Ausrufezeichen war der 4:2-Sieg im Supercup gegen den FC Bayern. Nicht so sehr wegen des sportlichen Werts dieses Wettbewerbs – man kann sich sicher darüber streiten, ob die Austragung eines Supercups überhaupt Sinn ergibt, wenn Meister und Pokalsieger identisch sind – sondern vor allem wegen des Signals an die Liga. Praktisch die gesamte deutsche Sportpresse erklärte die Bayern schon Wochen vor dem Bundesliga-Start zum Sieger in allen Wettbewerben und man überlegte ernsthaft und kritisch, wer denn diese „Super-Bayern“ überhaupt noch stoppen könne.

Auch wenn in der Bundesliga sportlich wohl nur der BVB und mit Abstrichen vielleicht noch Leverkusen und Schalke, die sich beide gut verstärkt haben, mit den Bayern einigermaßen mithalten können, so zeigte der Supercup doch, dass auch die Bayern-Spieler nur aus Fleisch und Blut sind. Und es wurde ganz deutlich, dass Pep Guardiola im Moment dabei ist, eine funktionierende Mannschaft völlig durcheinander zu würfeln. Er mag einen Plan haben und möglicherweise greift dieser Plan in ein paar Wochen auch. Aber bis dahin sind sie verwundbar und alles andere als unschlagbar. Es zeigte sich ganz deutlich, dass man auch die angeblichen „Über-Bayern“ ganz schnell auf die Erde zurück holen kann, wenn man ihnen entschlossen und mutig entgegen tritt – etwas, das die meisten Klubs in der abgelaufenen Saison nicht taten.

Großkreutz wieder dabei

Im DFB-Pokal erledigte der BVB seine Pflichtaufgabe beim SV Wilhelmshaven mit 3:0 standesgemäß, aber nicht so souverän, wie es das Ergebnis vermuten lässt. Lange tat sich die Borussia mit den diszipliniert dagegen haltenden Norddeutschen, bis ein Gewaltschuss von Kevin Großkreutz den Knoten löste.

Apropos Großkreutz: dank seiner Variabilität ist die Baustelle auf der Rechtsverteidigerposition, die sich durch den langen Ausfall von Lukasz Piszcczek in Folge seiner Leisten-Operation aufgetan hatte, wohl geschlossen. Statt Sokratis wie ursprünglich angenommen beorderte Jürgen Klopp den deutlich offensiveren Dortmunder Jungen in fast allen Spielen auf diese Position und er zeigte dort durch die Bank ordentliche bis sehr gute Leistungen. Er dürfte dort zum Saisonstart als Rechtsverteidiger erst einmal gesetzt sein und hat entgegen aller Experten- und Fanmeinungen wieder einmal seinen Platz in der Mannschaft gefunden, nachdem er wie üblich vor der Saison schon aus der Mannschaft geschrieben wurde.

Die Aufsteiger

Auch außerhalb von Dortmund hat sich was getan in der Bundesliga: mit Eintracht Braunschweig begrüßt die Liga einen Traditionsverein zurück im Oberhaus. Leider sind die Niedersachsen wohl auch allererster Abstiegskandidat, da sie wenig in die Mannschaft investierten und ähnlich wie Greuther Fürth im letzten Jahr im Wesentlichen mit der Aufstiegstruppe in der Bundesliga bestehen wollen. Außerdem ist die alte Dame aus der Hauptstadt nach einem kurzen Zweitliga-Intermezzo zurück in der ersten Liga. Das Auswärtsspiel in Berlin am letzten Spieltag dürfte wie immer ein echtes Highlight werden – und wenn alles gut geht, kann man direkt noch eine Woche in der Hauptstadt dran hängen und den goldenen Pott mit nach Dortmund nehmen.

Eine schwierige Saison dürfte dem SC Freiburg bevorstehen. Sie befinden sich in einer ähnlichen Lage wie Hertha BSC vor einigen Jahren: nach einer sehr guten Saison verloren sie einen Großteil ihrer Leistungsträger und müssen trotzdem die Dreifachbelastung aus Bundesliga, Pokal und Europa League stemmen. Bei aller Freude über den Europapokal muss man sehen, wie Christian Streich die Abgänge auffängt und wie die Mannschaft diese zusätzliche Belastung wegsteckt. Hertha stieg in einer ähnlichen Konstellation 2010/2011 ab – hoffen wir, dass dieses Schicksal dem Sportclub aus dem Breisgau erspart bleibt.

Gleich geht’s los

Was den Meistertitel angeht, sind die Bayern sicherlich wieder klarer Favorit. Wer so viel Geld ausgibt, ist immer Favorit. Viele glauben, dass es auf einen Zweikampf mit Dortmund hinausläuft. Egal, ob die Bayern am Ende wirklich wieder Meister werden: 25 Punkte Abstand zum BVB werden es in dieser Saison sicher nicht werden, denn der BVB hat durch seine variablen Neuzugänge in der Offensive vor allem in der Breite an Qualität zugelegt.

Noch ein paar Stunden, dann wird die 51. Bundesliga-Saison mit der Partie Bayern München – Borussia Mönchengladbach angepfiffen. Am Samstag steigt der BVB dann endlich wieder ein, Gegner ist der FC Augsburg, der sich erneut durch eine spektakuläre Aufholjagd vor dem Abstieg rettete, aber in den Spielen gegen den BVB böse unter die Räder geriet. Ein Auftaktsieg ist in Augsburg normalerweise Pflicht und würde der Mannschaft den nötigen Schwung geben. Andererseits darf man Augsburg nicht unterschätzen. Gegen den BVB braucht keine Mannschaft eine Extra-Motivation und Augsburg spielt vor eigenem Publikum. Zu sorglos sollte man also dort nicht agieren und vor allem nicht wieder reihenweise gute Torchancen fahrlässig vergeben. Man kennt das ja, dann setzt der Gegner einen Sonntagsschuss und das Ding ist versiebt. Wäre kein Weltuntergang, muss aber auch nicht sein.

In diesem Sinne: euch allen ein frohes und gesegnetes neues Jahr!

Die voraussichtliche Aufstellung: Langerak – Schmelzer, Subotic, Hummels, Großkreutz – Sahin, Bender – Reus,Gündogan, Blaszczykowski – Lewandowski

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Ein Gedanke zu „Frohes neues Jahr!

  1. Super Bericht, Sylvia! Besonders die Erwähnung von Großkreutz finde ich super! Der Junge ist nicht nur als Identifikationsfigur total wertvoll – sondern auch aufgrund seiner Vielseitigkeit ein ganz wichtiger Mosaikstein im BVB-Puzzle!

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