Projekt 102 lebt: BVB holt weiter die volle Punkteausbeute

Schon zum zweiten Mal in der noch jungen Saison beschloss der BVB den Spieltag am Sonntagabend – und behielt trotz einiger Wackler im Abwehrverbund seine weiße Weste. 2:1 für Schwarzgelb hieß es am Ende.

Eintracht Frankfurt, das unter der Woche gegen Quarabag Agdam in die Europa League eingezogen war, war der erste auch nominell starke Gegner, mit dem Borussia sich in dieser Saison auseinander zu setzen hatte. Obwohl die Hessen gerade in der zweiten Halbzeit eine starke Vorstellung ablieferten, war der BVB am Ende einfach effektiver. Die größere individuelle Klasse, diesmal in Gestalt des Neuzugang und zweifachen Torschützen Henrikh Mkhitaryan, setzte sich am Ende durch, obwohl ein Unentschieden auch zumindest nicht völlig unverdient gewesen wäre.

Frühe Führung

Das Spiel begann direkt mit einem Schnitzer der Dortmunder Abwehr und einer dicken Torchance für Frankfurt. „Das fängt ja großartig an,“ dachte man sich vor dem Fernseher, ehe auf der anderen Seite Jakub Blaszczykowski die erste Chance für den BVB hatte und vergab. In der Folge entwickelte sich eine ansehnliche Partie mit zwei spielerisch starken Mannschaften. In der ersten Halbzeit war aber klar der BVB am Drücker. Zwar erspielte sich auch die Eintracht die eine oder andere Chance, doch die besseren und klareren Torchancen hatte der BVB.

Schon nach zehn Minuten stand es 1:0 für den Gast aus Westfalen. Kuba setzte Djakpa in der Vorwärtsbewegung unter Druck, eroberte den Ball und legte sofort den fünften Gang ein. Traumpass auf Mkhitaryan und der fackelte nicht lange. Sein erstes Bundesliga-Tor für den BVB! Hatte ihm in den ersten Spielen nach seiner Verletzung und der fast komplett verpassten Vorbereitung noch die Bindung zum Spiel gefehlt, so wirkten in Frankfurt die Offensivabläufe, die den Armenier in Szene setzten, schon deutlich eingespielter und flüssiger.

BVB macht den Sack nicht zu

Die meisten Angriffe kamen über die rechte Seite mit Kuba oder durchs Zentrum über Nuri Sahin, der aufgrund der Gündogan-Verletzung nun noch etwas Zeit hat, sich aufzudrängen. Auffällig blass blieb in diesem Spiel die linke Seite über Marcel Schmelzer und Marco Reus, die beide keinen Sahnetag erwischt hatten.

Leider konnte der BVB aus den vorhandenen Torchancen kein Kapital schlagen und verpasste es mal wieder, den Sack frühzeitig zuzumachen. Und Frankfurt war weit davon entfernt, aufgrund eines mickrigen Gegentores pflichtschuldigst in sich zusammen zu fallen und dem Champions-League-Finalisten das Feld zu überlassen.

Abwehr-Schwächen

Ganz im Gegenteil: praktisch mit der ersten Frankfurter Chance in der zweiten Halbzeit stand es 1:1 durch Vaclav Kadlec, dem Neuzugang der Eintracht. Das gab den Hausherren neuen Auftrieb und sie wurden zusehends stärker, begünstigt durch Fehler in der BVB-Defensive. Den völlig indisponierten Mats Hummels hatte Klopp schon zur Halbzeit vom Platz genommen („Gelb-Rot-gefährdet“, erklärte Klopp nach dem Spiel), doch die Einwechslung von Sokratis brachte zunächst auch keine Stabilität. So gut das Offensivspiel in der ersten Halbzeit schon ausgesehen hatte, so wacklig wirkte zeitweise der Abwehrverbund, bzw. vor allem die Innenverteidiger.

Paradox: obwohl Frankfurt offensiv in der zweiten Halbzeit deutlich mehr machte und viel mehr Chancen herausspielte, ging in der 56. Minute dann doch wieder der BVB in Führung. Kevin Großkreutz spielte den Ball fast an rechten Eckfahne zu Mkhitaryan und der zog alleine nach innen, raste in Richtung Strafraum, umkurvte dabei lässig ein paar Frankfurter, als seien sie rot-schwarze Fahnenstangen und schoss den Ball von der Strafraumkante halbhoch in die Maschen, Torhüter Trapp machte sich lang, doch konnte den Ball nicht mehr halten. Ein tolles Tor und eine Spitzen-Einzelleistung des armenischen Neuzugangs, die erahnen ließ, dass seine Qualität durchaus mit seiner hohen Ablösesumme korrespondiert.

Arbeitssieg

Eintracht Frankfurt drückte auf den Ausgleich, Klopp wechselte Sebastian Kehl ein, um etwas Stabilität in die Defensive zu bekommen. Am Ende spielte der BVB es dann aber runter und auch dank des hellwachen Roman Weidenfeller, der in diesem Spiel mal wieder zeigen durfte, wie stark er auf der Linie ist, konnte man am Ende die drei Punkte mit in den Ruhrpott nehmen.

Wie ist dieses Spiel nun zu bewerten? Sicherlich fällt das Ergebnis in die Kategorie „Arbeitssieg“ und wenn man ganz ehrlich ist, hätte man sich über ein Unentschieden als Borusse auch nicht allzu laut beschweren dürfen. Frankfurt hielt gut dagegen und gut mit, hatte aber auch Schwächen in der Defensive. Am Ende machte wohl dann vor allem die deutlich höhere Qualität in der Offensive beim BVB den Unterschied.

Mkhitaryans große Klasse

Schwächen sind vor allem in der Defensive zu erkennen. Diese müssen auf jeden Fall abgestellt werden, bis es dann gegen die wirklich starken Gegner in der Champions League und auch in der Liga geht. Offensiv hingegen machte die Leistung vor allem in der ersten Halbzeit durchaus Mut. Die Abläufe und Abstimmungen wirkten deutlich flüssiger und routinierter als in den ersten drei Spielen, die Integration von Mkhitaryan als Zehner geht voran. Zudem stellte der Neuzugang zum ersten Mal in der Bundesliga seine große Klasse zur Schau und lässt erahnen, dass er Götze ohne Qualitätsverlust ersetzen kann.

Also, auch wenn es defensiv noch nicht so passt, gibt es eigentlich wenig Grund zu meckern. Klopp ist mit der Abwehrleistung ebenfalls noch nicht zufrieden und man darf annehmen, dass der den Schwerpunkt im Training darauf legen wird, um die Schwächen abzustellen. Und bei aller berechtigten Kritik: der BVB ist alleiniger Tabellenführer und die einzige Mannschaft in der Liga, die noch keinen einzigen Punkt abgeben musste. Das hat nichts mit Glück zu tun, sondern auch mit einer gewissen Abgezocktheit, die man braucht, um auch Spiele zu gewinnen, in denen man vielleicht nicht so berauschend gespielt hat.

Nun steht erst einmal wieder eine dieser zahlreichen und völlig überflüssigen Länderspielpausen an. 17 Borussen werden mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sein, Jürgen Klopp kann dann unter der Woche am Trainigsgelände Skat mit Weidenfeller, Großkreutz und Schieber spielen.

Am 14. September geht es weiter, dann endlich mal wieder auf einem Samstag. Der BVB empfängt im Topspiel um 18.30 Uhr den Hamburger SV.

Eintracht Frankfurt: Trapp – Schröck, Zambrano, Anderson, Djakpa (67. Oczipka) – Russ, Flum (71. Schwegler) – Aigner, Rosenthal, Inui (83. Joselu) – Kadlec
Borussia Dortmund: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic, Hummels (46. Sokratis), Schmelzer – Sahin, Bender – Blaszczykowski (71. Aubameyang), Mkhitaryan, Reus (86. Kehl) – Lewandowski
Tore: 0:1 Mkhitaryan (10.), 1:1 Kadlec (36.), 1:2 Mkhitaryan (56.)
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Zambrano (2) / Hummels (1), Reus (1)

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