6:2: BVB deklassiert den HSV

Das war mal ein Ausrufezeichen! Kurz vor dem Beginn der Champions-League-Saison hat der BVB im eigenen Stadion den Hamburger SV regelrecht demontiert. So verdient der Sieg am Ende auch in der Höhe war: es sah nicht die ganze Zeit über nach einem klaren Dortmunder Sieg aus.

Als Hamburgs Westermann kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit zum 2:2 ausglich, da schrillten bei manch einem BVB-Fan schon die Alarmglocken. Geht das jetzt wieder los mit der Punkte-Versemmelei vor den Champions-League-Spielen?

Angefangen hatte der BVB vielversprechend: die HSV-Defensive, die Thorsten Fink in seiner Geburtsstadt Dortmund aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen in einer Dreierkette auflaufen ließ (!), wackelte von Beginn an beträchtlich. Es war ihr Glück, dass die ersten Dortmunder Abschlussversuche noch eher so mittel waren. Dieses Glück hielt aber nicht lange an. Ein Kopfball von Mats Hummels in der 13. Minute klatschte noch an die Latte, doch nur sechs Minuten später war es Pierre-Emerick Aubamenyang, der von einer haarsträubenden Fehlerkette der Hamburger profitierte, die ihren Abschluss bei dem ansonsten ziemlich starken René Adler fand. 1:0 für den BVB, schon „Aubas“ viertes Tor für seinen neuen Klub.

Mkhitaryan trifft wieder

Die Marschrichtung war damit vorgegeben, die HSV-Fans auf der Nordtribüne verharrten relativ stumm und bewegungslos im Gästeblock und ahnten wohl schon Böses. Es spielte nur eine Mannschaft und die trug schwarzgelb. Zwar stellte Fink seine Abwehr nach dem ersten Gegentor flugs wieder auf Viererkette um (das Experiment war ihm wohl doch zu heiß geworden), doch das nützte ihm zunächst mal wenig. Keine Viertelstunde nach dem 1:0 erhöhte Henrikh Mkhitaryan nach einer schnellen und sehenswerten Kombination über Marco Reus und Robert Lewandowski auf 2:0. Der Armenier ist ebenso wie Aubameyang offenbar ziemlich schnell angekommen in Dortmund.

Foto: Christina Kalin

Foto: Christina Kalin

Als sich alle auf den Rängen schon fragten, wie hoch der BVB den bedauernswerten HSV heute wohl abschießen würde, fiel plötzlich aus dem Nichts der Anschlusstreffer für die Hanseaten. Einmal hatte das Gegenpressing des BVB nicht funktioniert, der Ball ging im Mittelfeld verloren, wurde nicht zurückerobert und dann lies Neven Subotic den Hamburger Lam etwas zu unbedrängt nach innen ziehen. Dummerweise gelang dem dann auch noch ein Sonntagsschuss. Mit der ersten Chance machte der HSV direkt ein Tor.

Überraschender Ausgleich

Der Ausgleich in der 49. Minute war der zweite Torschuss der Hamburger, der Spielverlauf war auf den Kopf gestellt. Der BVB war eigentlich drückend überlegen, hatte Torchance und Torchance heraus gespielt (und ausgelassen…) und trotzdem musste man nun um die Punkte zittern.

Dass es nicht so läuft, wie in der letzten Saison, in der man das Spiel mit etwas Pech vielleicht sogar noch verloren hätte, zeigte sich dann aber Mitte der zweiten Halbzeit. Bis dahin waren die Hamburger erstmalig überhaupt ein bisschen im Spiel gewesen, wurden dann aber hoffnungslos von der BVB-Offensive zerlegt. Den Anfang machte wie schon in der ersten Halbzeit Aubameyang.

Nach einem Pass von Mkhitaryan brachte er den Ball aufs Tor und hatte etwas Glück, dass er Adler unter den Händen durch rutschte. 3:2. Ab jetzt hatte Hamburg keine Chance mehr. Die BVB-Offensive bot ein überragendes Schauspiel, überrannte den Gegner und kombinierte nach Lust und Laune. In der 73. Minute ließ Aubameyang einen klasse Pass von Reus durch zu Robert Lewandowski und der versenkte das Ding mit all seiner Coolness zum 4:2.

Klatsche für den HSV

Beim HSV brachen nun alle Dämme. Nur eine Minute später erhöhte Reus mit einem abgezockten Schlenzer auf 5:2. Auch Lewandowski wollte noch einmal. In der 81. Minute stand es 6:2 für Borussia. „Wer wird Deutscher Meister? BVB Borussia!“ schallte es von der Südtribüne, der BVB-Walzer wurde getanzt und man schunkelte sich dem Schlusspfiff entgegen. Der Schiedsrichter entschloss sich, das Leiden der Hamburger nicht unnötig zu verlängern und pfiff pünktlich ab.

Die Spieler lassen sich vor der Süd feiern. Foto: Christina Kalin

Die Spieler lassen sich vor der Süd feiern. Foto: Christina Kalin

Die Spieler fanden sich ein zur Party vor der Süd. Die zwei unnötigen Gegentore, die wieder einmal fahrlässige Chancenverwertung – alles geschenkt, wenn man den Gegner dann am Ende doch so auseinander nimmt. Der BVB führt mit 15 Punkten und einer deutlich besseren Torbilanz weiter die Tabelle vor den Bayern an, die in einem merkwürdigen Outfit, das wohl an Oktoberfest-Trachten angelehnt sein sollte, glanzlos 2:0 Hannover 96 geschlagen hatten. Die angeblich auf „Augenhöhe“ befindlichen Schalker krebsen auf Platz 9 herum und haben nach fünf Spieltagen schon acht Punkte Rückstand auf den BVB. Ich weiß ja nicht, wo bei den Blauen die Augen sitzen…

Englische Wochen beginnen

Doch muss man natürlich auch festhalten, dass die Tabelle erst dann eine richtige Aussagekraft bekommt, wenn die Englischen Wochen in vollem Gange sind. Erst dann wird sich zeigen, ob der BVB die Dreifachbelastung diesmal besser wegsteckt und ob er den Bayern in der Liga auch Paroli bieten kann, ohne gleichzeitig in der Königsklasse abzunippeln. Und auch im DFB-Pokal möchte man ja eine gute Rolle spielen.

Am Mittwoch beginnen sie wieder, die Englischen Wochen. Der BVB muss zuerst auswärts beim SSC Neapel antreten, dem wohl undankbarsten Los, das man aus Topf 4 bekommen konnte. Doch wie Hans-Joachim Watzke am Sonntag in der Fußball-Talkrunde „Sky 90“ so treffend formulierte: „Aus Sicht von Arsenal: wenn du aus Topf 3 Borussia Dortmund bekommst und aus Topf 4 den SSC Neapel, dann hast du auch kein Losglück gehabt.“ Und schon in der letzten Saison hat der BVB ja schon eindrucksvoll bewiesen, dass eine angebliche „Todesgruppe“ für ihn nicht unbedingt ein Nachteil sein muss.

Aufstellung BVB: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic (61. Sokratis), Hummels, Schmelzer (79. Durm) – Bender, Sahin – Aubameyang, Mkhitaryan (79. Hofmann), Reus – Lewandowski

Aufstellung HSV: Adler – Sobiech (46. Jiracek), Djourou, Westermann – Diekmeier, Arslan, Rincón (68. Calhanoglu), Lam – van der Vaart (85. Lasogga) – Beister, Zoua

Tore: 1:0 Aubameyang (19.), 2:0 Mkhitaryan (22.), 2:1 Lam (26.), 2:2 Westermann (49.), 3:2 Aubameyang (65.), 4:2 Lewandowski (73.), 5:2 Reus (74.), 6:2 Lewandowski (81.)

Schiedsrichter: Tobias Welz (Wiesbaden)

Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)

Gelbe Karten: — / Arslan (3), Diekmeier (2), Rincón (1), van der Vaart (2)

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