A night to forget: BVB verliert CL-Auftakt in Neapel

Das war wirklich ein bitterer Abend für Borussia Dortmund. Im Stadio San Paolo ging am Mittwochabend wirklich fast alles schief, was nur schief gehen konnte. Angesichts dieser Tatsache wirkt das Endergebnis 1:2 irgendwie glimpflicher als es während des Spiels empfunden wurde.

Aber der Reihe nach: nach dem Anpfiff entwickelte sich in der ersten halben Stunde ein rasantes, attraktives Fußballspiel. Beide Mannschaften präsentierten sich gedankenschnell und trotz mangelnder Torchancen war die Partie in dieser Phase atemberaubend. Der BVB fing stark an und ließ Neapel in der ersten Viertelstunde kaum ins Spiel kommen, doch deuteten die Süditaliener schon bei einigen Kontern ihre Klasse an. Nach einiger Zeit kippte das Spiel aber zugunsten Neapels, der BVB verlor den Faden und überließ dem Gegner mehr und mehr das Feld.

Viertelstunde des Grauens

Als die erste halbe Stunde gespielt war, brach eine „Viertelstunde des Grauens“ für den BVB und seine Fans an. Es ging damit los, dass Innenverteidiger Neven Subotic nach einem Zweikampf mit einer blutenden Platzwunde draußen behandelt werden musste. Wie einst Sammer ließ der Serbe sich kurzerhand tackern und wollte sich wieder ins Geschehen stürzen. Doch der vierte Offizielle war noch nicht zufrieden. Subotic ging wieder raus, ließ sich noch eine Klammer verpassen und durfte dann endlich wieder rein. Noch während er dabei war, aufs Feld zu laufen, ließ der Schiedsrichter Neapel einen Eckball ausführen. Und bevor die Dortmunder Abwehr sich wieder zur Gänze (mit Subotic) formieren konnte, schlug Insigne eine scharfe Flanke. Marcel Schmelzer kam zu spät, Higuain köpfte ein.

Passiert schon mal im Fußball, doch nun überschlugen sich die Ereignisse: Jürgen Klopp regte sich in bewährter Manier an der Seitenlinie darüber auf, dass der Schiedsrichter mit der Ausführung des Eckballs nicht gewartet hatte, bis Subotic wieder zur Mannschaft gestoßen war. Dazu ist der Schiri zwar nicht verpflichtet, allerdings wird es gemeinhin im Fußball ja doch so gehandhabt. Der temperamentvolle BVB-Trainer übertrieb es aber mit seinem Wutausbruch: zähnefletschend baute er sich vor dem vierten Offiziellen auf, er sah aus wie ein Werwolf kurz vor der Verwandlung. Der Schiedsrichter reagierte humorlos und schickte Klopp auf die Tribüne.

Rot für Weidenfeller

Der BVB schwamm nun, Neapel bekam immer mehr Überwasser. Dann zeigte auch noch Mats Hummels in der Nachspielzeit der ersten Hälfte an, dass er sofort ausgewechselt werden musste. Er hatte einen Schlag abbekommen und konnte nicht mehr weiter spielen. Für ihn kam mit Pierre-Emerick Aubameyang ein Offensivakteur, denn nach der Verletzung von Sokratis im Abschlusstraining saß mit Koray Günter auf der Bank nur noch ein junger Innenverteidiger ohne Bundesliga-, geschweige denn CL-Erfahrung.

Sven Bender rückte in die Innenverteidigung. Durch Hummels‘ Ausfall entstand erneut Verwirrung in der BVB-Hintermannschaft. In der 2. Minute der Nachspielzeit stürmte Weidenfeller aus seinem Kasten, um einen langen Ball auf Higuain abzufangen, geriet außerhalb des Strafraums, spielte den Ball mit der Hand – und sah regelkonform die rote Karte. Eine Katastrophe. Mitch Langerak kam für ihn rein, Kuba musste dafür raus.

Neapel verwaltete geschickt

In Unterzahl startete der BVB in die zweite Halbzeit, doch es war ziemlich schnell abzusehen, dass Borussia hier heute keinen Stich mehr machen würde. Neapel kontrollierte das Spiel, verwaltete das Ergebnis geschickt und suchte die Gelegenheit, das 2:0 zu machen, ohne selbst dabei große Räume zum Kontern anzubieten. Die BVB-Offensive, vor allem Rechtsverteidiger Kevin Großkreutz hatte ordentlich zu tun. Nach einer eher schwachen ersten Halbzeit mit einigen Fehlpässen und misslungenen Flanken, präsentierte sich dieser in Halbzeit zwei zweikampfstark und hellwach. Viele Angriffe räumte er ab oder klärte er in höchster Not. Auch Langerak führte sich mit ein oder zwei guten Paraden ein.

Das 2:0 konnten sie dennoch nicht verhindern, das hätte wahrscheinlich niemand gekonnt: einen Freistoß aus etwa 25 Metern zirkelte Insigne so perfekt aufs Tor, dass der Ball über die Mauer flog, die Torlatte unten touchierte und ins Tor prallte. Objektiv betrachtet ein wunderschönes Tor. Durch die BVB-Brille betrachtet, schwand nun eigentlich jede Hoffnung, durch einen Lucky Punch vielleicht wenigstens einen Punkt aus Italien mitnehmen zu können.

1:2 aus dem Nichts

Man kann wirklich nicht sagen, dass die Mannschaft aufgab. Das tat sie nicht, sie versuchte alles, um selbst zum Abschluss zu kommen, allerdings sorgte höchstens Aubameyang ab und zu mal für etwas Alarm vorm Neapolitaner Tor. Robert Lewandowski war bei seinem Gegenspieler über 90 Minuten in den allerbesten Händen, Henrikh Mkhitaryan tauchte nach einer starken Anfangsphase völlig ab und Marco Reus fing schwach an und ließ dann stark nach. Bis auf drei völlig ungefährliche Freistöße trat er eigentlich nicht in Erscheinung.

Und plötzlich, buchstäblich aus dem Nichts stand es nur noch 1:2. Irgendwie war es aber bezeichnend für diesen Abend, dass nicht mal ein BVB-Spieler das Tor gemacht hatte, sondern dass es ein relativ skurriles Eigentor von Zuniga war. Mit der Hacke beförderte er den Ball ins eigene Tor. Es war die 87. Minute und nun kam doch noch einmal zaghafte Hoffnung im schwarzgelben Lager auf. Vielleicht konnte man hier ja doch noch mit einem blauen Auge davon kommen? Der BVB warf nun alles nach vorne, doch es war zu spät. Neapel spielte die letzten Minuten clever runter, Torwart Reina hatte auf einmal massig Zeit bei der Ausführung des Abstoßes und es war klar: das reicht heute nicht für einen Punkt. Doch dieses Eigentor könnte vielleicht in der Endabrechnung noch mal wichtig werden, wer weiß?

Gebrauchter Tag

Dabei kann man der BVB-Mannschaft noch nicht mal einen richtigen Vorwurf machen. Bei Elf gegen Elf waren beide Mannschaften gleich stark, doch um in Unterzahl zu bestehen, dafür war Neapel auch im eigenen Stadion einfach zu stark. Die Borussen gaben auch in der zweiten Halbzeit nicht auf, versuchten alles, doch bekamen einfach keine Schnitte. Das Spiel war eigentlich nach der ersten Halbzeit gelaufen für den BVB, auch wenn es zu dem Zeitpunkt erst 0:1 stand.

Es war einfach ein gebrauchter Tag. Jürgen Klopp nahm die Niederlage nach dem Spiel auf seine Kappe, entschuldigte sich für seinen Wutausbruch und sagte selbstkritisch: „Mit dieser Aktion habe ich unnötig Unruhe ins Spiel meiner Mannschaft gebracht.“ Die Auswirkungen dieses Spiels sind am Donnerstagmorgen noch nicht absehbar. Weidenfeller wird sicher zwei Spiele Sperre aufgrund seiner roten Karte bekommen, mit viel Glück vielleicht nur eines. Jürgen Klopp wird anders als in der Bundesliga diesmal sicher auch nicht mit einer Geldstrafe davon kommen, die UEFA ist in solchen Fällen normalerweise eher streng.

Hirnrissige Pyro-Aktion

Zudem dürfte den BVB eine saftige Geldstrafe erwarten, da einige BVB-Fans das Spiel als ihre persönliche Bühne nutzen und ein ganzes Arsenal an Böllern und Bengalos abbrannten. Man kann zu Pyrotechnik stehen wie man will, aber in diesem Spiel war das einfach nur hirnrissig. Man sich auch mal überlegen, dass man damit den guten Ruf gefährdet, den die BVB-Fans sich international erworben haben. Und dass solche Aktionen auch international dazu führen können, dass die BVB-Fans künftig als „Risikogruppe“ eingestuft werden und von der jeweiligen Polizei auch so behandelt werden. Dass in manchen Ländern bei der Polizei der Knüppel noch lockerer sitzt als bei der deutschen Polizei sollte eigentlich auch jeder wissen. Aber auch diese Aktion passte zum allgemein beschissenen Tag, den der BVB in Neapel erlebte.

Das Gute an den Englischen Wochen ist: schon am Samstag geht es weiter. Es steht ein Auswärtsspiel in Nürnberg an und man kann nur hoffen, dass die Borussen ihren Frust dort mal so richtig an den Clubberern ablassen können und in der Bundesliga auf Kurs bleiben.

Aufstellung BVB: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic, Hummels (45.+1 Aubameyang), Schmelzer – Bender, Sahin – Blaszczykowski (45.+2 Langerak), Mchitarjan (76. Hofmann), Reus – Lewandowski
Aufstellung SSC Neapel: Reina – Maggio, Albiol, Britos, Zúñiga – Behrami, Inler – Callejón, Hamsik (90.+2 Mesto), Insigne (73. Mertens) – Higuaín (78. Pandev)
Tore: 1:0 Higuaín (29.), 2:0 Insigne (67.), 2:1 Zúñiga (87./Eigentor)
Schiedsrichter: Proença (Portugal)
Zuschauer: 55.766
Gelbe Karten: Behrami, Britos, Insigne / Schmelzer
Rote Karte: Weidenfeller (45.+1/Handspiel)

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