Die Freistaat-Tour des BVB: von Nürnberg nach München

Glück hatte, wer sich als BVB-Fan spontan einfach mal ein paar Tage Urlaub nehmen konnte. Diejenigen konnten dann von Nürnberg mal eben nach München weiterreisen. Denn mit Zwischenstopp Dortmund ist das doch schon harter Tobak – zumal die Gegner sportlich gesehen wohl auch nur auf dem Papier einfach sind. In Nürnberg ließ man zwei Punkte liegen.

Nun fragten sich viele nach dem Wochenende, ob die Rotation, die Jürgen Klopp beim „Glubb“ praktizierte, wirklich in der Form nötig war. Erik Durm durfte als rechter Außenverteidiger beginnen, Marvin Ducksch bekam seine Chance im Sturm, Sokratis spielte für den angeschlagenen Mats Hummels und Kevin Großkreutz durfte sich mal wieder auf einer neuen Position versuchen: er spielte den offensiven Part der Doppelsechs – nun ja, zumindest 45 Minuten lang, danach war er wieder Rechtsverteidiger. Ich sag mal so: Hauptsache er selbst kommt da nicht durcheinander. Seine starke Leistung am Samstag legt aber nahe, dass er das problemlos wegsteckt.

Frühes Tor wäre gut gewesen

Es war sicher gewagt, Robert Lewandowski und Henrikh Mkhitaryan auf der Bank zu lassen, andererseits muss man festhalten, dass der BVB sich in den ersten 15, 20 Minuten trotz der durcheinander gewürfelten Truppe ziemlich gut präsentierte. Was sie allerdings verpasste, war ein Tor zu schießen. Mit einem frühen Tor wäre das Spiel vielleicht anders gelaufen. So brauchte Borussia einen schönen Freistoß von MS29 in der 37. Minute, um verdient in Führung zu gehen. Aus 22 Metern schlenzte Schmelzer das Ding über die Mauer ins Netz, als machte er für gewöhnlich den ganzen Tag nichts anderes.

Doch die Freude währte nur kurz. Schon in der 51. Minute glich Nürnberg nach einer Standardsituation – öfter mal was Neues – durch einen Kopfball von Nilsson aus. Dabei sollte es bleiben, beide Mannschaften neutralisierten sich und am Ende hatte der BVB noch ein wenig Glück, dass Esswein in der Nachspielzeit den Lucky Punch für Nürnberg verpasste. Dass Nürnbergs Ausgleich Abseits war, darüber braucht man nicht zu reden. Der Freistoß, der zur Dortmunder Führung führte, war auch nicht zwingend einer.

Rotation ist notwendig

Dass der zweite Anzug, der aufgrund der vielen Verletzten zur Zeit ja fast eher der dritte Anzug war, passte noch nicht an allen Stellen. Im Sturm blieb der junge Ducksch in der ersten Halbzeit ohne Bindung zum Spiel, im Mittelfeld fehlte Kreativität. Trotzdem war es richtig, dass Klopp rotieren lassen hat. Die englischen Wochen haben angefangen und bereits jetzt hat der BVB Verletzte und Angeschlagene zu verkraften. Und letztlich schafft es wohl der FC Bayern, eine Dreifachbelastung nahezu ohne Substanzverlust auszugleichen – und selbst die angeblichen „Überbayern“ taten sich mit ihrer B-Elf schwer in Freiburg.

Zudem muss man den jungen Spielern zwischendurch auch einfach mal eine Chance geben, sich auf hohem Niveau zu beweisen. So schön das ist, wenn sie in der U23 regelmäßig spielen und Leistungsträger sind: die Bundesliga-Reife bekommt man davon alleine noch nicht. Und trotz teurer Neuverpflichtungen hat der BVB stets betont, dass es immer noch der Dortmunder Weg sein soll, junge Talente zu fördern und an den Profi-Kader heran zu führen. Von vielen Fans wurde in den letzten Jahren Rotation gefordert. Wird diese dann praktiziert und am Ende springt nur ein Unentschieden in Nürnberg dabei heraus, wird auch wieder gemeckert. Man sollte einfach mal der Tatsache ins Auge sehen, dass der BVB eben keine „fertige“ zweite Mannschaft auf der Bank sitzen hat – und finanziell auch (noch) nicht in der Lage ist, sich eine solche zu erlauben.

Wann rotieren wenn nicht gegen solche Gegner?

Die andere Seite ist doch: auch am 6. Spieltag ist der BVB ungeschlagen und steht dank des besseren Torverhältnisses immer noch vor den Bayern auf Platz 1 der Tabelle. Und die Saison ist noch lang. Gerade deshalb muss Rotation zwischendurch einfach sein. Und wann soll man denn rotieren, wenn nicht gegen Mannschaften aus dem Tabellenkeller? Gegen Mannschaften wie Nürnberg?

Gespannt darf man sein, ob Jürgen Klopp am Dienstag im Pokal seine aktuell beste Elf aufstellt. Angesichts der Dortmunder Pokalhistorie (zumindest die vor 2011) wäre das vielleicht besser. Vermutlich werden Lewandowski und Mkhitaryan wieder in die Mannschaft rutschen. Doch Reus und Schmelzer sind immer noch angeschlagen. Es kann gut sein, dass sie erst mal draußen bleiben. Die Ruhr Nachrichten spekulieren auch, dass Großkreutz eine Pause bekommen könnte, da er bis jetzt alle Spiele gemacht hat. Angesichts der dünnen Personaldecke ist das aber wohl nicht sehr wahrscheinlich. Sollte Reus ausfallen und Schmelzer nicht, könnte er im Gegenteil vielleicht sogar mal wieder auf seiner Stammposition auf der linken Außenbahn zum Einsatz kommen.

BVB ist Favorit

Wie immer im DFB-Pokal gilt natürlich: unterschätze nie einen motivierten Zweitligisten, noch dazu, wenn der zuhause spielt. Andererseits werden geschätzte 15.000 BVB-Fans in die Landeshauptstadt des Freistaats mitreisen. Wie viele bei Anpfiff angesichts des gerade begonnenen Oktoberfests auch noch geistig anwesend sind, wird man dann sehen. Grundsätzlich braucht man nicht darüber zu diskutieren, dass der BVB eigentlich klarer Favorit ist und im Normalfall das Spiel gewinnen muss.

Auch in die Reiseplanung würde das übrigens gut passen: am 34. Spieltag tritt der BVB bei Hertha BSC Berlin an. Da könnte man die eine Woche bis zum Pokalfinale doch gut dort bleiben. Die eine Woche kriegt man in Berlin schon irgendwie mit Sightseeing herum.

Die voraussichtliche Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer (Durm), Subotic, Hummels (Sokratis), Großkreutz – Sahin, Bender – Aubameyang (Reus), Mkhitaryan, Blaszczykowski – Lewandowski

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