Vollidioten überschatten verdienten 3:1-Sieg im Derby

Wenn man in Gelsenkirchen 3:1 gewinnt und das auf eine sehr überzeugende Art und Weise, sollte hier eigentlich ein reiner Jubelbericht stehen. Doch angesichts der Ereignisse vor dem Spiel, muss ich leider auch darüber ein paar Worte verlieren.

Vom Block 65 aus, der sich schräg oberhalb des Gäste-Stehblocks in der Turnhalle befindet, hatte man erstklassige Sicht – in jeder Beziehung. Dass irgendetwas in Richtung Pyrotechnik beim Derby passieren würde, war im Grunde von Vornherein klar nach den Provokationen der Schalker beim letzten Heimderby.

Doch am Samstag zeigte sich mal wieder, dass es leider einige Leute gibt, die ihr Gehirn – sofern überhaupt vorhanden – bei der Einlasskontrolle am Stadion abgeben. Rauchbomben im Block zu zünden, ist die eine Sache. Ich persönlich brauche diese Dinge zwar nicht unbedingt, aber darüber will ich mich gar nicht aufregen, das kommt immer mal wieder vor, beim Derby erst recht und ist ja auch nicht weiter gefährlich, wenn es kontrolliert abgebrannt wird. Da geht es auch mehr darum, dem Gegner zu zeigen, dass man es geschafft hat, so ein Zeug mit in sein Stadion zu bringen.

Pyrotechnik im Gästeblock. Foto: Andreas Vogel

Pyrotechnik im Gästeblock. Foto: Andreas Vogel

Fraglich ist es schon, ob es tatsächlich nötig ist, die Scheiben vom Gästeblock einzuschlagen.

Leuchtgeschosse sind nicht zu entschuldigen

Was aber absolut nicht – unter zwar unter keinen Umständen – zu entschuldigen ist, waren die Leuchtgeschosse, die zunächst auf den Rasen, dann in Richtung des beschwichtigenden Roman Weidenfeller und schließlich noch in die benachbarten Schalker Sitzplatzblöcke flogen! Hier geht es nicht mehr um Provokation, hier ist die Absicht ganz klar, anderen Menschen Schaden zuzufügen.

Und es soll mir keiner kommen mit „Ist doch nichts passiert.“ Darum geht es nicht. Es hätte im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen können und es ist reines Glück, das niemand verletzt wurde. Eine Verletzung von Menschen wurde zumindest billigend in Kauf genommen. Und um das einmal ganz deutlich zu sagen: wer eine Verletzung von Menschen billigend in Kauf nimmt, nur weil sie Fans des FC Schalke sind, gehört auf die geschlossene Station. Es geht mir nicht in den Kopf, wie man so verdreht sein kann und diese Aktion auch noch feiern kann, wie es in manchem einschlägigen BVB-Forum geschehen ist.

Es gibt nur ein einziges Wort für diese Aktion: asozial!

Nichts mehr mit Derby zu tun

Das hat auch nichts mehr mit Derby oder der Rivalität zu tun. Es ist immer noch ein Sport, ein Fußballstadion und kein Kriegsgebiet. Es ist außerdem an Idiotie kaum zu überbieten, dann noch den eigenen Torwart anzugreifen und einen Spielabbruch zu riskieren, der dazu geführt hätte, dass Schalke das Derby am grünen Tisch gewonnen hätte.

Und ihr wollt uns ernsthaft weismachen, ihr liebt unseren Verein? Das hat was von dem Ehemann, der seine Olle jeden Samstag im Suff verwemmst und ihr hinterher sagt: „Ich liebe dich, aber im Suff kann ich nicht anders.“ Kriegt mal eure Probleme in den Griff und hört auf, alle BVB-Fans durch so eine Scheiße in den Dreck zu ziehen!

Langfristige Folgen?

Und die langfristigen Folgen sind überhaupt noch nicht absehbar. Der BVB wird diesmal wahrscheinlich nicht mit einer hohen Geldstrafe davon kommen. Es scheint nicht unmöglich, dass der DFB ein Exempel statuiert und eine Gästesperre beim nächsten Auswärtsspiel, eine Sperre der Südtribüne beim Heimspiel oder gar ein Geisterspiel verhängt. Eine Kollektivstrafe träfe alle Fans und nicht nur die paar Gehirnamputierten vom Samstag. Mal ganz davon abgesehen, dass diese Vorkommnisse wieder Wasser auf die Mühlen derer ist, die unsere Fußballstadien ohnehin als Bürgerkriegsschauplätze darstellen wollen, um schärfere Repressionen gegen Fans durchzusetzen. Herzlichen Glückwunsch, ihr liefert Wendt und co die besten Argumente!

Der BVB wird jetzt versuchen, die Leute zu ermitteln und sollte das erfolgreich sein, wird das die wohl am meisten berechtigten Stadionverbote seit der Präsentation des Nazibanners 2012 zur Folge haben. Solche Leute sind der Grund, warum ich die Lieder gegen Stadionverbot aus Prinzip niemals mitsinge. Ich bin gegen unberechtigte Stadionverbote. Aber ich bin nicht gegen alle Stadionverbote. Im Gegenteil, es gibt Leute, die gar nicht lange genug Stadionverbot bekommen können.

Fußball wurde auch gespielt

So, genug aufgeregt, nun endlich zum Sportlichen.

Nach den miserablen Leistungen in den letzten beiden Derbys stand der BVB diesmal etwas unter Druck. Zwei Derbys auf eine so indiskutable Weise zu verlieren geht nicht und der Stachel saß bei den meisten BVB-Fans tief. Schalke hingegen hoffte, mit einem Derbysieg seine Anhänger einlullen zu können und darüber hinweg zu täuschen, dass man den eigenen Ansprüchen in dieser Saison schon wieder meilenweit hinterher hechelt.

Während Schalke ersatzgeschwächt mit einer defensiven Grundordnung spielte, lief der BVB fast in Bestbesetzung auf. Im Vergleich zum Arsenal-Spiel unter der Woche tauschte Jürgen Klopp nur auf einer Position: Pierre-Emerick Aubameyang spielte auf der rechten Außenbahn statt Jakub Blaszczykowski. Der Neuzugang hatte unter der Woche mehrere Anrufe seines Teamkollegen Kevin Großkreutz erhalten, in denen der Dortmunder Jung ihm die Bedeutung des Derbys noch einmal eingehend klar machte. Offenbar ist die Botschaft angekommen, denn schon nach 14 Minuten erzielte der Gabuner nach schöner Vorarbeit von Henrikh Mkhitaryan und Marco Reus das 1:0.

BVB hätte es früh entscheiden können

Die Schalker um uns herum waren nach wenigen Minuten mehr als konsterniert, denn Schalke spielte ideenlos, mutlos und produzierten haarsträubende Fehler, die dem BVB in die Karten spielten. Das Spiel hätte früh entschieden sein können, wenn nicht der BVB seinerseits nach der Führung den Faden verloren hätte. Mit unnötigen Fehlern brachte man den Gegner wieder zurück ins Spiel. Nach einer halben Stunde rannte Fuchs von gleich mehreren Dortmundern unbehelligt in den Strafraum. Der Pechvogel war am Ende Neven Subotic, der in den Zweikampf gehen musste und Fuchs zu Fall brachte – Elfmeter für Schalke.

1:3 - Das Ding ist durch. Foto: Andreas Vogel

1:3 – Das Ding ist durch. Foto: Andreas Vogel

Kevin-Prince Boateng, der Mann mit den vielen Lieblingsvereinen, trat gegen seinen ehemaligen Teamkollegen Weidenfeller an und zog den Kürzeren. Unter dem Jubel des Gästeblocks parierte der Keeper den schwach und halbhoch getretenen Elfer mit der Faust. Wenn das Ding reingeht, läuft das Spiel möglicherweise ganz anders, doch so blieb der BVB die bestimmende Mannschaft und übte sich mal wieder in der hohen Kunst des Torchancen-Vergebens.

Anschlusstreffer

Die erste Halbzeit ging klar an den BVB und schon sechs Minuten nach Wiederanpfiff baute er seine Führung aus: Mkhitaryan legte den Ball quer auf Nuri Sahin und der hob den Ball mit einem wunderschönen Schlenzer wie aus alten Zeiten passgenau ins Tor – 2:0 für Borussia. Schalke-Trainer Keller brachte Nachwuchs-Hoffnung Meyer und der traf nach wenigen Minuten zum 1:2. Auf einmal war das Ding wieder enger.

In zwei Situationen – beim Elfer und nach dem Anschlusstreffer – hätte das Spiel, in dem der BVB eigentlich klar überlegen war, durchaus kippen können. Das spürten auch die Schalker Fans und wurden erstmals im Spiel so richtig laut. Schalke drückte nun auf den Ausgleich, hatte aber immer noch nicht seine Fehler im Defensivverhalten abgestellt und das wurde bestraft. Draxler verlor den Ball fast am eigenen Sechzehner an Mkhitaryan und der Armenier legte einen furiosen Sololauf Richtung Schalker Tor hin: leichtfüßig spielte er mehrere Gegner wie Fahnenstangen aus und hatte dann am Strafraum noch die Übersicht, auf den mitgelaufenen Kuba abzulegen. Der fackelte nicht lange und versenkte den Ball mit einem trockenen Schuss im Tor – 3:1 für den BVB.

Derbysieger!

Nun war das Spiel durch. Die Schalke-Fans begannen, in Scharen das Stadion zu verlassen, die Dortmund-Fans feierten. Der BVB feierte einen absolut verdienten Derbysieg, Schalke bewies, was alle schon gewusst haben: dass sie nicht mal ansatzweise auf Augenhöhe mit dem BVB sind. Bereits 11 Punkte liegt der BVB vor Schalke und bleibt mit 25 Punkten und einem Punkt Abstand auf die Bayern Zweiter.

Die Derbysieger feiern mit dem Gästeblock. Foto: Andreas Vogel

Die Derbysieger feiern mit dem Gästeblock. Foto: Andreas Vogel

Vor allem aber war dieser Sieg Balsam für die Seele, denn zwei verlorene Derbys hintereinander schmerzen doch ganz schön. Für die nächsten mindestens fünf Monate können wir uns Derbysieger nennen. Dieses Wort ist so schön, dass man es nicht oft genug sagen kann: Derbysieger, Derbysieger, Derbysieger… In diesem Sinne: die Nummer Eins im Pott sind wir!

Blaukraut: Hildebrand – Uchida, Höwedes, Matip, Kolasinac (76. Jones) – Neustädter, Aogo – Draxler, Boateng (82. Clemens), Fuchs (61. Meyer) – Szalai
Derbysieger: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic, Hummels, Schmelzer (46. Durm) – Bender, Sahin – Aubameyang (71.Blaszczykowski), Mkhitaryan, Reus (89. Hofmann) – Lewandowski
Tore: 0:1 Aubameyang (14.), 0:2 Sahin (51.), 1:2 Meyer (62.), 1:3 Blaszczykowski (74.)
Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
Zuschauer: 61.973 (ausverkauft)
Besonderes Vorkommnis: Boateng (Blaukraut) scheitert mit Foulelfmeter an Weidenfeller (30.)
Gelbe Karten: Aogo (1), Jones (2), Szalai (1) / Schmelzer (1)

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4 Gedanken zu „Vollidioten überschatten verdienten 3:1-Sieg im Derby

  1. Du bringst es auf den Punkt: Wegen den eitlen Gockeln mit ihren Sturmhauben und Leuchtraketen haben nun alle anderen zu leiden, denn irgendetwas mit Fanausschluss wird es schon geben, allein schon, um dem Eindruck entgegenzuwirken, man schone die großen Vereine. Pro Stadionverbote für die, die es verdient haben. Und dann sollte man auch mal über die Privilegien mancher Gruppen reden.

    Trotzdem: Von denen lassen wir uns den Derbysieg nicht kaputt machen. Ab dem Anpfiff war das ein tolles Spiel!

    • Ja, das denke ich auch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in dem Fall mit einer Geldstrafe davon kommen – alleine schon, weil der DFB sicher demonstrieren will, dass er die Großen nicht verschont. Und bspw. die Südtribüne zu sperren, wäre halt leider ein wirklich starkes Signal vom Verband. 😦 Ich hoffe trotzdem, dass es nicht so kommen wird. Ich erwarte, dass der BVB in dieser Sache wirklich jetzt mal hart durchgreift und die entsprechenden Leute ausfindig macht.

      Ja, was das Spiel angeht, sehe ich das ebenso: obwohl der BVB nicht einmal seinen allerbesten Tag hatte, war das eine erfreulich klare Sache – und besonders amüsant im Hinblick auf das Augenhöhe-Geblubber von Horst Heldt 😉 Trotzdem muss ich zugeben, dass diese Vorfälle die Freude über den Sieg bei mir doch etwas gedämpft haben, eben weil ich mit Zuschauerausschluss oder sowas rechne.

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