0:1 gegen Arsenal: Die Luft für den BVB wird wieder dünner

Das ist ja das Merkwürdige am Europapokal: sah die Ausgangslage vor zwei Wochen noch absolut glänzend aus, so reicht eine knappe Niederlage und der BVB muss plötzlich wieder um den Einzug ins Achtelfinale der Champions League bangen. Am Mittwoch gegen Arsenal war der Wurm drin. Irgendwie war es nicht der Tag von Borussia Dortmund.

Zwar erspielten sich die Mannen in Schwarzgelb ein Schein-Übergewicht, doch abgezockter war am Ende Arsenal, das praktisch mit der ersten Torchance 1:0 in Führung ging. (62.) Bis dahin war der BVB optisch überlegen, offenbarte aber doch einige Mängel.

Vor allem in der ersten Halbzeit wirkte das Spiel für BVB-Verhältnisse ungewöhnlich statisch, insgesamt war zu wenig Bewegung drin, um große Lücken in das Arsenal-Bollwerk zu reißen. So entwickelte sich ein mäßig attraktives Spiel, in dem der BVB zwar mehr und auch bessere Torchancen hatte, aber nicht den letzten Punch hinter den Ball bringen konnte.

Arsenal defensiv

Arsenal zog sich weit zurück, stand mit zwei Viererketten dicht vorm eigenen Strafraum und machte die Räume eng. Mit dieser Taktik tat Borussia sich schwer. Wenn etwas ging, dann über die rechte Seite mit Kevin Großkreutz und Jakub Blaszczykowski, auf links rieb sich Marco Reus auf und zeigte Marcel Schmelzer ungewohnte defensive Schwächen und praktisch keine Offensivaktionen. Dem Linksverteidiger waren die wenige Spielpraxis und die Verletzungen der letzten Wochen noch deutlich anzumerken.

Mit Mats Hummels fehlte verletzungsbedingt zudem ein Mann, der das Spiel von hinten heraus machen kann. Das führte dazu, dass Nuri Sahin sich die Bälle oft weit hinten abholen und lange Wege gehen musste, denn sowohl Neven Subotic als auch Sokratis sind zwar glänzende Abräumer und beinharte Zweikämpfer, aber nicht der Typ „Spielgestalter“. Gefordert waren diese Qualitäten aber zumindest in der ersten Halbzeit kaum, denn Arsenal war sichtlich nicht gewillt, das Spiel zu machen und dem BVB irgendwelche Lücken zum Kontern anzubieten. Die Entstehung des 2:1-Tores in London war Arsene Wenger wohl noch in lebendiger Erinnerung.

Kein Heim-Schiri

Nach der Halbzeit ging der BVB ein wenig mehr Risiko und auch Arsenal spielte etwas offensiver als zuvor. In der 52. Minute jubelten bereits 62.000 Schwarzgelbe mit Marco Reus, doch leider stand er im Abseits als er den Abpraller von Kubas Schuss ins Netz bugsierte. Das Spiel gewann etwas an Schärfe, auch dadurch begingt, dass der Schiedsrichter zumindest gefühlt jede unklare Szene im Zweifel für die „Gunners“ und nicht für die Hausherren pfiff.

In der 62. Minute klärte Sokratis dann nicht konsequent genug und auf einmal stand es 0:1. Nur ein paar Minuten später hätte Arsenal sogar erhöhen können, doch Schmelzer klärte in höchster Not. Es schickte sich an, so ein richtiges – Pardon – Scheiß-Spiel zu werden. Eines dieser Spiele, wie man sie irgendwie in all den Jahren schon so oft gesehen hat. Nur dass die Gegner da zugegeben nicht Arsenal FC, sondern Hansa Rostock oder VfL Bochum hießen. Irgendwie also doch Jammern auf hohem Niveau.

Rückkehr des „Schnitzel“

Der Defensivverbund des BVB wackelte jetzt bedenklich und Arsenal, die bis zur Führung offensiv praktisch gar nicht in Erscheinung getreten waren, hatte plötzlich gute Chancen. Dabei zeigte der inzwischen 33-jährige Tomas Rosicky – der in Dortmund von 2001 bis 2006 als filigranes, aber häufig verletztes „Schnitzel“ unterwegs gewesen ist– dass er immer noch einiges drauf hat. Und so kam es wie es kommen musste: bei seiner Rückkehr ins Westfalenstadion durfte er als Gastgeschenk drei Punkte mitnehmen.

Die Zeit lief dem BVB davon, auch mit Gewalt konnte er den Ausgleich nicht mehr erzwingen. Dabei hätte Robert Lewandowski in der Nachspielzeit durchaus noch einen Elfmeter bekommen müssen, denn er war im Strafraum deutlich und ziemlich unsanft am Trikot gezogen worden. Sei es drum, diese Szene war nicht spielentscheidend und der Schiri war an diesem Tag ohnehin kein BVB-Fan.

Dünne Luft

Und plötzlich wird die Luft auf dem Mount Champions League wieder dünner, denn zeitgleich gewann der SSC Neapel gegen Olympique Marseille. Die Franzosen sind damit so gut wie raus, ein Weiterkommen in der Europa League höchstens noch möglich, wenn der BVB die beiden noch ausstehenden Spiele hoch verlieren würde. Für Borussia ist jetzt in drei Wochen zunächst mal ein Heimsieg gegen Neapel Pflicht – und zwar möglichst mit zwei Toren Differenz, um den direkten Vergleich gegen die Italiener zu gewinnen. Mit zwei Siegen wäre man wahrscheinlich weiter, weil Arsenal und Neapel noch gegeneinander spielen und sich gegenseitig die Punkte wegnehmen.

Insgesamt ist die Konstellation in der Gruppe aber sehr spannend. Im Extremfall könnten am Ende drei Teams mit jeweils 12 Punkten ins Ziel gehen. Wie es dann weiter geht, ist in den UEFA-Regularien sehr genau festgelegt. Wie dem auch sei: will der BVB ins Achtelfinale, so sollte er die beiden noch ausstehenden Spiele gewinnen. Gibt es gegen Neapel keinen Sieg, dürfte der Zug abgefahren sein. In dem Fall geht es höchstwahrscheinlich in der Europa League weiter. Aber wollen wir das wirklich?

Spiele am Donnerstagabend irgendwo in der Fußballprovinz in Maribor oder Genk, dazu etliche Sonntagsspiele in der Bundesliga, wenig Prestige durch die Aufblähung des Wettbewerbs, wenig Geld zu verdienen, weniger Attraktivität für Spitzenspieler… Andererseits ist es der einzige Titel, den der BVB noch nie geholt hat.

Ich hoffe trotzdem, dass es soweit nicht kommt. Noch ist alles drin fürs das Achtelfinale. Aber der Druck ist jetzt größer. Der BVB ist nun buchstäblich zum Siegen verdammt.

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Subotic, Schmelzer – Sahin, Bender (75. Hofmann) – Blaszczykowski (74. Aubameyang), Mchitarjan, Reus (86. Schieber) – Lewandowski
Arsenal FC: Szczesny – Sagna, Mertesacker, Koscielny, Gibbs – Ramsey, Arteta – Santi Cazorla (75. Monreal), Özil, Rosicky (90.+1 Vermaelen) – Giroud (90. Bendtner)
Tor: 0:1 Ramsey (62.)
Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)
Zuschauer: 65.829 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Lewandowski / Arteta

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