Harte Strafen für Derby-Vorfälle: BVB entzieht Ultra-Gruppen die Auswärtsdauerkarten

Wie angekündigt gab der BVB am Freitag bekannt, welche Maßnahmen als Konsequenz aus den Vorfällen beim Auswärtsderby in Gelsenkirchen am 26. Oktober gezogen. Die Strafe hat es in sich: den drei großen Ultra-Gruppen „The Unity“, „Jubos“ und „Desperados“ werden vorläufig ihre Auswärtsdauerkarten entzogen.

Der Entzug gilt auf unbestimmte Zeit, mindestens aber bis Saisonende und ist auf Bundesliga und DFB-Pokal beschränkt. Die Strafe auf den Europapokal auszuweiten, war dem Verein nach der positiven internationalen Presse über die Auftritte der BVB-Fans dann aber offenbar doch zu heiß.

Auch Einzelstrafen wird es geben. Wie der BVB bekannt gab, dauern die Aufklärungen der Vorfälle weiter an, doch derzeit rechnet man damit, dass etwa 20 bis 30 Personen ein Stadionverbot bekommen werden.

Harter Schritt

Bis letzte Woche Mittwoch hatte der BVB den Ultra-Gruppen Zeit gegeben, sich zu äußern und eigene Maßnahmen zu ergreifen – soll vermutlich heißen: die Namen der Täter preiszugeben und sie aus der Gruppe auszuschließen. Man darf getrost davon ausgehen, dass die Vorfälle intern in den Gruppen durchaus aufgearbeitet und kritisch hinterfragt wurden, doch welche Konsequenzen die Gruppen selbst auch immer gezogen haben mögen – das werden sie öffentlich kaum kommunizieren – es war dem Verein offenbar zu wenig.

Die Auswärtsdauerkarten zu entziehen ist schon ein harter Schritt. Der BVB ist bekannt für seine lautstarken und zahlreichen Auftritte bei Auswärtsspielen und hat der Mannschaft oft genug ein Heimspiel auf fremden Plätzen beschert. Nun steht es den Ultras natürlich frei, sich auf den üblichen Wegen Karten für Auswärtsspiele zu besorgen, es ist ja schließlich kein Stadionverbot. Doch alle Fans, die sich schon mit der berüchtigten Ticket-Hotline des BVB herumschlagen mussten, wissen nur zu gut, welch ein Glücksspiel das ist.

Auswärtssupport

Der BVB riskiert mit dieser Maßnahme also durchaus, dass der Auswärtssupport in der restlichen Saison nicht die gewohnte Qualität haben dürfte, wenn der „harte Kern“ in seiner eingespielten Form nicht dabei ist.

Andererseits war eine harte Maßnahme irgendwo auch nötig. Zwar gibt es nicht Vorfälle wie in Gelsenkirchen am laufenden Band, aber es ist nicht zu bestreiten, dass gerade bei den Derbys in den letzten Jahren doch wieder deutlich mehr passiert ist als in der Zeit davor. Dazu muss zwar auch ganz klar gesagt werden, dass diese Vorfälle keineswegs immer nur von Dortmundern ausgingen, sondern auch die Schalker oft genug zumindest gezielt provozierten.

Zeiten haben sich geändert

Aber der Punkt ist: in den 80er Jahren hat so was niemanden interessiert. Da galt Fußball ohnehin als Proletensport, nichts für anständige Leute. Doch die Zeiten haben sich geändert seit der WM 2006, seitdem der DFB entdeckt hat, dass man den Besuch eines Fußballspiels wunderbar als Familienevent und als Alternative für den Besuch im Moviepark vermarkten kann. In Zeiten wie diesen rufen Ereignisse wie beim letzten Derby, die vor dreißig Jahren wahrscheinlich noch eher in die Kategorie „ruhiges Derby“ gefallen wären, den DFB, die Innenminister, eine aufgehetzte Presse und nicht zuletzt diverse Polizeigewerkschafter mit populistischen Forderungen auf den Plan.

Immer wieder fallen Worte wie „Stehplatzverbot“, „Alkoholverbot“ oder „Vollkontrollen“. Wenn wir all diese Dinge nicht wollen und die deutsche Fankultur wenigstens halbwegs so erhalten wollen, wie sie ist, dann dürfen Vorfälle wie beim letzten Derby einfach nicht mehr vorkommen. Und die Ultras, die durchaus irgendwo als geschlossene Gruppe auftreten, haben eine gewisse Verantwortung, andere Gruppenmitglieder im Zaum zu halten und zu verhindern, dass diese durchdrehen. Es ist letztlich wie auf einer Klassenfahrt: auch wenn nur zwei oder drei Leute Scheiße bauen, hat die Lehrerin versagt und es fällt auf die ganze Klasse zurück.

Wiederholungstäter

Natürlich könnte man argumentieren, dass man das ja genau so auf alle BVB-Fans münzen könnte und man als Einzelner schließlich auch nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, wenn andere Mist bauen. Aber der Vergleich hinkt, denn „die BVB-Fans“ sind keine geschlossene, organisierte Gruppe. Um beim Klassenfahrt-Vergleich zu bleiben, sind die BVB-Fans eher „die Schülerschaft der ganzen Schule“, die auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden kann, wenn Einzelne aus möglicherweise anderen Klassen durchdrehen.

Einen anderen Punkt muss man noch mit aufnehmen: dem BVB droht als „Wiederholungstäter“ (23 Strafen wegen Pyrotechnik in den letzten Jahren) seitens des DFB eine extrem harte Strafe. Das kann bis hin zur Sperrung der Südtribüne bei einem Heimspiel oder gar einem Geisterspiel gehen. Der DFB hat indes noch kein Urteil gefällt, sondern erst einmal abgewartet, wie der BVB auf die Vorfälle reagiert. Der Verdacht ist naheliegend, dass der Verein gegenüber dem Verband guten Willen demonstrieren wollte und selbst harte Maßnahmen ergreift, um die drohende Strafe des DFB vielleicht etwas abzumildern.

Und das liegt letztendlich im Interesse des Großteils der BVB-Fans. Denn wenn am Ende wirklich die Südtribüne gesperrt würde, nur weil ein paar Vollidioten sich beim Derby nicht im Griff hatten, dann würden buchstäblich fast 25.000 Menschen unter einen kleinen Gruppe und ihrer Auffassung darüber, wie weit die Rivalität zu den Blauen gehen darf, leiden. Eine Minderheit reitet die Mehrheit rein. Man muss noch nicht einmal ausgewiesener Pessimist sein, um sich denken zu können, welche Gräben das innerhalb der aktiven Fanszene aufreißen könnte.

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Ein Gedanke zu „Harte Strafen für Derby-Vorfälle: BVB entzieht Ultra-Gruppen die Auswärtsdauerkarten

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