Keine Zeit für Blues beim BVB

Nun ist das also geklärt: der FC Bayern hat das Spitzenspiel gegen den BVB mit 3:0 gewonnen und hat nun endlich seine Bestätigung, dass er die momentan stärkste Mannschaft in Deutschland stellt. Obwohl zumindest das ja eigentlich ohnehin keiner vorher angezweifelt hat. Lange Zeit zum Ärgern hat das Borussen-Lager allerdings nicht. Denn schon am Dienstagabend steht das noch wichtigere CL-Spiel gegen den SSC Neapel an.

Drei Pflichtspiele hintereinander hat der BVB nun verloren. Das hört sich erst einmal richtig mies an. Noch mieser ist es, wenn man bedenkt, dass man jedes einzelne dieser Spiele vermutlich auch hätte gewinnen können, wenn man nur seine Chancen genutzt hätte.

An der Abwehr lag es nicht

Der neu formierten Abwehr war am Samstag kein großer Vorwurf zu machen. Insbesondere Sokratis und Kevin Großkreutz spielten saustark, auch Erik Durm überzeugte und Manuel Friedrich fiel zwar durch viele Fehlpässe auf, blockte aber zumindest ab, was ging. In Anbetracht der Tatsache, dass er seit Monaten keine Spielpraxis mehr hatte und erst ein paar Tage mit der Mannschaft trainiert hat, ist es kein Wunder, dass er Abstimmungsprobleme mit seinen Vorderleuten hatte.

Und dann macht ausgerechnet Mario Götze das 1:0 für Bayern. Von Beginn an spielte er nicht, zum Warmmachen schickte Pep Guardiola ihn gar in den Kabinengang – er hätte sich sonst vor der Südtribüne warm machen müssen und das wäre wohl bei Licht betrachtet nicht die allerbeste Idee gewesen.

Götze ist egal

Denn bei seiner Einwechslung schlug ihm der blanke Hass entgegen. Ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert, „Judas“-Rufe und einige Schmähplakate begleiteten seinen Auftritt. Und dann trifft „ausgerechnet“ er. Ausgerechnet? Wäre das Tor angenehmer gewesen, wenn es von Thomas Müller, Toni Kroos oder einem anderen dieser vielen, überaus bescheidenen Sympathen, die der FC Bayern beschäftigt, geschossen worden wäre?

Völlig wumpe, Götze ist seit Juli ein x-beliebiger Bayern-Spieler. Wo er ausgebildet wurde, spielt keine Rolle mehr. Er ist nicht mehr Teil der BVB-Familie. Das war schon vor diesem Spiel klar und mit seinem Tor hat er diesen Abschied wahrscheinlich auch für sich selbst besiegelt.

Zwei Lichtblicke

Dass der Sieg für Bayern am Ende trotz des scheinbar klaren Ergebnisses durchaus ein bisschen glücklich war und in der Höhe definitiv unverdient, leugnete niemand nach dem Spiel und dennoch spielte es keine Rolle. Denn am Ende entscheiden im Fußball die Tore und wenn man die nicht macht, hat man den Sieg nicht verdient.

Zwei Lichtblicke gab es aber auch an diesem schwarzen Abend. Lukasz Piszczek betrat zum ersten Mal seit dem Champions-League-Finale in der 79. Minute wieder den grünen Rasen und machte seine ersten Pflichtspiel-Minuten seit seiner OP.

Der geilste Verein der Welt

Und die Südtribüne zeigte nach dem 0:3 einmal wieder ganz deutlich, warum sie diesen legendären Ruf hat. Es gab keinerlei Unmutsbekundungen, sondern stattdessen laut und inbrünstig „Leuchte auf, mein Stern“, das Steigerlied in der Dortmund-Version und nicht zuletzt das Supergirl-Lied – das mit seiner getragenen Melodie häufig genug unpassend ist, aber in diesem Moment das vielleicht Beste war, das die Tribüne anstimmen konnte. Selten passte der Text so gut.

Die Spieler wurden mit Applaus verabschiedet und standen noch minutenlang fassungslos vor der Süd. In diesem Moment spürte man als BVB-Fan eine Sache wieder ganz deutlich: die anderen mögen gewonnen haben, doch das, was wir in Dortmund haben, was uns verbindet und was unsere Leidenschaft zum Verein nährt, ist etwas, dass man dort niemals begreifen wird. Borussia Dortmund ist einfach der geilste Verein der Welt. Punkt.

Mehr wert als Pokale

Wir brauchen uns nicht mit dem FC Bayern zu messen. Und niemals würde ich mit einem von denen tauschen wollen. Sollen sie ersticken an ihrem Geld und von mir aus jeden Titel gewinnen. Das, was wir am Samstag mal wieder im Westfalenstadion erleben durften, war mehr wert als jeder Pokal.

Eine wichtige Erkenntnis war vielleicht, dass dieser Zauber auch jetzt noch funktioniert, nach den fetten Jahren und mit all den angeblichen Erfolgsfans, die in jüngster Zeit dazu gekommen sind.

Durststrecke wird enden

Und nun soll das nicht zu dramatisch klingen. Denn die fetten Jahre sind ja nicht vorbei. Diese Durststrecke wird auch bald wieder beendet sein. Vielleicht schon am Dienstagabend.

Es wäre zumindest ein guter Zeitpunkt, sie zu beenden, denn wenn der BVB gegen Neapel nicht mit mindestens zwei Toren Abstand gewinnt, ist vermutlich Sense in der Champions League. Und selbst wenn das passiert: dann geht es eben in der Europa League weiter. In der Bundesliga ist man immer noch auf einem CL-Platz. Und auch im Pokal ist der BVB noch vertreten.

Drei Spiele zu verlieren, fühlt sich mies an. Aber es ist nicht das Ende der Welt.

Am Dienstagabend wird die Hütte wieder voll sein. Und alle, die eine Eintrittskarte haben, sind gefragt: hinsetzen und konsumieren ist nicht angesagt. Die Hütte muss brennen. Wenn der Ball von selbst nicht ins Tor will, muss er eben hinein geschrien werden. Hinein gezwungen. Und dann sieht die schwarzgelbe Welt auch schon wieder ganz anders aus.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s