Das Ende der Krise

Vorab muss man feststellen: es ist schon ziemlich lächerlich, wenn bereits von einer Krise geredet wird, nur weil der BVB mal drei Spiele in Folge verloren hat. Drei Spiele, die man wohl allesamt gewonnen hätte, wenn man seine Torchancen einfach mal genutzt hätte. Wenn das schon eine Krise sein soll, was ist denn dann die Situation des SC Freiburg? Spätestens seit dem 3:1-Sieg am Dienstagabend gegen den SSC Neapel ist aber wieder Ruhe im Blätterwald eingekehrt.

Nun war nicht mehr die Rede von den vergebenen Torchancen – obwohl es diese auch gegen Neapel wieder reichlich gab. Nun ist die Rede von Marco Reus‘ guten Nerven, die ihn einen frühen Elfmeter eiskalt zum 1:0 verwandeln ließen. Es ist die Rede von der Glanzvorstellung des gescholtenen Henrikh Mkhitaryan, der ein ums andere Mal die gegnerischen Abwehrreihen schwindelig spielte. Geredet wird nun über die beiden wunderschön heraus gespielten Tore zum 2:0 und schließlich zum 3:1 durch Kuba und Pierre-Emerick Aubameyang.

Iron Manni

Und am meisten wurde über „Manni“ Bender geredet, der sich als Aushilfsinnenverteidiger in der ersten Halbzeit die Nase brach, zwei Trikots voll blutete, zurück aufs Feld ging um sich erst mal ins nächste Kopfballduell zu stürzen. Dass er am Ende 90 Minuten durch spielte, überrascht bei Bender wohl niemanden mehr wirklich. Gewürdigt wurden diese unglaublichen Nehmerqualitäten im Internet mit allerlei Karikaturen und Chuck-Norris-Vergleichen. „Iron Manni“ hat es mal wieder allen gezeigt und dürfte in der BVB-Historie den Platz als legitimer Nachfolger von Günter Kutowski einnehmen. Und Chuck Norris schläft in Sven-Bender-Bettwäsche.

Sollte so etwas wie eine Krise überhaupt existiert haben, so war es weniger eine strukturelle als vielmehr eine Ergebniskrise. Torflauten sind aber auch bei einer Spitzenmannschaft normal. Eine Torflaute hat aber zur Zeit vor allem Robert Lewandowski, was mal wieder beweist, dass selbst Weltklassestürmer davor nicht gefeit sind. Es zeigt aber auch, dass der BVB trotz des torgefährlichen Mittelfelds doch ziemlich stark von Lewandowski abhängig ist. In so engen Spielen wie etwa gegen die Bayern war es in der Vergangenheit dann häufig er, der den Unterschied gemacht hat.

Ausgangslage

In der Champions League hat sich die kritische Ausgangslage nun für den BVB schlagartig in eine glänzende verwandelt: gewinnt man das letzte Gruppenspiel in Marseille, dann steht man im Achtelfinale. Diese Aufgabe erscheint angesichts der Tatsache, dass Marseille bisher aus 5 Spielen null Punkte geholt hat, zumindest nicht völlig unlösbar.

In der Bundesliga kann der BVB am Samstag damit beginnen, seine Ausgangslage zu verbessern. Eine Reise zum FSV Mainz 05 steht auf dem Plan und das bedeutet nicht nur für Jürgen Klopp, sondern auch für den Neu-Borussen Manuel Friedrich eine Rückkehr an die alten Stätte. Die Mainzer fielen Anfang der Woche durch eine sympathische Geste auf, als sie dem BVB auf ihrer Facebook-Seite alles Gute für das Spiel gegen Neapel wünschten. Dennoch sind diese Spiele gegen Mainz trotz der alten Verbindungen von Jürgen Klopp, des guten Verhältnisses der Vereinsführungen und der grundsätzlich vorhandenen Sympathie bei beiden Fangruppen, häufig von Aggressivität geprägt. Dazu tragen natürlich zum Einen die Eskapaden des Mainzer Torhüters Wetklo bei, der es sich als bekennender Blauer nie verkneifen kann, den Dortmunder Anhang bis aufs Blut zu provozieren. Aber auch das Verhalten des Mainzer Trainers Thomas Tuchel stößt vielen Leuten sauer auf, denn er neigt stark zum Lamentieren und sucht die Schuld für Mainzer Niederlagen gerne bei anderen.

Ein Sieg fürs Selbstvertrauen

Die Mainzer schlugen sich übrigens in dieser Saison tatsächlich mit einer handfesten Krise herum. Häufig spielten sie gar nicht schlecht und verloren dann doch durch individuelle Fehler. Das scheint aber nun abgestellt zu sein, aus den letzten vier Spielen holten sie drei Siege. Und so richtig leicht hat sich der BVB in Mainz eigentlich auch nie getan. Ein Sieg wäre aber wichtig, um wieder nach oben aufzuschließen, denn durch die Niederlage gegen Bayern konnte Leverkusen vorbei ziehen und Dortmund ist nun auf den dritten Platz abgerutscht. Allerdings steht das direkte Duell auch noch aus.

Ein Sieg in Mainz wäre aber ein guter Anfang, um die „Krise“ auch in der Bundesliga beizulegen und sich wieder Selbstvertrauen zu holen.

Die voraussichtliche Aufstellung: Weidenfeller – Durm, Sokratis, Friedrich (Bender), Großkreutz – Bender (Kehl), Sahin – Reus, Mkhitaryan, Kuba – Lewandowski

BVB – SSC Neapel:
BVB: Weidenfeller – Großkreutz, Bender, Sokratis, Durm – Sahin, Kehl – Blaszczykowski (69. Aubameyang), Mkhitaryan, Reus (81. Piszczek) – Lewandowski (89. Schieber)
Neapel: Reina – Maggio, Albiol, Fernández, Armero – Callejón (66. Insigne), Behrami, Dzemaili (62. Inler), Mertens – Pandev (76. Zapata) – Higuaín
Tore: 1:0 Reus (10./Foulelfmeter), 2:0 Blaszczykowski (60.), 2:1 Insigne (71.), 3:1 Aubameyang (78.)
Schiedsrichter: Velasco (Spanien)
Zuschauer: 65.829 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Kehl / Albiol, Fernández, Higuaín, Pandev

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s