Zwei BVB-Siege zur rechten Zeit

Nein, die Rückrunde fing ja echt überhaupt nicht gut an. Der Kreuzbandriss von Kuba, das mäßige 2:2 zuhause gegen Augsburg – das sah alles nicht nach „Bock umstoßen“ aus, was der BVB da fabrizierte. Zwei Siege und sechs Punkte später sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.

Auch beim 2:1-Sieg in Braunschweig tat sich der BVB fürchterlich schwer, doch da hatte die Mannschaft dann auch endlich mal wieder das nötige Glück, als ein Torschuss von Braunschweig in der 90. Minute an den Innenpfosten und von dort aus nicht ins Tor, sondern direkt in die Arme von Roman Weidenfeller prallte. Natürlich wirkt das erst mal nicht überzeugend, wenn ein Champions-League-Teilnehmer beim Tabellenschlusslicht derart glücklich gewinnt, aber der Faktor Glück wird im Fußball häufig unterschätzt. Und dieses Glück muss man sich erarbeiten. Man kann noch so gut spielen, aber ohne hin und wieder dann auch einfach mal etwas Glück zu haben, reißt man auch nichts. Fragt nach bei den Bayern – die sind auf diese Art und Weise 975 Mal Meister geworden.

Schwerer Anfang

Am Samstag stand nun das nächste Auswärtsspiel an, wieder im Norden, diesmal bei Werder Bremen. Und die krisengeschüttelten Bremer erwiesen sich als perfekter Aufbaugegner. Dabei war es zunächst nicht absehbar, dass der BVB die Nordlichter mit 5:1 vom Platz fegen würde. Ganz im Gegenteil, in der ersten halben Stunde sah es vielmehr so aus, als wolle man das Gewürge der letzten Wochen fortsetzen. Bremen verteidigte aggressiv und entnervte den BVB mit vielen kleinen Fouls und Nickeligkeiten, ohne jedoch selbst viel nach vorne zu machen und dem Gegner dabei ins offene Messer zu rennen. Eine Spielweise, die der Mannschaft von Jürgen Klopp eigentlich traditionell überhaupt nicht liegt.

Prinzipiell war das ein guter Plan von Bremen und es hat sich in den letzten Wochen und Monaten schon häufig gezeigt, dass mit dieser Taktik gegen den BVB auch durchaus Zählbares zu holen ist. Und wieder tat sich Borussia zunächst schwer damit, agierte etwas fahrig und produzierte viele Ballverluste. Doch nach gut 25 Minuten zeigte sie endlich wieder ihr anderes Gesicht. Marcel Schmelzer verlor den Ball gegen Hunt, setzte aber sofort nach, eroberte ihn zurück und legte ab auf Robert Lewandowski, der das Ding mit einem trockenen, flachen Schuss ins lange Eck drosch. 1:0 für Dortmund und nun kam von Bremen nicht mehr viel. Ausnahme war ein gefährlicher Kopfball nach 31 Minuten, doch Weidenfeller bewies einmal mehr seine glänzenden Reflexe und war schnell unten, um den Ball zu entschärfen.

Friedrich macht den Sack zu

Kurz vor der Pause nutzt Henrikh Mkhitaryan eine Schwäche der Bremer Abwehr und erhöhte auf 2:0. Ein wichtiges Tor für den gescholtenen Armenier, dem die Verunsicherung über die eigene Leistung in letzter Zeit sehr anzumerken gewesen war. Nach der Pause nutzte Manuel Friedrich, der etwas überraschend in die Startelf gerutscht war, ein Gewühl im Bremer Strafraum aus und schoss aus kurzer Distanz zum 3:0 ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte Werder Bremen bereits jeden ernsthaften Versuch aufgegeben, den BVB am Fußballspielen zu hindern. Ihnen fehlten aber auch einfach die Mittel, denn wenn der BVB sich gegen ein schwächeres Team einmal in einen Rausch spielt, das ist bekannt, dann ist er in der Regel auch nicht mehr aufzuhalten.

Folglich dauerte es auch nicht lange, bis es 4:0 stand und dieses Tor war sicher das schönste der fünf: wieder war es Mkhitaryan, der nach einer traumschönen Kombination über Marco Reus traf. Auch Robert Lewandowski hatte noch Lust aufs Toreschießen. In der 85. Minute setzte er sich alleine vor dem Bremer Tor durch, spielte zuerst lässig den Torwart aus, schoss aber nicht direkt ein, sondern nahm es auch noch mit einem Abwehrspieler auf, den er dann noch tunnelte und auf 5:0 erhöhte.

Freilich, so ganz ohne Gegentor ging es natürlich wieder nicht. In der 89. Minute kam Bremen zum Ehrentreffer durch Aycicek, den niemand ernsthaft hinderte. Nicht dramatisch, die Spannung war einfach raus beim BVB.

Verdienter Sieg

Am Ende stand ein auch in dieser Höhe absolut verdienter Sieg für den BVB, der obendrein in mehrerlei Hinsicht für die Psyche ganz wichtig sein dürfte. Lewandowski überwand seine Torflaute der letzten Wochen, Mkhitaryan bewies seinen Kritikern und, noch viel wichtiger, sich selbst, welche Klasse in ihm steckt und für die ganze Mannschaft und auch das Umfeld war so ein überzeugender und deutlicher Sieg wohl mal wieder enorm wichtig. In Braunschweig das Glück, in Bremen das Können – es hat den Anschein, als habe der BVB rechtzeitig zum Beginn der englischen Wochen wieder in die Spur gefunden.

Man darf dennoch bei allem Respekt nicht vergessen, dass beide Gegner alles andere als hochklassig waren und bei einem halbwegs normalen Saisonverlauf ohne Verletzungsseuchen in die Kategorie „Pflichtsieg“ gefallen wären. Aber normal ist eben nichts an dieser Saison und auch der Kantersieg in Bremen bescherte dem BVB-Lazarett wieder zwei Neuzugänge: Sven Bender wird mit einer Zerrung eine Woche ausfallen, Marco Reus mit einem Muskelfaserriss zwei. Für Bender dürfte Kapitän Sebastian Kehl mal wieder eine Chance über 90 Minuten erhalten und Reus dürfte wahrscheinlich von Kevin Großkreutz ersetzt werden, der sich damit dann ausnahmsweise mal wieder auf seiner eigentlichen Stammposition austoben darf.

Die Eintracht-Woche

Schon am Dienstagabend geht es im DFB-Pokal weiter, der BVB ist zu Gast bei Eintracht Frankfurt und möchte ins Halbfinale einziehen. Auch wenn die Eintracht diese Saison viele Probleme hat, so sind sie gerade vorm eigenen Publikum nicht zu unterschätzen. Am Samstag in der Bundesliga heißt der Gegner dann erneut Eintracht Frankfurt, gespielt wird dann allerdings im Westfalenstadion.

Die Eintracht-Woche ist die perfekte Gelegenheit für den BVB, sich Selbstvertrauen und neuen Schwung für die Rückrunde zu holen. Und der ist dringend notwendig: Leverkusen hat gewonnen und den BVB auf Abstand gehalten. Und was noch viel schlimmer ist: die Blauen sitzen uns im Nacken. Nur zwei Punkte liegen sie hinter dem BVB und haben dazu einen Lauf. Die Situation iast also trotz der zwei Siege alles andere als entspannt. Aber zumindest haben sie dafür gesorgt, dass der BVB weiter im Rennen ist und nicht schon zu Beginn der Rückrunde den Anschluss verliert.

BVB: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer – Bender (65. Kehl), Sahin – Aubameyang (77. Hofmann), Mkhitaryan, Reus (65. Großkreutz) – Lewandowski
SVW: Wolf – Gebre Selassie, Prödl, Lukimya, Caldirola – Bargfrede, Junuzovic – Elia (55. Kobylanski), Hunt (79. Aycicek), Obraniak – di Santo (55. Petersen)
Tore: 0:1 Lewandowski (26.), 0:2 Mkhitaryan (41.), 0:3 Friedrich (48.), 0:4 Mkhitaryan (62.), 0:5 Lewandowski (85.), 5:1 Aycicek (89.)
Schiedsrichter: Günter Perl (Pullach)
Zuschauer: 42.100 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Di Santo (3), Kobylanski (1) / Friedrich (2), Sokratis (3)

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