17 Sekunden und das Ende des Heimfluchs

Gut, genau genommen waren es 17,84 Sekunden, die Milos Jojic auf dem Platz gestanden hatte, als er im nicht ganz ausverkauften Westfalenstadion bei seinem Bundesliga-Debüt zum 4:0-Endstand gegen die Frankfurter Eintracht traf. Aber wer wollte an einem solchen Tag so pingelig sein? Denn eigentlich war Jojics perfekter Einstand nur das Sahnehäubchen auf einer richtig guten BVB-Leistung an diesem Nachmittag.

Gleich zwei Mal hatte man es in dieser Woche mit Eintracht Frankfurt zu tun bekommen. Am Dienstag im DFB-Pokal hatte sich der BVB anfangs noch etwas schwer getan, siegte dann aber doch minimalistisch mit 1:0 und zog ins Halbfinale ein. Torschütze: Pierre-Emerick Aubameyang.

Frankfurt schont drei Akteure

Am Samstag strich SGE-Trainer Armin Veh dann schon vor dem Anpfiff die Segel und verfolgte seine – nicht besonders erfolgreiche – Taktik aus dem Bayern-Spiel weiter. Das hieß: er schonte mit Zambrano, Flum und Rode gleich drei Leistungsträger, die von einer Gelbsperre bedroht waren und im Zweifel dann im Kellerduell gegen Bremen in der nächsten Woche gefehlt hätten. Irgendwo zwar nachvollziehbar, aber unbedingter Siegeswille gegen einen in dieser Saison nicht eben unschlagbaren BVB sieht natürlich anders aus…

Der BVB bot die Elf aus dem Pokalspiel auf, der wiedergenesene Sven Bender blieb für Sebastian Kehl auf der Bank, innen verteidigten Sokratis und Manuel Friedrich und Marco Reus wurde wieder von Kevin Großkreutz ersetzt. Und anders als am Dienstag ließ Borussia die Frankfurter diesmal gar nicht erst ins Spiel kommen. Schon nach 11 Minuten führte der BVB. Torschütze: Pierre-Emerick Aubameyang.

Tolles Tor zum 1:0

Offenbar liegt ihm die Eintracht. Doch vor allem liegt sie auch Henrikh Mkhitaryan, der im Hinspiel seine ersten BVB-Tore schoss und diesmal maßgeblich an der Entstehung des 1:0 beteiligt war. Nach einem Ballverlust setzte der Armenier nach und eroberte in einem Paradebeispiel für das alte und länger vermisste Dortmunder Gegenpressing die Kugel zurück. Dann legte er den Ball mit einem Traumpass der Marke „Und deshalb hat er 27 Millionen gekostet“ auf Aubameyang und der zimmerte das Ding trocken in die Maschen. Ein wunderschön heraus gespieltes Tor, das wieder sehr an den BVB-Fußball erinnerte, den wir über die Jahre genießen durften.

Der BVB ließ in der Folge keinen Zweifel daran, wer im Westfalenstadion das Sagen hat. Nur zehn Minuten später stand es 2:0. Torschütze: Pierre-Emerick Aubameyang.

Diesmal kam der Ball durch eine Standardsituation in den Strafraum, Friedrich verlängerte und der Ball fiel Aubameyang vor die Füße. Neben einem Extra-Sternchen für seinen Torriecher verdiente er sich in dieser Szene noch beste Haltungsnoten beim anschließenden Salto. Heimlich, still und leise hat der Gabuner damit sein Torkonto auf 13 Treffer erhöht und dürfte, wenn er so weiter macht, ein gewichtiges Wörtchen im Kampf um die Torjägerkanone mitreden.

Geschenkter Elfer

Der BVB kontrollierte das Spiel weiter, Frankfurt kam lediglich zu einer guten Freistoßchance nach einer halben Stunde. Nur zwei Minuten nach der Pause stand es 3:0. Torschütze: Pierre-Emer…. ähm, nein, diesmal ausnahmsweise nicht.

Im Strafraum kam Robert Lewandowski zu Fall, Schiri Sippel wollte ein Unterlaufen von Djakpa gesehen haben und pfiff Elfmeter. Angesichts des Spielstands und der drückenden Überlegenheit des BVB war das zwar sicher keine spielentscheidende Szene, aber trotzdem an dieser Stelle: Danke für das Geschenk, Peter Sippel. Denn ein Elfmeter war das nie im Leben. Lewandowski war’s völlig wumpe, er verwandelte gewohnt sicher und überholte seinen Teamkollegen Aubameyang mit nunmehr 14 Treffern.

Damit war das Spiel endgültig entschieden. Der BVB vertrieb sich die weitere Zeit mit lustvollem Kombinieren, die Eintracht trabte nebenher und versuchte, zumindest ein Debakel zu verhindern, blieb aber selber nach vorne völlig ungefährlich.

17 Sekunden

In der 67. Minute kam dann Winterneuzugang Milos Jojic endlich zu seinem ersten Einsatz im BVB-Trikot. Mkhitaryan ging für ihn raus und hatte wahrscheinlich noch gar nicht auf der Bank Platz genommen, als es schon 4:0 stand und Jojic zurück zur Seitenlinie spurtete, um freudestrahlend in Jürgen Klopps Arme zu springen. Er hatte sich gerade erst im Dortmunder Mittelfeld einsortiert, als Eintracht-Keeper Trapp einen wuchtigen Schuss von Großkreutz schräg nach vorne abprallen ließ und dem Neuzugang direkt vor die Füße rollte. Auch wenn es ein Abstauber-Tor war, war das natürlich ein Einstand nach Maß für den Serben und passte perfekt zum tollen Spiel des BVB.

Der Rest war Feiern. Und am Ende des Tages muss man konstatieren, dass beim BVB zwei Dinge zurück sind, die zuletzt gefehlt hatten und wohl auch den Unterschied ausmachen: die Leichtigkeit und der Spaß am Fußball. Und auch ein bisschen das Glück. Natürlich sind Braunschweig, Bremen und Frankfurt nicht der Grad, an dem der BVB sich messen lassen muss, aber es hat doch den Anschein, als habe der glückliche Sieg in Braunschweig eine Positivspirale in Gang gesetzt. Die Rückrunden-Bilanz sieht mit vier Siegen und einem Unentschieden plötzlich ziemlich gut aus und aufgrund der Niederlage von Bayer Leverkusen gegen die Unaussprechlichen aus der Nachbarstadt ist der BVB sogar bis auf einen Punkt an Platz zwei heran gerückt. Die Tabelle hat eigentlich nur den kleinen Schönheitsfehler, dass eben jene Unaussprechlichen Dortmund immer noch unangenehm dicht auf die Pelle rücken. Zwei so deutliche Siege hintereinander einzufahren war aber sicher gut für die Psyche.

Und nun der HSV…

Und auch der nächste Gegner gibt auf dem Papier noch einmal die Gelegenheit, ein wenig Selbstvertrauen zu tanken, bevor dann die härteren Brocken kommen. Am Samstag reist der BVB zum hochgradig abstiegsgefährdeten Hamburger SV. Hat man die letzten Spiele der Hanseaten gesehen, fällt einem eigentlich kein Szenario ein, in dem der BVB dort nicht haushoch gewinnt. Andererseits hat Hamburg mit Bert van Marwijk gerade seinen zweiten Trainer entlassen und ist im Begriff, mit Mirko Slomka einen ziemlich guten dritten Coach zu verpflichten. Inwieweit ein „Neue-Trainer-Effekt“ bei dieser völlig desolaten und verunsicherten HSV-Mannschaft noch irgendetwas ausrichten kann, wird man sehen. Unterschätzen sollte man die Hamburger aber auf keinen Fall. Die Devise kann deshalb nur lauten: Hinfahren, hochkonzentriert spielen und die Rolle des Aufbaugegners jemand anderem überlassen…

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer – Sahin, Kehl – Aubameyang (71. Hofmann), Mchitarjan (68. Jojic), Großkreutz – Lewandowski (81. Schieber)
Eintracht Frankfurt: Trapp – Jung, Anderson (33. Kempf), Madlung, Djakpa (73. Oczipka) – Russ, Lanig – Aigner, Meier, Weis (54. Schröck) – Rosenthal
Tore: 1:0 Aubameyang (10.), 2:0 Aubameyang (21.), 3:0 Lewandowski (47./Foulelfmeter), 4:0 Jojic (68.)
Gelbe Karten: Sahin (3) / Kempf (1), Russ (4), Schröck (1)

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