Buchrezension: 111 Gründe, Bayern München zu hassen

Die 111-er-Reihe, die uns unter anderem erklärte, warum man Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, das Fahrradfahren oder den Ruhrpott einfach lieben muss, hat ein neues Werk herausgebracht: diesmal dreht sie die Geschichte um und stänkert nach Herzenslust über den FC Bayern. Eine Motz- und Meckerschrift gegen den leider besten Fußballverein der Welt.

Davon abgesehen, dass zumindest dieser Titel im Fußball eine erstaunlich kurze Halbwertszeit haben kann und sich schon erledigt haben dürfte, wenn Bayern die Champions League nicht erneut gewinnt, ist so eine Motz- und Meckerschrift zur Zeit ja gar nicht mal verkehrt. Selbst Fans, die mit demonstrativer Langeweile erklären, dass die Bayern ihnen völlig egal seien, müssen doch zugeben, dass die überbordende mediale Beweihräucherung, der man als Fußball-Fan seit nunmehr zwei Jahren ausgesetzt ist, irgendwie langsam ganz schön nervt.

Anekdoten und Gedanken

Somit ist es irgendwie auch ganz angenehm, einmal Dinge zu lesen, die man selber wahrscheinlich auch schon zigtausend Mal gesagt und noch öfter gedacht hat. Wer nicht mehr lesen, wie toll die Bayern sind und wie überirdisch und was sie alles Großartiges tun, der kann auf dieses Büchlein zurückgreifen.

Aufgebaut ist das Buch fast genauso wie die anderen Bücher aus der 111-er-Reihe: es gibt mehrere Kapitel und dann 111 Gründe, die mitunter auch eher Anekdoten oder Gedankenspiele sind, in denen ausführlich dargelegt wird, warum man diesen Verein einfach nur hassen kann. Wo es sonst nur einen oder zwei Autoren gibt, ist dieses Buch eine Sammlungen von Texten, die von über 60 Autoren stammen und sich von daher auch sehr unterschiedlich lesen. Das ist ein großes Plus im Gegensatz zu den anderen Büchern aus der Reihe, bei denen manche Gründe dann auch schon mal etwas an den Haaren herbei gezogen wirken und sich zum Teil auch ähneln.

Unterhaltsame Texte

Manche Texte in diesem Buch sind witzig, manche philosophisch und einige wenige sind auch nerviges Gejammer. Wie man welchen Text charakterisiert, hängt dann wohl vom persönlichen Geschmack des Lesers ab. Wie auch bei den anderen Büchern aus dieser Reihe, tauchen mitunter Gründe auf, die eigentlich keine sind. Wenn z.B. eine Frau sich aufregt, dass ihr Ehemann, der Fan eines Zweitligisten ist, am Wochenende nur in Sachen Fußball unterwegs ist, ist das doch eigentlich kein Grund, Bayern München zu hassen, sondern eher pauschales Gejammer einer fußball-desinteressierten Frau, die wenig Verständnis für die Passion ihres Mannes hat. Auch wenn am Ende ziemlich krampfhaft noch ein Bayern-Bezug hergestellt wird, passt so ein Text dann irgendwie nicht in das Konzept des Buches. Solche Texte sind aber die Ausnahme. Der überwiegende Teil der Texte ist unterhaltsam geschrieben und zum Teil auch sehr treffend.

Das Buch beginnt übrigens mit dem Statement eines Bayern-Fans, das einem so die Galle überlaufen lässt, dass man hinterher umso empfänglicher für die anschließenden 110 Hass-Gründe ist. Auf den letzten zwei Seiten ist Platz für die eigenen Gedanken, auch wenn Grund 112, „Grund, die Bayern zu lieben, wenigstens ein bisschen“ bei mir eher Ratlosigkeit hinterlassen hat. Ich kann mir kein Szenario vorstellen, nicht einmal in einem Paralleluniversum, in der mir auch nur ein halber Grund einfiele, diesen Verein zu mögen, geschweige denn, zu lieben…

Eine Form von Anerkennung

Fazit: das Buch hat auf jeden Fall einen netten Ansatz und bietet den Luxus, ungehemmt seiner Abneigung dieses Vereins frönen zu können. Die Texte sind so verschieden, dass wahrscheinlich fast jeder Leser sich zumindest in einigen von ihnen wiederfinden wird. Am Ende stellt sich aber die Frage, ob die Mühe, eine solche Motz- und Meckerschrift gegen die Bayern zu erstellen, die mediale Überhöhung der Bedeutung dieses Vereins nicht eigentlich nur unterstreicht. Schließlich ist Hass ja irgendwie eine Form von Anerkennung. Wenn man diesen Gedanken energisch genug beiseite schiebt, macht es aber trotzdem Spaß, es zu lesen.

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