Buchrezension: Markus Draxler – Der Himmel ist blau

Als BVB-Fan kann man im ersten Moment vor diesem Roman zurück schrecken. Denn er spielt in Gelsenkirchen, die Hauptpersonen sind Schalke-Fans und der Autor ist obendrein mit Schalke-Profi Julian Draxler verwandt. Es lohnt sich aber, derartige Zweifel beiseite zu schieben und das Buch trotzdem zu lesen.

Denn bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass der blau-weiße Vorortsverein zwar fest in der Identität der Protagonisten verankert ist, im Buch selbst aber eigentlich eine eher untergeordnete Rolle spielt. Es ist nämlich viel mehr ein Roman über den Charme und die Besonderheit des Ruhrgebiets und über das Leben in seiner Gesamtheit.

Schicksalsschlag

Draxler schreibt über das Leben in all seiner Sorglosigkeit und Grausamkeit, die oft auch so nahe beieinander liegen. Es geht um eine Clique von Männern im mittleren Alter, die mehrheitlich eher aus der Arbeiterschicht stammen, gerne süppeln, am Wochenende zusammen ins Stadion gehen und sich sonntags auf einem Bolzplatz neben einer stillgelegten Kokerei treffen um Bier zu trinken und ein wenig zu pöhlen. Es ist eine Konstante in ihrem Leben, die sehr wichtig für sie ist.

Dann erfährt Acki, der Ich-Erzähler des Romans, durch Zufall, dass ihr Bolzplatz verschwinden soll, weil man aus der Kokerei ein Museum machen will. Diese erschreckende Nachricht wird aber sofort von einem echten Schicksalsschlag überschattet, denn er erfährt, dass seine Schwester im Sterben liegt.

Interessanter Bruch

An dieser Stelle erfährt der Roman einen interessanten Bruch. Kam der erste Teil noch sehr locker, hemdsärmelig und witzig daher, bekommt das Buch ab dieser Stelle eine sehr nachdenkliche und ernste Komponente. Denn Acki wird nicht mit dem Tod seiner Schwester fertig und verfällt in tiefe Lethargie und Depression. Was ihn letztlich aus seiner Starre befreit, ist der irrwitzige Plan seiner Kumpels, um ihren Bolzplatz zu retten. Dieser Plan leitet die dritte Phase des Buches ein, die mit „völliges Chaos“ wohl zutreffend beschrieben ist.

Markus Draxlers Debütroman kann man alles in allem als absolut gelungen bezeichnen. Es ist alles drin: Humor, Tragik, Fußball, Bösewichte, ein kleines bisschen Sex, ein bisschen mehr Crime und jede Menge Ruhrpott-Flair. Ein Heimatroman der besonderen Sorte und als Strandlektüre für die Sommerpause bestens geeignet!

Markus Draxler, Der Himmel ist blau, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2014, 160 S., 12,90 €

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