Buchrezension: Thorsten Legat – Wenn das Leben Foul spielt

Dass ehemalige Fußballprofis ihre Memoiren schreiben, ist heute nichts Ungewöhnliches. Geltungssucht, Geldmangel – es gibt viele Motive dafür. Manche dieser Biografien sind interessant, andere weniger, manche sind einfach nur peinlich. Die Autobiografie von Thorsten Legat ist definitiv ganz anders. Denn sein Leben und auch seine Karriere wurde bestimmt von einer wirklich schrecklichen Kindheit, über die er in diesem Buch zum ersten Mal spricht.

Thorsten Legat spielte beim VfL Bochum, bei Werder Bremen, dem VfB Stuttgart und Schalke gespielt hat und musste mit 33 Jahren seine Karriere nach vielen Verletzungen beenden. Zu seiner aktiven Zeit galt Legat als „harter Hund“, der sich und seinen Gegenspielern nichts schenkte. Sein Buch schrieb er nach eigener Aussage auch, um den Leuten zu erklären, warum er so war und was ihn dazu gemacht hat.

Schlimme Kindheit

Er beschreibt eindringlich seine trostlose Kindheit in Bochum, die vor allem von Gewalt und Missbrauch geprägt war. Legat, der aus einer mittellosen Arbeiterfamilie stand, litt ebenso wie seine Mutter und seine älteren Brüder unter dem Vater, über der er lapidar schreibt: „Mein Vater war ein Schwein.“ Dabei war es nicht nur seine Trinkerei und seine unberechenbaren Gewaltausbrüche, unter denen Legat als Kind leiden musste, sondern vor allem auch wiederholter sexueller Missbrauch durch den Vater, den zuvor offenbar auch die älteren Brüder schon zu erdulden hatten.

Diese Übergriffe führten, so schildert Legat es, zu einer inneren Haltung, die beherrscht war von dem Gefühl, immer „gewappnet“ sein zu müssen und sich verteidigen können zu müssen. Deshalb betrieb er neben dem Fußball auch Bodybuilding und Kampfsport. Erst mit dem Tod seines Vaters endete das.

Kritik an Rehagel

Neben diesen Ereignissen, die das Leben nachhaltig prägten, berichtet Legat auch über seine Stationen im Profifußball, über seine größten Erfolge, aber auch seine schwärzesten Stunden. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund und übt beispielsweise harsche Kritik an seinem ehemaligen Trainer Otto Rehagel, der ihm in Bremen recht übel mitgespielt hat. Er spart aber auch nicht mit Selbstkritik, reflektiert sein Verhalten als Spieler und auch die Skandale, die er selbst produziert hat.

Fazit: Legats Buch ist eine der interessanten Fußballerbiografien, die auch zeigt, dass man Menschen eben nur vor den Kopf schauen kann und manchmal einfach nicht wissen kann, weshalb jemand sich so oder so verhält. Legat selbst hofft, mit diesem Buch einen Schlussstrich unter seine quälende Vergangenheit ziehen kann. Man mag es ihm wirklich wünschen, nach dem, was er erlebt hat. Lesenswert ist sein Buch auf jeden Fall.

Thorsten Legat, Wenn das Leben Foul spielt, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2014, 219 S., geb., 19,90 €

Advertisements

Ein Gedanke zu „Buchrezension: Thorsten Legat – Wenn das Leben Foul spielt

  1. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 39 in 2014 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2014

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s