Der Fußball wackelt…

Seit Jahren protestieren Fans gegen das Zweitliga-Topspiel an Montagabend. Die DFL denkt aber nicht dran, es wieder abzuschaffen. Stattdessen ist jetzt sogar ein Montagsspiel für die Bundesliga im Gespräch. Der Fußball würde sich damit einen weiteren Schritt von seinen Fans entfernen.

Droht der Bundesliga bald eine Zersplitterung des Spieltags wie in England? Ligaspiele am Mittwochmorgen um 11 Uhr, damit die Anstoßzeit für Zuschauer in China komfortabel ist? Soweit ist es freilich noch nicht. Aber es ist nicht zu übersehen, dass die Bundesliga dabei ist, ihr Gesicht massiv zu wandeln.

Die „Sportbild“ berichtete in ihrer jüngsten Ausgabe über angebliche Pläne der DFL. Die suche händeringend nach ausländischen Investoren ziehe dabei auch die Einführung eines Spiels am Montagabend in Erwägung. Am traditionellen Bundesliga-Termin – Samstagnachmittag – soll es dann nur noch vier Spiele statt fünf geben.

Fanunfreundlich

Montagabend – es gibt wohl kaum eine Anstoßzeit, die fanunfreundlicher ist. Man stelle sich vor, Borussia Dortmund spielt an einem Montagabend in Berlin. Oder der Hamburger SV in Freiburg. Als Auswärtsfan kann man diese Tour nur machen, wenn man sich zwei Tage Urlaub nimmt. Schon die späten Sonntagsspiele stellen die Auswärtsfahrer mitunter vor Probleme.

Bei allem Verständnis dafür, dass die Bundesliga im internationalen Vergleich die Lücke zur Premier League verkleinern will: Die DFL muss aufpassen, dass die Fans nicht irgendwann gänzlich auf der Strecke bleiben.

Kommerzialisierung ist Teil des Sports

Natürlich wird man das Rad der Geschichte nicht zurück drehen können. Die Kommerzialisierung des Profifußballs ist nicht aufzuhalten. Die Bundesliga ist keine Ansammlung von Vereinen mehr, sich sich rein zum Zwecke des sportlichen Vergleichs untereinander messen, sondern ein Hochglanzprodukt, ein millionenschweres Geschäft.

Damit muss man sich als Fan abfinden.

Doch was unterscheidet die Bundesliga (noch) von den anderen europäischen Spitzenligen? Niedrige Ticketpreise, fanfreundliche Anstoßzeiten und daraus resultierend: volle Stadien und gute Stimmung. Und damit vermarktet die DFL ihr Produkt schließlich auch. Wie lange wird das noch so sein, wenn die Fans im Zuge der Kommerzialisierung immer mehr auf der Strecke bleiben? Entzieht sich die DFL damit nicht selbst ein Stück weit die Geschäftsgrundlage? Die Verantwortlichen sollten sich sehr genau überlegen, ob es das wert ist.

Die Bundesliga steht ohnehin vor einem Wandel. In der kommenden Saison wird wohl in RB Leipzig das ungeliebte Kind ins Oberhaus des deutschen Fußballs einziehen. Und wenn nicht, dann im darauffolgenden Jahr. Die Summen die dort investiert werden, lassen wenig Raum für die üblichen Unwägbarkeiten im Sport.

Es ist schlimm genug, dass die DFL die zunehmende Aushöhlung der 50+1-Regel durch ihre Passivität toleriert – ein weiterer Grundpfeiler des deutschen Fußballs. Die Entwicklung hin zu einem Fußball, in dem sich viele aktive Fans nicht mehr zu Hause fühlen werden, sollte aber nicht auch noch aktiv durch die DFL forciert werden.

Die Verantwortlichen sollten eins nicht vergessen: Fußball wird auf diesem Niveau nicht mehr zum Selbstzweck gespielt. Ohne seine Fans fehlt ihm seine Essenz – die Leidenschaft.

Dieser Artikel erschien ursprünglich als Kommentar auf www.westline.de.

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