Das Ende einer Ära

Jürgen Klopp verlässt den BVB im Sommer und nimmt eine Auszeit. Diese Nachricht schlug am Mittwochvormittag buchstäblich ein wie eine Bombe. Es ist nichts weniger als eine Ära, die damit zu Ende gehen wird. 

Hans-Joachim Watzke weinte fast, als er die Nachricht auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz bekannt gab. Und auch Jürgen Klopp wirkte durchaus angeschlagen.

Schon länger hörte man es im Gebälk knacken. Das bleibt nicht aus, wenn ein Topverein mit einem Topkader statt um die Champions-League-Plätze plötzlich gegen den Abstieg spielt. Schlimmer als die Ergebnisse waren häufig die Vorstellungen der Borussen, die allzu oft in dieser Saison blutleer, ideenlos und bar jeder Kreativität daher kamen.

Fans, Journalisten, Experten – sie alle rätselten, was mit dem einst so begeisternden BVB-Spiel passiert ist. Dem Spiel, das in aller Munde war, in ganz Europa begeisterte und mit dem Jürgen Klopp – so schien es – den Fußball beinahe neu erfunden hatte? Wurden die falschen Spieler verpflichtet? Ist das Klopp-System einfach entzaubert? Eine einfache Antwort gibt es auf diese Frage wohl nicht.

Klopps Aussagen

Lange ist es ruhig geblieben im BVB-Umfeld. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke verkündete noch vor einigen Tagen, dass der BVB Jürgen Klopp „niemals entlassen wird“. Solche Aussagen haben in der Fußballwelt normalerweise eine geringe Halbwertszeit, allerdings hätte Watzke sich nach der Vehemenz seiner Aussagen auch sehr unglaubwürdig gemacht. Dennoch mehrten sich in letzter Zeit nicht nur in den Medien, sondern auch bei den Fans die Stimmen, die für ein Ende der Klopp-Ära plädierten.

Klopp selbst verkündete vor der Winterpause, den Weg frei machen zu wollen, wenn er das Gefühl hätte, ein anderer könne es besser machen. Offenbar ist dieser Fall jetzt eingetreten. Er sei nicht mehr zu 100 Prozent sicher, der perfekte Trainer für den Verein zu sein. Gerüchte, er sei ausgebrannt, zerstreute er jedoch auf der Pressekonferenz. „Der Verein braucht einen Neuanfang“, sagte er. Solange er da sei, messe man den Verein immer an den Erfolgen der letzten Jahre. Wenn man ehrlich ist, hat er damit wohl nicht unrecht.

Viele Verdienste

Klopps Verdienste um den Verein können überhaupt nicht hoch genug geschätzt werden. 2008 übernahm er einen BVB, der mühsam dabei war die Scherben des Beinahe-Bankrotts zusammenzukehren, drei Trainer in der Vorsaison verschlissen  hatte und dringend einen Neuanfang brauchte. Es folgten die wohl schönsten Jahre, die BVB-Fans in der jüngeren Geschichte erlebt haben. Klopp hauchte dem Verein neues Leben ein, ließ mitreißenden Vollgas-Fußball spielen, verjüngte die Mannschaft radikal. Zwei deutsche Meisterschaften, ein DFB-Pokal-Sieg, ein weiteres Pokalfinale und
der Einzug ins Champions-League-Finale sind die Bilanz der Ära Klopp. Dazu unvergessliche Spiele wie das CL- Viertelfinale 2013 gegen Malaga.

Umso überraschender war für viele der plötzliche sportliche Niedergang, der auch, aber sicher nicht allein, damit  erklärt werden kann, dass in Mario Götze und Robert Lewandowski zwei Schlüsselspieler des Klopp’schen Systems den
Verein verließen.

Trauer und Entsetzen

Am Ende sollte sich auch jeder einzelne Spieler fragen, ob er in dieser Saison wirklich alles getan hat, was in seiner Macht stand, um einen anderen Saisonverlauf herbei zu führen. Es wurden Fehler gemacht. Auch Klopp hat Fehler gemacht. Doch die Mannschaft kann und darf hier nicht aus der Verantwortung genommen werden. Unkonzentriertheit und Lustlosigkeit sind eine Einstellungssache. Das nur dem Trainer anzukreiden ist billig und ungerecht in Zeiten, in denen Fußballprofis sich als mündige Bürger darstellen.

Die Nachricht von Klopps Weggang hat für viel Trauer und Entsetzen gesorgt. Und auch ihm selbst fällt dieser Schritt vermutlich nicht leicht. Nichtsdestotrotz wird es weiter gehen. Und noch ist Jürgen Klopp da. Er bekräftigte, aus dieser restlichen Saison noch das Bestmögliche heraus zu holen zu wollen. Dass Klopp bis zu seinem letzten Arbeitstag für den Verein brennen wird, ist nicht zu bezweifeln. Und man kann nur hoffen, dass auch die Mannschaft den Anstand hat, alles aus sich heraus zu holen und Klopp einen vernünftigen Abschied zu bereiten.

Verein ist größer

Jürgen Klopp hat es zu Recht angesprochen. Der BVB war, ist und wird eines immer sein: größer als einzelne Personen. Jürgen Klopp hat den BVB der letzten Jahre geprägt, aber er ist nicht der BVB.

Nach sieben Jahren steht also wieder ein Neuanfang an. Dass der dringend nötig ist, darüber kann es nach dieser Saison keine zwei Meinungen geben, auch wenn ein Großteil der Fans (und auch ich) diesen Neuanfang lieber mit Jürgen Klopp gemacht hätten. Viele hatten gehofft, dass er vielleicht ein deutscher Arsene Wenger oder Alex Ferguson wird. Doch man muss seine Entscheidung akzeptieren. „Sieben Jahre sind eine außergewöhnlich lange Zeit im Fußball“, sagt Klopp dazu.

„Ich habe schon drei Dauerkarten für den BVB bestellt.“ – Jürgen Klopp

Und trotz der schwachen Saison: Seine Verdienste bleiben. Es war eine geile Zeit, ein „modernes Fußballmärchen“, wie Michael Zorc es ausdrückte. Klopp kann Dortmund nach sieben Jahren hocherhobenen Hauptes verlassen. Und es bleibt nur noch zu sagen: Danke, Jürgen, für alles, was du für den Verein getan hast und für all die Leidenschaft, mit der du so gut nach Dortmund passt. Alles Gute für deine Zukunft, und lass dich mal wieder im guten alten Westfalenstadion blicken!

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3 Gedanken zu „Das Ende einer Ära

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