Und plötzlich nach Berlin

Stell dir mal vor, es ist Pokalhalbfinale, gespielt wird in München und der FC Bayern verschießt vier Elfmeter. Was bis zu dieser Stelle eher nach rachedurstigen Wunschträumen Mia-san-Mia-geplagter Fußballfans klingt, ist tatsächlich Realität geworden. Und deshalb fährt der glorreiche BVB am 30. Mai nach Berlin und nicht der FC Espana Bayern München.

Dabei hat es bis zur 74. Minute überhaupt nicht danach ausgesehen, als käme der BVB der Hauptstadt in dieser Saison noch einmal näher als bis Wolfsburg. Die Bayern führten 1:0, spielten souverän ihren Stiefel herunter und der BVB präsentierte sich offensiv völlig unkreativ. Doch plötzlich flog der Ball ins Bayern-Tor. Manuel Neuer kratzte ihn zwar wieder raus, allerdings erst hinter der Linie.

Anders als im Pokalfinale 2014 funktionierten die Sehorgane des Schiedsrichters Peter Gagelmann und er gab das Tor. Aus heiterem Himmel stand es 1:1. Und den Bayern ging plötzlich die Pumpe.

Ausgleichende Gerechtigkeit

Ein wenig war es der Tag der ausgleichenden Gerechtigkeit. Das Schiri-Gespann übersah beim Stand von 1:0 für die Bayern ein klares Handspiel von Marcel Schmelzer im Strafraum. Das Geheule deswegen kann man sich von Bayern-Seite aber getrost sparen. Im Pokalfinale 2014 waren sie der Hund. Und diesmal waren sie eben der Baum. Von Fehlentscheidungen profitieren sie schließlich häufig genug.

Nach dem Elfmeterschießen muss ohnehin die Frage gestellt werden, was die Bayernfans so sicher macht, dass der Handelfmeter verwandelt worden wäre.

Aus BVB-Sicht war es ein absolut irrer, fast surrealer Abend mit einem euphorischen und überraschenden Ende. Und einem coolen Australier im Tor, der „Mind Games“ mit den Bayern-Schützen spielte. Ob es daran lag, dass Philipp Lahm und Xabi Alonso sich praktisch identisch auf den Hosenboden legten und den Ball in den Münchner Nachthimmel droschen? Mario Götzes Elfer hielt der Australier und Manuel Neuer verunsicherte er dann offenbar genug, um ihn dazu zu bringen, den Ball an die Latte zu knallen. Unfassbar!

Bessere Nerven

Und plötzlich steht man im Pokalfinale. Und weiß ehrlich gesagt gar nicht so richtig, wie man da hin gekommen ist. Aber wen interessiert das? Am Ende hat der BVB vielleicht nicht besser gespielt, aber er hatte definitiv die besseren Nerven.

Jürgen Klopps Traum, sich mit einem Autokorso um den Borsigplatz aus Dortmund verabschieden zu können, lebt weiter. Und nicht nur für ihn, sondern auch für den langjährigen Capitano Sebastian Kehl, der seinen Elfer trocken verwandelte, wäre es ein würdiger Abschied. Und nach dieser enttäuschenden Saison wäre es Balsam auf die Seele.

Bald geht’s also wieder auf die A2. Und Berlin darf sich mal wieder auf eine Riesenparty gefasst machen.

Man möchte nun gar nicht anfangen, die spontane Party am Borsigplatz in der Nacht zu Mittwoch mit der nicht vorhandenen Meisterfeier in München am Sonntag zu vergleichen. Dass mit dem BVB im Finale in Berlin mehr los sein wird, als mit Bayern, war vorher klar. Aber auch für die Attraktivität des Wettbewerbs ist es sicher nicht schädlich, dass Bayern München zur Abwechslung mal nicht einen der beiden Finalteilnehmer stellt.

Und nun muss ich los. Und erst mal richtig begreifen, dass ich nicht geträumt habe.

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Ein Gedanke zu „Und plötzlich nach Berlin

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