Buchrezension: Dirk Rasch – Rettet den Fußball!

Kommerzialisierung im Fußball: Wie viel muss sein? Wie viel darf sein? Wann ist es zu viel? Diese Fragen beschäftigen nicht nur viele Fans, sondern auch Dirk Rasch in seinem Buch.

Rasch war 15 Jahre lang Präsident des VfL Osnabrück und hat die Höhen und Tiefen des Geschäftes hautnah miterlebt. Sein Rückblick – gleichsam eine Abrechnung mit vielen bestehenden Strukturen im Profifußball.

Sein Buch trägt den Untertitel „Zwischen Tradition, Kommerz und Randale“ und tatsächlich macht er ein weites Feld auf. Der weitaus größte Teil des Buches beschäftigt sich mit den wirtschaftlichen Aspekten und der Kommerzialisierung des Profifußballs. Hier beschränkt er sich nicht auf Deutschland, sondern blickt auch in die großen Ligen nach England, Spanien und Italien. Auch FIFA und UEFA bekommen ihr Fett weg.

Undurchlässige Grenzen

Er schildert vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen als Präsident eines (meist) Drittligisten, wie undurchlässig die Grenzen zwischen erster, zweiter und dritter Liga tatsächlich sind. Und liefert auch eine Erklärung, warum es die RB Leipzigs und FC Ingolstadts dieser Republik sind, die den Weg nach oben schaffen und nicht etwa der VfL Osnabrück.

Foto: Verlag Die Werkstatt

Foto: Verlag Die Werkstatt

Er fordert eine gerechtere Verteilung der TV-Gelder, Gehaltsobergrenzen, Transparenz und Begrenzung der Ablösesummen, gezielte Nachwuchsförderung und Last but not Least die Dinge, die auch viele Faninitiativen fordern: Fanfreundliche Anstoßzeiten, keine weitere Zersplitterung des Spieltags, fanfreundliche Eintrittspreise und den Erhalt der Stehplätze.

Alle seine Forderungen führt er klug aus und begründet sie schlüssig – dennoch sind einige wohl zu idealistisch, als dass sie jemals an den richtigen Stellen Gehör finden könnten. Rasch zeigt sich nicht als grundsätzlicher Kommerzialisierungsfeind, er sagt auch, dass man um bestimmte Maßnahmen nicht herum kommt, wenn man als Verein wirtschaftlich konkurrenzfähig bleiben will.

Der Wettskandal

Im zweiten Teil blickt er zurück auf seine 15 Jahre im Fußball. Dieser Teil ist sehr kurzweilig zu lesen, er schildert viele Anekdoten, geht aber auch detailliert auf den Wettskandal um den bestechlichen Schiedsrichter Robert Hoyzer ein, in den auch Spieler des VfL Osnabrück verwickelt waren. Es ist interessant, mal etwas aus Sicht eines betroffenen Vereins zu lesen.

Im dritten Teil geht Rasch noch auf das Thema Gewalt und Rassismus ein. Auch hier schildert er eigene Erfahrungen. Im vierten Teil schreibt er über Fangruppierungen und ihr Traditionsbewusstsein und geht dabei auch auf die Bedeutung der 50+1-Regel ein, für deren Erhalt er plädiert. Beispielhaft nennt er den Fall RB Leipzig und greift DFB und DFL scharf dafür an, dass sie den Verein „von Liga zu Liga durchwinken“ – mit einem kleinen Seitenhieb auf die Vetternwirtschaft beim DFB. Und er bringt es auf den Punkt: „Dieser Verein wurde ausschließlich gegründet, um Dosengetränken zu verkaufen. Das wissen auch der DFB und die DFL. Das hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Nicht nur bei den Traditionalisten des Profifußballs.“

Viele gute Gedanken

Im ausführlichen und eher traurig-pessimistischen Fazit wiederholt er seine Forderungen und fasst seine Ansicht zum Thema Kommerzialisierung zusammen: „Die Kommerzialisierung sollte ein vernunftbegabter Begleiter des Profifußballs sein, nicht dessen Hauptprofiteur.“

Man merkt: Hier schreibt ein Mann, der über langjährige Erfahrung im Profifußball verfügt. Viele seiner Forderungen klingen vernünftig und dürften den meisten Fans wohl aus dem Herzen sprechen. Ein lesenswertes Buch mit vielen guten Gedanken.

Dirk Rasch, Rettet den Fußball! Zwischen Tradition, Kommerz und Randale, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2014, 254 S., 16,90 €

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s