Buchrezension: Nur der BVB

Die Geschichte von Borussia Dortmund ist schon oft erzählt worden. Ein neues Werk zur Geschichte des BVB mit dem Gewicht einiger Wackersteine haben Dietrich Schulze-Marmeling und Christoph Bausenwein herausgebracht.

Grob ist der 240 Seiten starke Band in fünf Epochen untergliedert: 1909-1945, 1945-1963, 1963-1989, 1989-2008 und 2008 bis 2014. Das Buch endet mit dem Pokalfinale 2014 gegen die Bayern. Zu Beginn jedes Kapitels wird ein Überblick über die jeweilige Epoche gegeben, danach folgen detaillierte Beschreibungen einzelner Saisons. Teilweise sind die Saisons auch zusammengefasst, aber die Autoren haben sich Mühe gegeben, zumindest ab der Nachkriegszeit jeden Saisonverlauf zu beschreiben. Für die Zeit vor dem Krieg gibt es das nicht, allerdings dürfte hier die Quellenlage auch dürftiger sein.

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Außerdem greifen die Autoren aus jeder Epoche legendäre Spiele heraus, auf die dann noch mal ausführlicher eingegangen wird, angereichert mit der jeweiligen Spielstatistik, der Aufstellung und Pressestimmen. Abgerundet wird das Buch durch Porträts von Vereinslegenden und Spielern des BVB. Sonderseiten gibt es zu den Spielstätten des BVB: Der Weißen Wiese, dem für diesen Blog namengebenden Stadion Rote Erde und natürlich dem Westfalenstadion. Für alle Fans von Daten und Zahlen schließt das Buch mit einem großen Statistik-Teil.

Lücke geschlossen

Nun gibt es mit „Der Ruhm, der Traum und die Leidenschaft“ und der Vereinschronik „Ein Jahrhundert Borussia Dortmund“, beide ebenfalls aus der Feder von Schulze-Marmeling (bei der Chronik zusammen mit Gerd Kolbe), schon zwei dicke Standardwerke. Braucht man also noch ein drittes, monumentales Werk zur Vereinsgeschichte?

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Buch inhaltlich wenig von der offiziellen Chronik, davon abgesehen, dass diese um einiges dicker und ausführlicher ist. Auf den zweiten Blick stellt man allerdings fest, dass die jüngere Geschichte ab 2008 mehr als die Hälfte von „Nur der BVB“ einnimmt und die ältere Geschichte etwas knapper abgehandelt ist. In der offiziellen Chronik ist am Ende der Saison 2008/2009 Schluss, damit fehlt fast die gesamte, erfolgreiche Klopp-Ära. Das gleiche gilt für „Der Ruhm, der Traum und die Leidenschaft“, die letzte Auflage endet mit dem Meistertitel 2011. Damit fehlt beiden Standardwerken natürlich ein wichtiger Teil und eine der erfolgreichsten Äras der BVB-Geschichte. Eine Lücke, die „Nur der BVB“ auffängt.

Tolle Fotos

Die Aufmachung des neuen Werkes ist sehr ansprechend. „Großartige Fotos und spannende Texte zur gesamten Geschichte des BVB“ verspricht das Buch im Klappentext. Und viele, wunderschöne Fotos enthält das Buch tatsächlich, egal ob historische Aufnahmen, Spielszenen, Feierfotos und tolle Panoramen vom Westfalenstadion und der Südtribüne. Die Texte als spannend zu bezeichnen, ist etwas gewagt. Größtenteils sind es gründliche, eher nüchtern gehaltene Berichte. Spannender als ein Spielbericht vom Kicker liest sich das jetzt nicht. Vielmehr ist es – naja, eine Chronik eben! Sicher aber eine erholsame Lektüre für BVB-Fans, die sich einfach nur auf das Sportliche konzentrieren möchten und die Celebrity- und Lifestyle-Berichterstattung rund um den Verein leid sind.

Fazit: „Nur der BVB“ bietet keinen bahnbrechend neuen Blickwinkel auf die Geschichte des Vereins und wärmt sicher im ersten Teil so manches auf, das schon mehrfach geschrieben wurde. Dafür bietet das Buch aber erstmalig einen ausführlichen und systematischen Rückblick auf die Klopp-Ära. Damit ist es eine wertvolle Ergänzung zu den beiden älteren Standardwerken zur Vereinsgeschichte und auf jeden Fall ein Gewinn. Dazu bietet es etwas fürs Auge: Die Fotos sind einfach toll.

Christoph Bausenwein und Dietrich Schulze-Marmeling: Nur der BVB. Die Geschichte von Borussia Dortmund, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2014, 242 S., 29,90 Euro.

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Ein Gedanke zu „Buchrezension: Nur der BVB

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